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Freitag, 23.07.2010 - 15.22 Uhr Zurück zur News-Übersicht

Aus für Aventura?

Kiefersfelden ist empört, und das nicht zu unrecht. Die Bürger hatten von einem großen Aufschwung geträumt, als sie erfuhren, dass sich der Diplom-Ingenieur Hans Lindenberger Kiefersfelden als



Standort für den Einkauf- und Erlebnisgiganten Aventura ausgesucht hat. Eine große Ehre, so die Kiefersfeldener, ein Tiroler Projekt auf unserer Seite der Grenze zu verwirklichen.
Doch nun scheint der Traum geplatzt. Rosenheim und auch einige umliegende Gemeinden entscheiden sich klar gegen das Handels- und Erlebniscenter.
Warum, ist vielen Einwohnern Kiefersfeldens ein Rätsel. Die Standortfaktoren der grenznahen Gemeinde sind geradezu perfekt für solch ein Projekt.
In das x-förmige Gebäude „Aventura“ würde sich das internationale Unternehmen Kneissl sowohl mit einer Produktionsstätte, als auch mit einem Werksverkauf ansiedeln. Außerdem sollten auf der riesigen Fläche von 15000 Quadratmetern ein Hotel, eine Eventhalle, Manufakturen sowie Gaststätten und verschiedene Sportshops untergebracht werden.
Für die Kiefersfeldener Bevölkerung wären die damit verbundenen 200 neuen
Arbeitsplätze ein Segen. Die Gewerbesteuereinnahmen fielen mit dem Niedergang der Zementindustrie, der Marmorwerke und des Autobahnzolls weg. Die Verwirklichung des Projekts würde eine erneute Aufwärtsentwicklung für das Dorf am Inn bedeuten. Nicht zuletzt würde die äußerst niedrige Geburtenrate des Ortes durch die Gewinnung junger Familien wieder ansteigen.
Mit der Attraktion am Autobahnzubringer würde auch der Tourismus im Dorf zusätzlich gestärkt werden. Aber nicht nur die Gemeinde Kiefersfelden würde vom Projekt „Aventura“ profitieren, sondern die ganze Region, durch die vielen neuen Arbeitsplätze.
Von dem kolossalen Sportcenter fühlen sich allerdings die Stadt Rosenheim und die umliegenden Gemeinden bedroht. Die regionalen Sporthändler sehen in dem imposanten x-förmigen Gebäude einen großen Konkurrenten. „Ein Generalangriff auf den regionalen Sporthandel“, so der Rosenheimer Stadtrat.
Rosenheim und seine Umlandgemeinden befürchten, dass der Bau des roten Riesen das Ausbluten der Innenstädte und Ortszentren herbeiführen würde. Die „Stadt-Umland-Gemeinden“ Rosenheim, Großkarolinenfeld, Kolbermoor, Neubeuern, Raubling, Rohrdorf, Schechen, Stephanskirchen und Bad Aibling lehnen deshalb den Bau ab.
Der städtische Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl sagt dem OVB in einem Interview: „Wir haben immer gesagt, das passt nicht nach Kiefersfelden. Damit wird die Zentralität Rosenheims untergraben“. Des Weiteren könnte er sich ein Projekt wie „Aventura“ in abgespeckter Form aber sehr wohl in Rosenheim vorstellen.
Der richtige Platz dafür sei aber nun einmal im Oberzent­rum Rosenheim und nicht im Unterzentrum Kiefersfelden. Dies wäre eine ideale Nutzung für die brachliegende Fläche am Bahnhof.
Der Kiefersfeldener Bürgermeister Erwin Rinner hält dagegen: „Für uns war immer wichtig, dass wir den Verkehr von der Autobahn abschöpfen. Die, die sonst vorbeifahren, sollen die Kunden sein. Das hat mit der Region und Unter- oder Ober­zent­rum doch gar nichts zu
tun.“
Sehr zum Leidwesen der ansässigen Bevölkerung verlor Kiefersfelden unverschuldet seine ganze örtliche Industrie und somit viele Arbeitsplätze. Das Projekt „Aventura“ wäre deswegen eine gute Chance für eine bessere Zukunft. Der Neid der umliegenden Gemeinden ist völlig fehl am Platz, wo diese doch auch profitieren würden.
Ob das Projekt „Aventura“ nun überhaupt in Kiefersfelden genehmigt wird, entscheidet im Moment die Regierung in einem Raumordnungsverfahren.


Anna-Lisa Appel & Sebastian Didusch

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