Ganz Bayern trauert
Am Dienstagmorgen waren in Bad Aibling zwei Nahverkehrszüge auf einer eingleisigen Strecken frontal aufeinandergeprallt und teils entgleist. Dabei starben zehn Menschen. Foto: fib/Eß
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Ganz Bayern trauert

Das tragische Zugunglück bei Bad Aibling hat ganz Bayern erschüttert. In Bad Aibling hängen die Fahnen mit Trauerflor.

Auf der Bahnstrecke Rosenheim – Holzkirchen stießen am Dienstagmorgen, 9. Februar, zwei Regionalzüge des Meridian frontal zusammen. Sämtliche Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehren, Polizei und anderer Behörden waren im Einsatz, um den verunfallten Menschen zu helfen.

Wie die Polizei mitteilt, wird aktuell kein Fahrgast mehr vermisst. Alle Verletzten des Zugunglücks bei Bad Aibling seien außer Lebensgefahr. Die Zahl der Toten beträgt zehn. Aller Voraussicht nach wird sich diese Zahl auch nicht mehr erhöhen, denn glücklicherweise sind alle Verletzten außer Lebensgefahr. Die Identität von neun der zehn Opfer steht inzwischen fest. Es handelt sich ausschließlich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahre, wie Polizeisprecher Jürgen Thalmeier sagte. Sie alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehr-Lokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete.

Die Ursache für das Zugunglück ist noch nicht endgültig geklärt, seit Dienstag Abend verdichten sich jedoch die Hinweise auf menschliches Versagen. Ein Fahrdienstleiter im Stellwerk Bad Aibling soll eine verhängnisvolle Fehlentscheidung getroffen haben, die den Zusammenstoß der Züge verursacht habe. Laut Medienberichten hat der Bahnbedienstete manuell das automatische Signalsystem außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch auf die eingleisige Zugstrecke zu leiten. Der Triebwagen erreicht aber die Stelle, an der die Strecke zweigleisig wird, zu spät und stößt mit dem entgegenkommenden Zug frontal zusammen. Die Ermittlungen diesbezüglich laufen noch. Nach ersten Vernehmungen der Polizei ergibt sich kein dringender Verdacht gegen den Fahrdienstleiter. "Wir wehren uns vehement gegen dieses Gerücht", sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier am Mittwoch am Unglücksort. Zwar könne ein menschliches Versagen noch nicht ausgeschlossen werden, die Ermittlungen diesbezüglich stünden am Anfang. Der Fahrdienstleiter sei bereits unmittelbar nach dem Zusammenstoß am Dienstag befragt worden. Daraus ergebe sich "noch kein dringender Tatverdacht", betonte Thalmeier.

Die erste Blackbox wurde bereits ausgewertet. Laut Verkehrsminister Dobrindt befand sich die Blackbox in dem dreiteiligen Fahrzeug, das von Kolbermoor nach Bad Aibling unterwegs war. Die Auswertung zeigt, dass ein technischer Fehler nicht erkennbar ist. Auch ein Fehler des Fahrzeugführers könne ausgeschlossen werden. Eine zweite Blackbox steht inzwischen den Experten des Eisenbahnbundesamtes zu Verfügung und wird ausgewertet. Die dritte Blackbox befindet sich noch in einem Wrack.

In enger Abstimmung mit den ermittelnden Behörden beginnt am Mittwoch Morgen die Bergung der beiden Regionalzüge. Das ist eine schwierige Aufgabe, da die Unglücksstelle in einem schwer zugänglichen Waldstück nahe der Kläranlage von Bad Aibling am Mangfallkanal liegt. Ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn ist bereits eingetroffen. Der Notfallkran aus Fulda besitzt eine Tragkraft von 160 Tonnen. Zu dem Kran gehört ein Zug mit insgesamt fünf Modulen, in denen unter anderem die Energieversorgung, eine Werkstatt und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Einsatzteams untergebracht sind. Ein weiterer Notfallkran aus Leipzig mit einer Tragkraft von 75 Tonnen steht auf Abruf bereit. Auch das Technische Hilfswerk (THW) unterstützt mit Spezialgerät die Arbeiten vor Ort.

Die 37 km lange Strecke der Deutschen Bahn zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist weiterhin gesperrt. Ein Busnotverkehr mit sechs Bussen ist eingerichtet. Informationen zum aktuellen Fahrplan erhalten Reisende zusätzlich zum Internet auch beim 24h Meridian-Servicetelefon unter +49 (0) 80 24/99 71 71.

Für Angehörige wurde unter der Telefonnummer 0 80 31/2 00 31 80 bei der Polizei eine zentrale Hotline eingerichtet.  Die Polizei bittet ausdrücklich keine Auskünfte zu Blutspenden oder allgemeinen Informationen über das Zugunglück unter dieser Nummer anzufragen! Die Nummer muss für besorgte Bürger und Angehörige sowie für wichtige Zeugenhinweise erreichbar bleiben!

Aufgrund des tragischen Zugunglücks hatte der Blutspendedienst München zum Blutspenden aufgerufen. Nach der überwältigenden Resonanz der Spender, hat sich die Lage wieder beruhigt. Wer Blut spenden möchten, kann sich mit dem zuständigen Blutspendedienst München in Verbindung setzen, Telefon 08 00/5 75 75 57.

Für Betroffene des Zugunglücks, vor allem also Fahrgäste der Unfallzüge, bieten die Notfallseelsorger Rosenheim in den kommenden Tagen ihre Hilfe an. Menschen, die seelischen Beistand suchen, können sich dort melden unter der Telefonnummer 01 74/8 43 47 27.
Mittwoch, 10. Februar, von 11 bis 21 Uhr
Donnerstag, 11. Februar von 9 bis 19 Uhr
Freitag, 12. Februar, von 9 bis 17 Uhr

Ministerpräsident Horst Seehofer, Bundesverkehrsminister Dobrindt, der bayerische Innenminister Herrmann und Bundestagsvizepräsidentin Roth besuchten am Mittwoch die Unglücksstelle und legten einen Kranz nieder.

Statements zum Zugunglück:

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer:

"Im Namen aller Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt spreche ich den Angehörigen der Opfer, die bei dem Zusammenstoß der zwei Meridian-Züge ihr Leben verloren haben, unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme aus. Unsere Gedanken sind bei den vielen, zum Teil schwer verletzten Menschen. Der Faschingsdienstag 2016 ist ein schwarzer Tag für die ganze Region Rosenheim. (…) Aus einem Tag der Unbeschwertheit ist ein Tag tiefer Trauer geworden"

Landtagsabgeordneten Otto Ledere:

"Ich war geschockt als ich heute Morgen übers Radio von der Nachricht des schweren Zugunglücks in Bad Aibling erfahren habe. Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Toten, vielen Verletzten und den Angehörigen. Mein Dank gilt den Einsatzkräften und helfenden Händen der Hilfs- und Rettungsorganisationen sowie Polizei. Als aktiver Feuerwehrmann weiß ich wie viel Kraft so ein Einsatz kostet."

Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig:

„Das tragische Zugunglück heute bei Bad Aibling erschüttert mich zutiefst. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer, den Verletzten und ihren Familien. Ich wünsche allen Verletzten baldige Genesung. Ich selbst war einige Stunden lang vor Ort. Noch einmal danke an alle Rettungskräfte und an die Polizei! Es war ein Einsatz, der seelisch sehr belastend ist, und aufgrund der schwierigen Lage der Unfallstelle hohes Geschick und behutsames Vorgehen erforderte. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten an der Aufklärung der Unfallursache. Spekulationen darüber sind jetzt fehl am Platz.

Die CSU in Rosenheim hat ihren politischen Aschermittwoch abgesagt. Das ist auch richtig so. In unserer Region sind viele Familien von dem Unglück betroffen.“

Bernd Rosenbusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn GmbH:

„Wir sind zutiefst erschüttert, welches Bild sich uns heute Morgen am Unfallort geboten hat. Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen. Für uns ist unfassbar, was heute passiert ist."

Fabian Amini, technische Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn GmbH

„Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Einsatzkräften. Es ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung und emotionale Belastung. Umso wichtiger ist es zu wissen, dass wir uns in dieser schweren Zeit auf die Einsatzkräfte und ihre professionelle Hilfe verlassen können."

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