Sprachen beim Wirtschaftsempfang in Bad Aibling über Rahmenbedingungen und Chancen für den Mittelstand: Bürgermeister Richard Richter, Bruckmühl, Landrat Dieter Kannegießer (Parteifreie/ÜWG), Otto Lederer, MDL (CSU), Münchener Stadtrat Georg Schlagbauer, Franz Bergmüller, Bund der Selbstständigen - Ortsverband Bruckmühl, und Gerhard Schloots, Kreishandwerkskammer Rosenheim West. Foto: Olaf Konstantin Krueger

"Ohne den Mittelstand ist die Region ärmer"

19.03.2015

In vielen familiengeführten Betrieben steht in den kommenden Jahren ein Generationswechsel an. Die Rahmenbedingungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) scheinen jedoch zunehmend schwierig. So schwierig, dass einige KMU um ihre Existenz bangen. Deshalb betonen immer mehr Kommunalpolitiker wie Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter, der Mittelstand als "Rückgrat der Gemeinden" gehöre stärker gefördert. Landrat Dieter Kannegießer warnt sogar: "Ohne den Mittelstand geht nichts". Beim 25. Frühjahrsempfang der Wirtschaftsverbände Rosenheim-West in Bad Aibling-Mietraching beschrieb der Präsident der bayerischen Handwerkskammer, Georg Schlagbauer, die ernste Lage.

"Es brennt", formuliert Schlagbauer bündig vor rund 50 Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Energieversorgung, Erbschaftssteuer, Meistervoraussetzung, Lehrlingsmangel und der "Bürokratenwust" beim Mindestlohn seien aktuell die größten Herausforderungen für KMU. Dabei sei ihre wirtschaftliche Bedeutung doch enorm: Über 99 Prozent der Unternehmen gehörten dem Mittelstand an, über 75 Prozent der Beschäftigten seien hier tätig. Allein in Stadt und Landkreis Rosenheim seien in den 6850 Handwerksbetrieben 22600 Menschen beschäftigt, darunter 2170 Auszubildende.

In den Regionen seien kleine und mittelständische Unternehmen die großen Versorgungsdienstleister: "Wir sichern die bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige, dezentrale und wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung und die hohe Lebensqualität". KMU seien "Motoren für Ideen und Innovationen", "der Erfolgsgarant der bayerischen Wirtschaft" und schließlich "Quellen kulturellen Reichtums". Erfolgsfaktoren im Handwerk sind für Schlagbauer die gewachsenen Strukturen, das Festhalten am Brauchtum und die stete Neuausrichtung auf den Kundenwunsch.

Dann spricht Schlagbauer Klartext mit den Verbandsmitgliedern, darunter Vertreter des Bundes der Selbständigen - Gewerbeverband Bayern, speziell der Ortsverbände Bruckmühl-Feldkirchen-Aying-Irschenberg, Bad Aibling-Tuntenhausen, Kolbermoor, Bad Feilnbach und Werbering Mangfalltal, zudem Repräsentanten des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Rosenheim Stadt und Land sowie der Kreishandwerkerschaft Rosenheim. Schlagbauer, der auch Stadtrat in München ist, benennt die "Angriffe" auf die mittelständisch geprägte Wirtschaft in der Region und erklärt "rote Linien".

Stichwort: Energieversorgung. Die Energiewende gehöre "mittelstandsfreundlich" ausgerichtet, die Versorgungssicherung Bayerns ohne Preisanstiege garantiert. Die energetische Gebäudesanierung werde gebraucht.

Stichwort: Erbschaftssteuer. "Ein junger Unternehmer muss Lust haben, einen Betrieb zu übernehmen." Die Nachfolgeregelung sei für familiengeführte Betriebe mit ihrer hohen personalen Verantwortung "im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig". Um den Generationenwechsel zu erleichtern, dürfe das Eigenkapital nicht geschröpft, das Vermögen des Erben nicht eingerechnet werden. Die Lkw-Maut solle noch in dieser Legislatur geregelt und eine Vignette nur für 3,5- bis 7,5-Tonner eingeführt werden.

Stichwort: Meistervoraussetzung. Der Meistertitel sei ein "Produktionssicherheitsmerkmal, keine Zugangsbeschränkung". Meisterbetriebe bildeten aus, stärkten die Region und seien leistungsfähiger als Kleinstbetriebe mit geringerer Produktivität, die nur Auftragspotenzial abschöpften. Beim geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP müsse die Meistervoraussetzung Bestand behalten.

Stichwort: Lehrlingsmangel. Alleine in München und Oberbayern sind 1700 Lehrstellen unbesetzt, in ganz Bayern 4.700. Der Flüchtlingszuzug könnte den "Nachwuchskräftemangel" mindern. Voraussetzungen seien: Unterstützung für die aufnehmenden Betriebe, ein gesichertes Bleiberecht und gute Deutschkenntnisse.

Stichwort: Mindestlohn. Schlagbauer verwahrt sich gegen den "Generalverdacht", KMU wollten den Mindestlohn unterlaufen. 8,50 Euro pro Stunde seien ebenso wenig problematisch wie Vergünstigungen für Mitarbeiter. Doch die "überzogene Dokumentationspflicht" belaste die Unternehmen: "Wir brauchen rechtssichere Durchführungsverordnungen".

Zur Abwehr dieser "Angriffe" will Schlagbauer mit Mittelständlern und Kommunalpolitikern im Gespräch bleiben.

Olaf Konstantin Krueger

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