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Vorbeugung bei Hellem Hautkrebs:

26.06.2017

Heller Hautkrebs. Mit diesen Worten erfahren jährlich 250.000 Menschen von ihrem Hautarzt, welchen Schaden die Sonne der Haut zufügen kann. Eine erschreckend hohe Zahl, vor allem angesichts der vergleichsweise einfachen Möglichkeiten, dem Hellen Hautkrebs vorzubeugen. Voraussetzung dafür ist, sich maßvoll, bewusst und gut geschützt der Sonne auszusetzen. Und das gilt nicht nur für Freizeit und Urlaub, sondern auch für Menschen, die beruflich oft im Freien unterwegs sind. Worauf es beim Schutz vor Hellem Hautkrebs genau ankommt, verrieten Dermatologen am Lesertelefon anlässlich des diesjährigen Tags des Sonnenschutzes. Hier die wichtigsten Tipps zum Nachlesen:

Gibt es verschiedene Arten von Hellem Hautkrebs?

Dr. med. Martina Hund: Dermatologen fassen unter dem Begriff zwei Arten von Hautkrebs zusammen: Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome. Beide gehen von Zellen der Oberhaut aus – im medizinischen Fachjargon „Epidermis“ genannt.

Was sind frühe Anzeichen, an denen ich einen Hellen Hautkrebs erkennen kann?

Dr. med. Martina Hund: Basalzellkarzinome machen sich meist durch harte Knötchen bemerkbar, die langsam wachsen und irgendwann in der Mitte anfangen zu bluten und eine Kruste zu bilden. In einigen Fällen entwickelt sich auch ein perlschnurartiger Randsaum. Plattenepithelkarzinome können im Frühstadium – als so genannte „Aktinische Keratose“ – durch Rötung und Schuppung auffallen: Typisch dafür sind fühlbar raue Stellen, meist im Gesicht oder auf der Glatze, die im weiteren Verlauf eine schorfige oder schuppige Oberfläche entwickeln. Das Abkratzen ist schmerzhaft und nach einer Weile bilden sich Schorf oder Schuppen wieder neu.

Was sind die Ursachen von Hellem Hautkrebs?

Dr. med. Martina Hund: Heller Hautkrebs wird vor allem durch UV-Licht verursacht – sowohl durch die natürliche UV-Strahlung im Sonnenlicht als auch durch künstliche im Solarium. Der Mensch sammelt sozusagen sein Leben lang an ungeschützten Hautpartien UV-Strahlung auf, vor allem im Gesicht, auf den Handrücken und der Glatze. Deshalb tritt der Helle Hautkrebs vornehmlich in der zweiten Lebenshälfte auf. Besonders gefährdet sind zudem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, etwa nach Organtransplantationen oder unter entsprechenden Medikamenten. In sehr seltenen Fällen kann es auch genetische Ursachen geben – dann kann Heller Hautkrebs sogar bereits im Kindesalter auftreten.

Wie sind die Heilungschancen?

Dr. med. Martina Hund: Wird der Helle Hautkrebs früh entdeckt und verfügt der Betroffene über ein gesundes Immunsystem, ist er gut heilbar. Das gilt besonders für das Plattenepithelkarzinom: Seine Frühform, die Aktinische Keratose, lässt sich sehr einfach erkennen und effektiv behandeln. Damit lassen sich Operationen und andere invasive Behandlungsmethoden vermeiden, die in späteren Krankheitsstadien unumgänglich werden.

Wie kann ich vorbeugen?

Dr. med. Martina Hund: Vor allem, indem Sie sich die Gefahr bewusst machen, die von Sonnenlicht und künstlicher UV-Strahlung ausgeht – und einen vernünftigen Umgang mit ihr pflegen: Im Sommer sollten Sie sich zwischen 10 und 15 Uhr nicht ungeschützt der Sonne aussetzen und Outdoor-Aktivitäten wie Joggen oder Gartenarbeit in die Zeit davor oder danach legen. Der beste Schutz vor Sonne besteht darin, sich im Schatten aufzuhalten und die Haut vor UV-Strahlung abzuschirmen. Hierfür lautet der Grundsatz: Mit Kleidung bedecken, wo immer es möglich ist. Hautpartien, die man nicht textil schützen kann, brauchen Sonnencreme mit einem möglichst hohen Lichtschutzfaktor. Ergänzend sollten Sie Ihre Haut regelmäßig im Rahmen einer Hautkrebsvorsorge untersuchen lassen.

Ich hatte als Kind oft Sonnenbrand. Muss ich mich heute ganz besonders schützen, um Hellem Hautkrebs vorzubeugen?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Häufige Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen in erster Linie das Risiko, an Schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Aber Ihre Sonnenbrände weisen auch darauf hin, dass Sie wohl eher einen hellen Hauttyp haben, der generell lichtempfindlicher ist. Damit ist auch Ihr Risiko für die Entwicklung eines Hellen Hautkrebs grundsätzlich erhöht. Kurz gesagt: Sie sollten sich besonders gut schützen und regelmäßige Vorsorge-Checks machen lassen.

Ist das Solarium weniger gefährlich als Sonnenlicht?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Das Lichtspektrum im Solarium mit seinem Anteil an UV-A-Strahlung begünstigt eine fortschreitende Hautalterung und die Entstehung von Hautkrebs. Insofern ist das Solarium kein sinnvoller Ersatz für das Sonnenlicht und kann eher schaden. Viele Menschen unterliegen dem Irrtum, dass im Solarium vorgebräunte Haut besser vor Sonnenlicht geschützt ist. Selbst in Brasilien ist das Bräunen in Sonnenstudios aus kosmetischen Gründen schon seit Jahren verboten – bei uns nur bei Jugendlichen unter 18 Jahren.

Meine Haut hat sowohl dunkle Pigmentflecken als auch fast weiße Stellen. Was bedeutet das?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Die weißen Flecken könnten ein Hinweis auf eine Vitiligo-Erkrankung sein, auch Weißfleckenkrankheit genannt. Diese Stellen sollten besonders vor der Sonne geschützt werden. Ich rate unbedingt zu einer Vorstellung bei einer Hautärztin oder einem Hautarzt, damit eine genaue Diagnose gestellt und eine Hautkrebsvorsorgeuntersuchung durchgeführt werden kann.

Wie oft sollte ich zu einem Hautkrebs-Check gehen? Und wer übernimmt die Kosten dafür?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Die gesetzlichen Vorsorgeregelungen erlauben einen Hautkrebs-Check alle zwei Jahre ab dem 35. Lebensjahr. Viele Krankenkassen ermöglichen ihren Mitgliedern einen regelmäßigen Check bereits ab Geburt. Fragen Sie am besten bei Ihrer Kasse nach, die übrigens auch die Kosten für den Check übernimmt. Manche Arbeitgeber bieten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsfürsorge einen solchen Check während der Arbeitszeit an. Bitte beachten Sie: Wenn Sie eine Hautveränderung entdecken, vereinbaren Sie sofort einen Termin beim Hautarzt und warten Sie nicht den nächsten regulären Vorsorgetermin ab.

Als Dachdecker bin ich der Sonne oft und lange ausgesetzt. Wie schütze ich mich am besten?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Seit 2015 ist Heller Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt, wenn die Betroffenen einer Arbeit nachgehen, bei der sie der natürlichen UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt sind. Hier sind Berufe im Freien wie Dachdecker, Landwirt oder Gärtner natürlich besonders betroffen. Die Berufsgenossenschaften achten zunehmend auf die Einhaltung von Vorsorgemaßnahmen in den betroffenen Betrieben. Dazu zählt, dass im Sommer mit Schutzkleidung und nicht mit freiem Oberkörper und ohne Kopfbedeckung gearbeitet wird und dass der Arbeitgeber auf eigene Kosten ausreichend medizinischen Lichtschutz zur Verfügung stellt, zum Beispiel in Form von Cremes.

Gibt es einen Sonnenschutz, der besonders vor Hellem Hautkrebs schützt?

Dr. med. Martina Hund: Prinzipiell ist es wichtig, ein Sonnenschutzpräparat mit einem möglichst hohen Lichtschutzfaktor zu wählen, also mindestens 50 oder 50+. Einen Wirksamkeitsnachweis gegen Hellen Hautkrebs weist das Medizinprodukt Actinica Lotion auf. Die Lotion enthält eine Kombination aus photostabilen UV-Filtern und schützt wirksam sowohl vor UV-A- als auch vor UV-B-Strahlen. Bei täglicher Anwendung beugt Actinica nicht nur Hellem Hautkrebs vor, sondern kann auch zur Rückbildung bereits bestehender Aktinischer Keratosen beitragen.

Ich bin Langstreckenläufer – gibt es einen Sonnenschutz, der bei starkem Schwitzen zuverlässig schützt?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Sonnenschutzpräparate sollen nicht direkt vor der Aktivität im Freien, sondern am besten 15 bis 30 Minuten vorher auf die Haut aufgetragen werden. So kann sich der Schutzfilm gleichmäßig auf der Haut verteilen und leicht in die Hornschicht eindringen, um die bestmögliche Schutzwirkung zu entfalten. Allerdings geht der Schutz durch starkes Schwitzen oder Kontakt mit Wasser wieder verloren. Deshalb ist es besonders wichtig, den Schutz gerade bei schweißtreibendem Sport immer wieder zu erneuern, damit kein Sonnenbrand entsteht. Bedenken Sie immer, dass Nachcremen die eigentliche Schutzzeit keineswegs verlängert. Diese wird durch den Zeitpunkt der Erstauftragung und den Lichtschutzfaktor des Sonnenschutzpräparates bestimmt.

Was sagt der Lichtschutzfaktor überhaupt aus?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Die Zeit, die ein Mensch ohne Sonnenschutz in der Sonne verbringen kann, ohne dass eine Hautrötung entsteht, liegt je nach Hauttyp bei 10 bis 90 Minuten. Der Lichtschutzfaktor gibt an, um wie viel diese Eigenschutzzeit zunimmt, wenn man pro Quadratzentimeter zwei Milligramm des Sonnenschutzes aufträgt. Bei einem Lichtschutzfaktor von 20 könnte ein Mensch mit sehr empfindlicher Haut demnach 20 mal 10 Minuten, also über drei Stunden, im Freien bleiben. Dieser Wert trifft aber nur zu, wenn wirklich die entsprechende Menge Sonnenschutz aufgetragen wird. In der Praxis ist der Zeitraum meist deutlich kürzer. Übrigens: Der angegebene Lichtschutzfaktor berücksichtigt nur die UV-B-Strahlung. Einen ausreichenden UV-A-Schutz sollte das Lichtschutzpräparat natürlich auch aufweisen.

Kann man die UV-Belastung messen, um zu sehen, wann der Aufenthalt in der Sonne ungesund wird?

Prof. Rolf-Markus Szeimies: Mittlerweile gibt es kleine Geräte, die UV-Strahlung messen können. Allerdings müssen diese auch permanent getragen werden, um die Strahlungsbelastung zu messen. Besser geeignet sind Programme oder Apps für das Smartphone, die auf Basis von Wetterdaten den UV-Index angeben, also die Strahlenbelastung für Ihre Region. Auf keinen Fall sollten Sie warten, bis die Haut rot wird, denn dann sind bereits nicht mehr rückgängig zu machende Schäden an der Haut aufgetreten.

Was sagt der Hauttyp über das Hautkrebs-Risiko aus?

Dr. med. Martina Hund: Dermatologisch werden mehrere Hauttypen unterschieden. Prinzipiell gilt: Je heller der Hauttyp, umso empfindlicher ist man gegenüber UV-Strahlung und damit auch gegenüber der Entwicklung von Hellem Hautkrebs. Wer seinen eigenen Hauttyp bestimmen möchte, kann dies auf der Internetseite der Aktion gegen Hellen Hautkrebs tun (action-gegen-hellen-hautkrebs.de) – oder fragen Sie Ihren Hautarzt.

 

Die Experten am Lesertelefon waren:

• Dr. med. Martina Hund; Niedergelassene Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Berlin
• Prof. Dr. med. Rolf-Markus Szeimies; Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Klinikum Vest, Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen

 

 

 

 

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