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Neue Abzock-Masche: Romance Scamming

09.12.2014

Liebe auf den ersten Klick – Millionen von Singles haben die Suche nach ihrem Traumpartner ins Internet verlegt. Nie war Kennenlernen so einfach wie in der digitalisierten Welt. Und nie war es so einfach, dabei organisierten Betrügern auf den Leim zu gehen: Love oder Romance Scamming heißt die neueste Abzock-Masche im Internet, Liebesbetrug.

Die Täter legen sich falsche Profile an und gaukeln ihren Opfern große Gefühle vor. Dann bringen sie sie mit Tricks und Lügen dazu, ihnen Geldbeträge zu überweisen. „Hinter den charmanten Mails stecken mit allen Wassern gewaschene Kriminelle. Meist handelt es sich um Profis, die ihre Opfer systematisch ausnehmen“, sagt Marcus Lentz, Geschäftsführer einer bundesweit tätigen Detektei und erklärt, bei welchen Anzeichen Partnersuchende misstrauisch werden sollten.

Die Abzocke fängt mit Herzklopfen und großen Hoffnungen an: Eine Einladung zum Chat, eine romantische Mail – die Nachrichten klingen vielversprechend und machen neugierig auf mehr. „Romance Scammer treiben ihr Unwesen nicht nur auf Partnerbörsen oder Flirtportalen, sondern auch in sozialen Netzwerken wie Facebook“, erklärt Marcus Lentz. „Sie legen sich eine Scheinidentität zu, füllen ihr Profile mit frei erfundenen Angaben und nutzen Fotos, die sie aus dem Internet gestohlen haben.“ Männliche Scammer täuschen oft Geld und Macht vor und geben sich als Ingenieure, Offiziere oder Geschäftsmänner aus. Weibliche stellen sich als verletzlich und sensibel dar und behaupten, als Krankenschwester oder Lehrerin zu arbeiten. „Die Täter nehmen sich  Zeit für ihren Betrug“, warnt der Chef-Ermittler. „Um sich das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, überschütten sie diese mit Aufmerksamkeit, mit langen Mails, Anrufen, Liebesschwüren. So verfestigen sie die virtuelle Beziehung und stellen emotionale Abhängigkeit her.“
 
Die Täter sind Profis, die ihre Opfer systematisch täuschen 
Tausende einsame Herzen in Deutschland sind den Abzockern nach Einschätzung von Experten bereits zum Opfer gefallen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, die meisten Betroffenen schweigen aus Scham. Im Schnitt zahlen sie 5000 Euro, ehe sie die perfide Täuschung durchschauen. „Die Täter sind organisierte Verbrecher, die meist von Afrika oder Osteuropa aus agieren“, weiß Marcus Lentz aus seiner Ermittlungserfahrung. „Oft gehören sie zur Nigeria-Connection, einem Sammelbecken für kriminelle Banden in Nigeria, die bislang vor allem mit betrügerischen Emails von sich reden gemacht haben.“ Aber davon ahnen ihre Opfer nichts. Bei den Abzockern handelt es sich um Profis, die ihr Möglichstes tun, um andere mit ihren ausgeklügelten Lügengeschichten zu manipulieren. „Trotzdem gibt es Hinweise, die Singles beim Online-Flirt stutzig machen sollten“, sagt Marcus Lentz. „Denn Romance Scammer arbeiten fast immer nach der gleichen Masche. Wer ihre Tricks kennt, kann sich eine extrem bittere Enttäuschung ersparen.“

Schwerenöter unter falscher Flagge 
Die Romance Scammer sprechen oft gut Englisch und stellen sich als US-Amerikaner oder international tätige Geschäftsleute im englischsprachigen Ausland vor. „Bei Nutzern, die angeblich in den USA oder Großbritannien leben, ist erhöhte Vorsicht angebracht“, rät Marcus Lentz. „Natürlich gibt es auch Ausländer, die im Netz ehrlich auf der Suche nach der großen Liebe sind. Nur muss ich mich im Zweifel schon fragen: Wie ist dieser blendend aussehende New Yorker Fondsmanager gerade auf meinem Profil gelandet?“ Auch schlechtes, gebrochenes Deutsch kann ein Hinweis sein, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Abzocker wollen unerkannt bleiben 
In vielen Fällen drängen die Scammer ihre Opfer dazu, das Flirtportal oder die Online-Datingbörse schnell zu verlassen und lieber über Email, Messenger oder Telefon weiter zu kommunizieren. Der Grund für die Eile liegt auf der Hand: Fast alle Online-Plattformen prüfen die Angaben ihrer Nutzer, um betrügerische Profile ausfindig machen und sperren zu können. „Zwar möchten die meisten Frischverliebten einander eher auf persönlichem Wege schreiben“, erklärt der Geschäftsführer der Detektei Lentz. „Doch wenn der Flirtpartner schon nach ein paar Nachrichten großen Druck macht, kann dies auf einen Romance Scam hindeuten.“
 
Kein Date – kein Vertrauen 
Wenn Wochen vergehen, ohne dass es zu einem Treffen gekommen ist, sollten Partnersuchende lieber auf Abstand gehen. Die Scammer versuchen, ihre Opfer hinzuhalten und finden immer neue Ausflüchte, um den oder die Auserwählte mit blumigen Versprechen bei der Stange zu halten. „Wer sich verliebt hat, will den anderen möglichst bald auch in der realen Welt kennenlernen, statt ständig nur zu chatten oder zu telefonieren“, meint Marcus Lentz. „Hat es nach etwa einem Monat noch immer nicht mit einem Rendezvous geklappt, stimmt etwas nicht.“
 
Was faul riecht, ist in der Regel auch faul 
Wie bei einem Date in der wirklichen Welt sollten sich Singles auch im Internet auf ihre Instinkte verlassen. „Die Erfahrung zeigt, dass Betrugsopfer zwar schnell ein schlechtes Bauchgefühl haben, sich aber trotzdem immer wieder von dem Scammer um den kleinen Finger wickeln lassen“, sagt der Chef-Ermittler. Natürlich haben findige Betrüger für alles eine Erklärung parat. Warum ist es nicht möglich, mit Webcam zu chatten? Warum lassen sich nirgends im Internet Informationen über den angeblich so erfolgreichen Unternehmer finden? Wenn eine Sache faul riecht, ist sie in der Regel auch faul. Wer Zweifel hat, sollte sie daher unbedingt ernst nehmen – und sich nicht mehr von überschwänglichen Liebeserklärungen beschwichtigen lassen.
 
Eine dramatische Notlage – gepaart mit der Bitte um Geld 
Früher oder später geht es bei den Scammern immer ums Geld. Um an die Ersparnisse ihrer Opfer zu kommen, erzählen sie dramatische Geschichten, die meist dem gleichen Schema entsprechen: In der Regel stellen sie, lange Zeit nach dem Kennenlernen, endlich einen Besuch in Aussicht. Zuerst aber müssen sie noch eine Geschäftsreise hinter sich bringen. Unterwegs passiert es dann: Ein Raubüberfall, eine irrtümliche Verhaftung, eine schwere Verletzung. Natürlich wird der Scammer sein Opfer eindringlich bitten, ihm aus seiner Misere zu helfen – mit einem höheren Geldbetrag. „Falls das Opfer darauf hereinfällt und Geld schickt, wird es weitere Notlagen und Zahlungsaufforderungen geben“, erklärt der Chef-Ermittler der Detektei Lentz. „Grundsätzlich gilt: Wenn der oder die Geliebte nach Geld fragt, sollten alle Alarmglocken klingeln. Die richtige Reaktion ist, den Kontakt sofort abzubrechen – und keinesfalls etwas zu bezahlen.“
 
Weitere Informationen unter lentz-detektei.de.

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