Foto: Claudia Müller Aydemir

Streit um „Mautausweichverkehr“: Kiefersfeldener bitten Politprominenz zur Lagebesichtigung

22.01.2018

„A93 Kiefersfelden/Rosenheim, Meldung vom 22.01.2018, 10:59 Uhr. In der Nähe/Höhe Kiefersfelden Unfallstelle geräumt.“ So oder so ähnlich lauten Entwarnungen auf der Strecke zwischen Kiefersfelden und Rosenheim. Immer wieder staut sich zwischen Kiefersfelden und Kufstein der Verkehr. Manchmal ereignen sich Unfälle. Die Anwohner sind entnervt, haben sich organisiert und verlangen Abhilfe von der Politik.

„Es ist unerträglich“, sagt Michael Mank: „Es kann nicht sein, dass durch Kiefersfelden und Kufstein mehr Autos als auf der Autobahn fahren - bis zu 1500 Autos in einer Stunde.“ Zur Veranschaulichung hat Mank für die Gruppe „Gegen den Stau in da Kiefer und Kufstoa“ deutsche und österreichische Bundespolitiker am 3. Februar um 11 Uhr zur Lagebesichtigung nach Kiefersfelden eingeladen: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), die Staatssekretäre im Bundesverkehrsministerium Rainer Bomba (CDU) und Michael Odenwald (CDU), den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt (CSU), Bayerns Staatsminister des Innern Joachim Herrmann (CSU) und Staatssekretär Gerhard Eck (CSU), Rosenheims Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU), überdies Österreichs Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Norbert Hofer (FPÖ) sowie Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Zwei Tage später findet in München der „Brennergipfel“ statt. Dort soll der Protest fruchten. Die Gespräche über die nördliche Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel werden derzeit flankiert von Erkundungsbohrungen der Deutschen Bahn an mehreren der insgesamt 30 Stellen zwischen Rosenheim und Kufstein. Die Bohrungen reichen bis zu 400 Meter in die Tiefe. Anhand von insgesamt 3000 Metern Bohrkernen werden Grund- und Bergwasserverhältnisse erkundet, Charakteristik und Verbreitung von Lockermaterial geprüft sowie der Grenzverlauf verschiedener geologischer Strukturen im Festgestein festgestellt. Das Erkundungsprogramm ist laut Deutsche Bahn so konzipiert, dass möglichst wenige Bohrungen auf privatem Grund erfolgen und die angewandte Bohrtechnik Erschütterungen vermeidet.

Derweil machen Kiefersfeldener auf Facebook ihrem Ärger über den starken Durchgangsverkehr Luft: „Wir haben es satt, dass der ganze Mautausweichverkehr durch die Kiefer geht.“ In Kiefersfelden sei die Verkehrslage desolat: Wenn jemand von einer Seitenstraße auf die Hauptstraße abbiegen wolle, so müsse sich dieser entweder hinein zwängen oder bis zu fünf Minuten warten. Passanten kämen nur an den Fußgängerampeln über die Straße. „Wir fordern entweder eine Pförtnerampel an der alten Grenze in Richtung Kiefersfelden mit einer einminütigen Rot-Phase, die den Verkehr auseinander zieht, oder dass die Autobahn ohne Vignette zwischen Kufstein Nord und der Grenze wieder frei ist, wie es ungefähr zehn Jahre auch war“, so Mank.

Rosenheims CSU-Bundestagsabgeordnete ist allerdings zum vorgeschlagenen Zeitpunkt der Besichtigung in Holzkirchen. In ihrer Antwort an Mank erinnert Ludwig daran, dass der Kiefersfeldener Gemeinderat erst kürzlich die Errichtung einer Pförtnerampel in Richtung Deutschland abgelehnt habe. Doch sie ergänzt: „Sollte sich in der Gemeinde diesbezüglich ein einheitliches Meinungsbild ergeben, stehe ich für eine Unterstützung der Idee gerne zur Verfügung.“

Olaf Konstantin Krueger


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