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Foto: Landratsamt

„Unsere Welt braucht Kunst!“

27.11.2017

Landkreis Rosenheim verlieh Kulturpreise 2017!

Die international gefragte Bildhauerin Ute Lechner ist mit dem Kulturpreis 2017 des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet worden. Im historischen Rathaussaal von Wasserburg ehrte Landrat Wolfgang Berthaler am Donnerstag, 16. November, zudem die Hackbrettspielerin Johanna Trifellner und die Rockband Tilda mit dem Kulturförderpreis sowie die Gebirgstrachtenerhaltungsvereine Eichenlaub Schönau und Achentaler Rohrdorf mit dem Kultursonderpreis. Die Laudationes hielt der Kulturreferent des Landkreises, Christoph Maier-Gehring.

Zu Beginn des kurzweiligen Abends sagte Landrat Berthaler: „Es macht einen immer stolz, ei-nem Landkreis vorstehen zu dürfen, in dem die Kultur so vielfältig ist.“ Positiv vermerkte der Landrat zudem, dass die Preisträger aus allen Regionen des Landkreises kommen. Wasserburgs Bürgermeister stellte zu Beginn den historischen Rathaussaal vor: „Er ist bestens geeignet für eine Kulturpreisverleihung. Ein echter Festsaal, der auch als solcher konzipiert worden war.“

Angesichts der Riege der Preisträger meinte Kölbl „wir werden auch in Zukunft noch genügend Kulturpreisträger haben. Sowohl der Wasserburger Bürgermeister als auch der Landrat lobten die Kulturpreisträgerin Ute Lechner. „Sie gehört sicher zu den renommiertesten Künstlerinnen in der Region“, so Berthaler und Kölbl sagte „Sie ist eng mit Wasserburg verbunden. Ihre Kunstwerke stehen überall im städtischen Raum oder im Umfeld der Stadt.“

Bei Ute Lechners Werken schwärmte Maier-Gehring von einer sehr sinnlichen Kunst. Insbesondere meinte er damit ihre Figuren, die rätselhaft zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion wechseln: „Immer wieder möchte man sie betrachten, anfassen, streicheln und ihr Geheimnis erspüren.“

Als einen wichtigen Schwerpunkt im Schaffen Ute Lechners beschrieb der Kulturreferent zudem Kugeln in allen erdenklichen Größen aus Eisenguss, Aluminiumbronze oder hochglänzendem Messing. Da manchmal Schweißnähte nicht weggeschliffen werden, die Oberflächen rau sind oder die Kugeln Dellen, Narben oder Einschnitte haben, vermutet Maier-Gehring, dass sie metaphorisch für die Erde stehen, die eben auch keine vollkommende Kugel sei.

Die Skulpturen und Installationen von Ute Lechner sind in vielen Ländern zu sehen. Die Gewinnerin von mehreren wichtigen Kunstpreisen initiierte zusammen mit ihrem künstlerischem Weggefährten und Ehemann Hans Thurner 1988 den Wasserburger Skulpturenweg. Entlang der Innschleife sind derzeit 30 Objekte ausgestellt. Maier-Gehring nannte den Skulpturenweg die „größte Open-Air-Galerie dieser Art in Bayern.“ Zudem brachten Lechner und Thurner den Skulpturenweg in Obing mit auf den Weg.

Weil der ehemalige Obinger Bürgermeister Hans Thurner Anfang September überraschend im Alter von 66 Jahren starb, wollte der Laudator den Kulturpreis des Landkreises Rosenheim auch als eine kleine posthume Würdigung seiner künstlerischen Arbeit sehen. Ute Lechner beschrieb Maier-Gehring als eine lebenskluge und liebenswürdige Künstlerin, eine wirkliche „Grand Dame“ der hiesigen Kulturszene.

Die Geehrte selbst ließ in ihren Dankesworten einen kleinen Blick in ihr Seelenleben zu. „Am liebsten würde ich mich bei jedem einzelnen von ihnen bedanken. Bis hierher war es ein langer Weg, es war nicht immer einfach. Ich freue mich sehr über den Preis. Es ist nicht selbstverständlich, dass Frauenkunst geehrt wird.“ Ute Lechner war sehr bewegt, vor allem als sie an ihren erst kürzlich verstorbenen Ehemann erinnerte. Am Ende rief sie aus: „Unsere Welt braucht Kunst.“

In der Kategorie Kulturförderpreis sagte der Kulturreferent des Landkreises den Preisträgern eine vielversprechende musikalische Zukunft voraus. Die 17-jährige Johanna Trifellner aus Bad Endorf bewies live auf der Bühne, dass man auf dem eher aus der Volksmusik bekannten Hack-brett auch klassische Musik spielen kann. Die junge Dame hatte unter anderem die Konzertstudie „Hangverseny-tanulmany“ des ungarischen Komponisten Geza Allaga zum Besten gegeben. Mit sieben Jahren spielte sie erstmals Hackbrett, es war eine musikalische Liebe auf den ersten Blick, wusste Maier-Gehring.

Johanna Trifellner gewann 2012 und 2013 den Regional- und Landeswettbewerb „Jugend musiziert“. 2015 folgte der erste Sieg im Hackbrett-solo im Bundeswettbewerb in Hamburg und 2016 wiederholte sie Platz eins, diesmal mit ihrem Hackbrett-Trio Saltrio, zusammen mit Johanna Stössel und Johannes Mayer. Der Laudator meinte abschließend, „ich bin sicher, Johanna wird ihren Weg gehen, sicher auch in der Musik.“

Mit „Old-School-Rock“ präsentierten die zweiten Kulturförderpreisträger eine ganz andere Art von Musik. Als eine Retrospektive auf Classic Rock, Blues, Pop, Country und Folk beschreiben die Fünf von Tilda selbst ihren Musikstil. Tilda, das sind Florian, Simon und Marinus Aß aus Rimsting sowie Matthias und Florian Micklitz aus Prien. Sie kennen sich seit Kindesbeinen, be-suchten allesamt das Ludwig-Thoma-Gymnasium und die Musikschule in Prien. Tilda gründeten sie im Frühsommer 2013. Im Wissen um ihren ganz ähnlichen Musikgeschmack, wollten sie etwas Neues ausprobieren. Zuvor waren alle in anderen Bands aktiv.

In ihren Konzerten spielen sie ausschließlich Eigenkompositionen, alle in Englisch. „Das passt besser zu unserem Stil“, verrieten sie Christoph Maier-Gehring. Mit ihrem „Old-School-Rock“ traten sie auch zu Wettbewerben an. Nicht ohne Erfolg. 2014 wurde es bei „Simply the Best“ im Rosenheimer Lokschuppen der zweite Platz. Ein Jahr später gewannen sie den Jury-Preis beim Süddeutschland-Finale des Emergenza-Contests in München und auch bei der regionalen Aus-scheidung des Hard Rock Rising-Contests, ebenfalls in München, reichte es zu Platz eins. Ihre erste richtige CD veröffentlichen die Fünf am 25. November. Erhältlich ist sie bei Konzerten von Tilda und im Internet.

Mit dem Kultursonderpreis ehrte der Landkreis Rosenheim heuer zwei Theaterproduktionen. Zum einen das Freilichtspiel „Madam Bäuerin“ der Theatergruppe des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins Achentaler Rohrdorf und zum anderen das „Schönauer Krippenspiel“, für das der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Eichenlaub Schönau verantwortlich zeichnete.

1946 verlegte der Schönauer Schullehrer Wolfgang Koller die Weihnachtsgeschichte ganz bewusst in die damalige Gegenwart und beschrieb Parallelen zwischen der Nachkriegszeit und den Inhalten der Weihnachtsgeschichte. Die Herbergssuche von Maria und Josef verglich er mit der Not der Heimatvertriebenen. Wolfgang Koller hat damit ein immer wieder aktuelles und zeitloses Thema aufgegriffen, sagte Maier-Gehring.

Das Stück verzeichnet 30 Sprechrollen für Erwachsene und Kinder. Dazu kommen Szenen mit Solo-Gesang, Duette und mehrstimmige Lieder. Der Kirchenchor war mit von der Partie, genau-so wie eine Stubenmusi. Viel Arbeit steckte natürlich auch im Bau der Kulissen, den Kostümen und Requisiten. Im Dezember 2016 gab es sieben weitgehend ausverkaufte Vorstellungen mit begeisterten Zuschauern.

„Die Akteure, ob Kinder oder Erwachsene, Schauspieler oder Sänger, überzeugten mit ihrem Talent, ihrer großen Spielfreude, mit Charme, Witz und der gebotenen Ernsthaftigkeit. Sie erreichen ihr Ziel, die Herzen der Zuschauer zu erreichen, schwärmte Maier-Gehring.

Genauso wie die Schönauer präsentierten auch die Rohrdorfer einen Ausschnitt aus ihrer Aufführung. In „Madam Bäuerin“, das nach dem gleichnamigen Roman der bayerischen Schriftstellerin Lena Christ entstand, wird die nicht immer problemlose Lebenswirklichkeit in einem bayerischen Dorf zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. Es geht um das Spannungsfeld zwischen Stadt- und Landbevölkerung und es handelt vom Generationenkonflikt zwischen Alt und Jung. Letztlich gelingt es einem jungen Paar, mit Glück, Mut, Witz und Bauernschläue, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Auch hier gab es viel Lob vom Kulturreferenten: „Die Schauspieler und Sänger bewältigten mit viel Spielfreude und großem Können ihre Aufgaben. An die 100 Mitwirkenden bevölkerten die Bühne, es gab allein 30 größere und kleinere Sprechrollen mit zum Teil anspruchsvollen Gesangssoli- und Duetten.“

Der Liederkranz Rohrdorf hatte viel zu Singen und schwang zusätzlich noch das Tanzbein. Hinzu kamen eine kleine Musikkapelle, eine von Pferden gezogene Kutsche und szenengerecht gackernde Hühner. „In Rohrdorf hat sich wieder einmal herausgestellt, wie wichtig das Gelingen einer großen Theateraufführung für den Zusammenhalt eines ganzen Dorfes sein kann“, schloss der Laudator.

Der Landkreis Rosenheim vergibt die Kulturpreise jährlich, um Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen zu ehren, die sich besondere Verdienste um die Kultur im Landkreis erworben haben. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, der Kulturförderpreis mit je 2.500 Euro und der Kultursonderpreis mit je 1.500 Euro.

Öffnet externen Link in neuem FensterUnd wer wurde 2016 Preisträger? Hier können Sie's nachlesen.

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