In Memoriam. „Euthanasie“ im Nationalsozialismus
Ernst Lossa war ein Halbwaise aus der Minderheit der Jenischen, der in der zweiten Phase der Krankenmorde im Nationalsozialismus, der Aktion Brandt, ermordet wurde und durch die Aufarbeitung dieses Mordes nach 1945 exemplarische Bekanntheit erlangte.
Prospekt-Box Blickpunkt

In Memoriam. „Euthanasie“ im Nationalsozialismus

Eine Ausstellung zeigt vom 1. Februar bis 10. Mai auf, wie die Geschichte der Stadt Wasserburg in der NS-Zeit durch ihre Ortsteile Attel und Gabersee eng mit der Geschichte des NS-„Euthanasie“-Programms verbunden ist. 742 Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen, die im Kloster Attel oder im Bezirkskrankenhaus Gabersee lebten, fielen den NS-Patientenmorden zum Opfer. Die Ausstellung, die auch die Einweihung des Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus begleitet, möchte über diese Epoche aufklären.

Hintergründe

Zwischen 1939 und 1945 wurden 240.000 psychisch kranke Menschen und Menschen mit Behinderung im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms auf dem Gebiet des Deutschen Reichs getötet. Die durch Selektion zum Tode Verurteilten wurden in speziell eingerichtete Tötungsanstalten deportiert oder in den damals als Heil- und Pflegeanstalten bezeichneten Einrichtungen durch Vernachlässigung, Nahrungsmittelentzug oder überdosierte Medikamentengabe zu Tode gebracht.

Die Ausstellung

In der Ausstellung werden anhand von Texten, Schriftstücken, Fotografien und Videointerviews mit Zeitzeugen die verschiedenen Phasen des NS-Vernichtungsprogramms wie die „Aktion T4“, das Hungersterben und Tötungen durch Medikamente dargestellt. Die Dokumente zeigen auch unterschiedliche Opfergruppen – Erwachsene, Kinder und Zwangsarbeiter –, die Reaktion von Angehörigen sowie die Haltung der Ärzte und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen in der Nachkriegszeit. Originaldokumente lassen einzelne Schicksale nachvollziehbar werden und geben den Opfern ein Gesicht und eine Geschichte. Eine lokale Ergänzung bildet die Schilderung der historischen Ereignisse Wasserburger Einrichtungen Gabersee und Attl.

Die Wanderausstellung von Prof. Dr. Michael von Cranach wurde erstmals 1999 im Rahmen des Weltkongresses für Psychiatrie in Hamburg präsentiert und aufgrund der großen Nachfrage an vielen Orten gezeigt.

Begleitprogramm

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Wasserburg, dem kbo Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg und der Stiftung Attl durch ein Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Kulturveranstaltungen ergänzt. Für Schulklassen wurde ein Vermittlungsprogramm erarbeitet.

Weitergehende Informationen zum Thema „Euthanasie“ in Wasserburg finden Sie auf der Website www.gedenken.wasserburg.de

 

Abbildung: Ernst Lossa, 1942

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