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Foto: Agentur für Arbeit Rosenheim

Motiviert und mit festem Ziel vor Augen

15.11.2016

Die Rosenheimer Agenturleiterin, Dr. Nicole Cujai, besucht das Projekt „PerFPlus“ in Rosenheim.

„Frau Uhlmann ist eine tolle Lehrerin. Sie hat uns schon ganz viel Deutsch beigebracht und wir wollen jetzt alle in Deutschland arbeiten, oder eine Ausbildung machen“, sagt Sayed M. Und der 60Jährige muss es wissen, immerhin hat der Afghane in seinem Heimatland selber 30 Jahre als Lehrer gearbeitet. „Jetzt spreche ich schon ein wenig Deutsch und möchte gerne anderen Menschen mit Fluchthintergrund helfen.“ Dr. Nicole Cujai, der Leiterin der Rosenheimer Arbeitsagentur, gefällt die Idee: „Als Lehrer können Sie Ihr Wissen bestimmt gut weitergeben“, meint sie.

Im September sind beim bfz (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft gGmbH) in Rosenheim 34 Teilnehmer zwischen 18 und 60 Jahren in den Kurs PerFPlus gestartet. Die Abkürzung steht für Perspektive für Flüchtlinge Plus (PerFPlus) und ist eine der Maßnahmen des Arbeitsmarktprogramms „Asyl/Flucht“, das die Agenturen für Arbeit in Bayern seit 2015 anbieten. Der Kurs wird für Menschen mit Fluchthintergrund angeboten, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit und eine gute Vorbildung haben.

„Die Teilnehmer sind wirklich sehr motiviert und die Betriebe ziehen gut mit“, betont Dorothea Frank, die Leiterin des bfz Rosenheim und stellt den Kurs kurz vor: „Wir haben zunächst den beruflichen Hintergrund und die Wünsche und Vorstellungen des Einzelnen analysiert. Einige unserer Teilnehmer besuchen jetzt einen Deutschkurs. Andere bekommen aktuell berufsspezifischen Unterricht. Weiter geht es dann mit Bewerbungstraining und Praktika in Unternehmen. Der Erwerb der Deutschkenntnisse steht neben dem Hauptziel der Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder einer Ausbildung immer im Fokus.“

Die Teilnehmer schildern in bereits erstaunlich gutem Deutsch, wo sie herkommen, wie lange sie schon in Deutschland sind und als was sie in ihrer Heimat gearbeitet haben.  „Servus, ich bin 38 Jahre und komme aus Nigeria“, sagt Edwin O. und erntet dafür aufgrund seiner urbayerischen Begrüßung ein Lachen. „Ich habe in meiner Heimat als Maler gearbeitet und möchte auch in Deutschland wieder als Maler arbeiten.“ Chinwe M., die einzige weibliche Teilnehmerin des Kurses, erklärt:  „Ich habe in Nigeria als Erzieherin gearbeitet und möchte auch in Deutschland wieder in dem Beruf arbeiten.“

Dr. Cujai fragt immer wieder interessiert nach, wohin bei dem Einzelnen der berufliche Weg gehen soll:  Ugorji C. aus Nigeria war in seiner Heimat Koch und sagt der Agenturleiterin, dass er in Deutschland eine entsprechende Ausbildung anstrebe. „Aber ich möchte auch gerne als Krankenpfleger arbeiten“, betont er. „Ihre Ideen sind wirklich vielseitig“, resümiert Dr. Cujai. Maler, Koch, oder Lagerist sind die häufigsten Ziel- und Herkunftsberufe der Teilnehmer, aber auch Arbeitnehmer aus dem Elektrobereich und ein Journalist sind unter ihnen. Die meisten der Männer stammen aus Afghanistan, Nigeria und Pakistan.

Während Kerstin Uhlmann im ersten Stock Deutsch unterrichtet, sitzen im Erdgeschoss zehn Teilnehmer mit dem Zielberuf Maler bei Franz Kirschner im Unterricht. „An erster Stelle steht bei uns das Rechnen. Schließlich ist es sehr wichtig genau zu wissen wie groß die Fläche ist, die man streichen möchte“, sagt Malermeister Kirschner. „Und es ist spannend, denn die Männer haben ganz andere Rechenwege und kommen doch auf das gleiche Ergebnis.“ Dann holt er den Pakistani Alfridi T. an die Tafel und alle staunen nicht schlecht wie der junge Mann die Aufgabe 2425 geteilt durch zwölf rechnet.

Die Teilnehmer stehen noch am Anfang ihres Kurses, doch sind sie alle hoch motiviert ihren Berufsweg in Deutschland zu machen und auch Dr. Cujai ist optimistisch: „Sie wirken alle sehr zielstrebig und sprechen wirklich schon gut Deutsch. Sie werden ihren Weg machen.“ Brigitte Lummer, Teamleiterin der Arbeitsvermittlung, fügt hinzu: „Das glaube ich auch, weil die Gruppe auf mich sehr ausgeglichen und homogen wirkt.“ Wie gut alles passt, zeigt sich am Ende, als die Besucher der Agentur für Arbeit mit lauten „Danke“ Rufen und Applaus verabschiedet werden.

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