Krankenhausinfektionen in Bayern: Händedesinfektion ist ein Muss
Hygiene ist besonders wichtig in Krankenhäusern. Foto: digitalstock
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Krankenhausinfektionen in Bayern: Händedesinfektion ist ein Muss

Multiresistente Erreger, kurz MRE, machen Patienten und Ärzten immer öfter zu schaffen: Gleich mehrere Antibiotika oder Virostatika bleiben unwirksam, obwohl sie den von Bakterien oder Viren verursachten Infektionen entgegen wirken sollen. Bayerns Gesundheitswesen ist zwar eines der besten in Deutschland. Doch bei der Hygiene sollen die Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Freistaat unterdurchschnittlich sein, sagt die Techniker Krankenkasse (TK). Zum Aktionstag „Saubere Hände“ hat die TK auf die Bedeutung der Händedesinfektion im Kampf gegen MRE hingewiesen. Ein Anfang. Doch das Problem der Krankenhausinfektionen hat mehrere Ursachen.

Rund eine halbe Million Menschen erkrankt in Deutschland pro Jahr an Infektionen, die sie sich in einer Einrichtung des Gesundheitswesens zuziehen. Solche „nosokomialen Infektionen“ haben meist vier Ursachen: Erstens infizieren sich leicht Patienten mit geschwächtem Immunsystem, sehr geringen oder höheren Alters, mit Mangelernährung oder mit Operationswunden. Zweitens bildet eine Klinikumgebung ein erhöhtes Risiko bei vielen Patienten auf kleinem Raum, verunreinigten Geräten, Pflegepersonal oder Ärzten ohne Händedesinfektion, Bau- und Renovierungsarbeiten sowie hohem Besucheraufkommen mit verschmutzter Kleidung. Drittens bietet Medizintechnik in Form von Dialyse- und Beatmungsgeräten oder auch Kathetern zusätzliche Eintrittsmöglichkeiten für Erreger. Und viertens verleitet hoher Arbeitsdruck das Pflegepersonal zu unzureichenden Hygienemaßnahmen.

So entstehen Harnwegs-, Atemwegs- oder Wundinfektionen. Einschwemmungen von Bakterien und Pilzen in den Blutkreislauf können zur Blutvergiftung führen. Solche Krankenhausinfektionen können den Zustand eines Patienten erheblich verschlechtern, lebensbedrohlich werden oder sogar zum Tod führen: Bei operierten Patienten verdoppeln sie das Sterberisiko. Zumeist verzögern sie den Heilungsprozess, verlängern den Klinikaufenthalt und treiben die Behandlungskosten in die Höhe.

Die Zunahme der Unempfindlichkeit von Krankheitserregern gegenüber mehreren medikamentösen Wirkstoffen wiederum wird auf den gehäuften, unnötigen oder unzureichenden Einsatz von Antibiotika in der Medizin zurückgeführt. Daneben kommen hochwirksame Breitspektrumantibiotika zum Einsatz oder, wie bei HIV-Infektionen, Mehrfachkombinationen, die zu Mehrfachresistenzen führen können. Darüber hinaus werden in der Intensivtierhaltung häufig dem Tierfutter Antibiotika beigemischt.

Händedesinfektion ist eine der wichtigsten Maßnahmen, „nosokomiale Infektionen“ zu verhindern: Pflegepersonal und Ärzte, aber auch Besucher sind angehalten, vor und nach jedem Patientenkontakt gründlich die Hände zu reinigen. Daran zu erinnern, dazu dient die freiwillige „Aktion Saubere Hände (ASH)“, eine wiederkehrende nationale Kampagne zur Verbesserung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. 2008 mit Unterstützung einer Reihe von Institutionen des Gesundheitswesens und des Bundesministeriums für Gesundheit gestartet, geht die Aktion zurück auf die 2005 initiierte Kampagne der Weltgesundheitsorganisation „Clean Care is Safer Care“.

Trotz dieses Vorlaufs beteiligen sich daran in Bayern laut TK nur 44 Krankenhäuser und 22 Alten- und Pflegeheime. Das sind nur zwölf Prozent aller Krankenhäuser und ein Prozent aller Alten- und Pflegeheime in Bayern. Mit dabei sind in unserem Verbreitungsgebiet die Kreiskliniken Altötting-Burghausen, die Schön Kliniken in Bad Aibling, Harthausen und Rosenheim, die Kliniken Kreis Mühldorf am Inn und Klinik Mühldorf sowie das kbo-Inn-Salzach-Klinikum und die Praxis Dr. Gratzke in Rosenheim. Bundesweit macht allerdings fast jede zweite Klinik mit und immerhin zwei Prozent der Pflegeeinrichtungen.

Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern, betont: „Konsequente Händedesinfektion ist eine der einfachsten und zugleich wirksamsten Maßnahmen, um die Zahl von Infektionen mit multiresistenten Erregern, kurz MRE, nicht weiter steigen zu lassen.“ Neben Leid und Schmerzen der Betroffenen, die verringert werden könnten, entstünden der Allgemeinheit hohe Ausgaben: Die medizinische Versorgung eines mit MRE infizierten Patienten verursacht Mehrkosten in Höhe von durchschnittlich 17.500 Euro für stationäre und ambulante Behandlungen sowie Arzneimittel. Das zeigt ein Studie des Wissenschaftlichen Instituts der TK, für die die anonymisierten Daten von bundesweit rund 11.000 betroffenen TK-Versicherten ausgewertet worden sind.

Der TK-Leiter fordert deshalb die Einrichtungen in Bayern auf, sich stärker als bisher bei der „Aktion Saubere Hände“ zu engagieren, um den Rückstand gegenüber dem Bund aufzuholen. „Gewinner sind die Patienten und deren Gesundheit“, so Bredl. „Das sollte für alle Akteure im Gesundheitswesen im Mittelpunkt stehen.“

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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