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Start der Kampagne „Leere Tonne“ in den Prinzessinnengärten von Berlin-Kreuzberg Mitte November 2011. Foto: Jana Pittelkow/„Aktion Agrar e. V.“

Kampagne „Leere Tonne“: Wegwerfstopp für Supermärkte

03.09.2015

50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen: Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel, jedes fünfte Brot. Die „Aktion Agrar e. V.“, „Foodsharing e. V.“ und „Slow Food Deutschland e. V.“ setzen sich für einen „Wegwerfstopp für Supermärkte“ ein. Mit ihrer Kampagne „Leere Tonne“ sammeln sie auf leeretonne.de Unterschriften für ein Gesetz. Bis zur Marge von 35.000 Unterschriften fehlen noch 3.500 Unterzeichner.

„Wichtig sind die inhaltlichen Ziele und der politische Prozess“, erklärt Campaignerin Leoni Dorn von der „Aktion Agrar e. V.“ gegenüber blick. Mit der Kampagne „Leere Tonne“ soll der öffentliche Druck für ein Gesetz zum „Wegwerfstopp für Supermärkte“ erhöht werden: Supermärkten soll das Wegwerfen geniessbarer Lebensmittel untersagt werden. Beleg für die Unterstützung der Kampagne ist die Zahl der Unterzeichner. Vorgesehen ist, den Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien im kommenden Jahr eine möglichst lange Unterstützer-Liste zu überreichen.

„Globale Nahrungsmittel-Vernichtung“

Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen. Teilweise noch original verpackt. Oft ist nicht einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht. So landen wertvolle Lebensmittel in der Tonne.

Angesichts einer Milliarde hungernder Menschen sehen die Campaigner diese „globale Nahrungsmittel-Vernichtung“ als Skandal, zumal viel Weggeworfenes aus Ländern stammte, in denen Hunger herrsche. Dort würden Feldfrüchte und Obst zu einem hohen Preis angebaut: „Sie verknappen das wenige Wasser und Ackergifte schädigen Menschen und Natur“, erklärt die Website leeretonne.de. „Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe transportieren Millionen Tonnen Lebensmittel um die Erde, nur damit sie bei uns auf der Mülldeponie landen.“ Das sei „ethisch nicht vertretbar, ökonomisch wahnsinnig und ökologisch eine Katastrophe“.

Rolle der Supermärkte

Die mahnende Kampagne der Bundesregierung „Zu gut für die Tonne“ zielte fast ausschließlich auf die Verbraucher. Doch Appelle alleine seien unzureichend. Landwirtschaft, Industrie, Transportwesen sowie Groß- und Einzelhandel müssten stärker und offensiv zu Veränderungen gebracht werden. Im Fokus der Campaigner: Die Supermärkte. Sie seien zentral für die Lebensmittelverschwendung, vernichteten tonnenweise essbare Lebensmittel und entschieden durch Beschaffungspraxis, Werbung und Kaufanreize wie Sonderangebote, wie viel konsumiert werde. „Das führt zu einem Konsumrausch und verschärft die Überproduktion entlang der gesamten Produktionskette.“

Frankreich und Wallonien

Frankreich hat bereits den Wegwerfstopp für Supermärkte zum Gesetz erhoben und das belgische Wallonien verbietet Lebensmittelhändlern, unverkaufte Ware wegzuwerfen: Sie soll gespendet werden und kann auch als Tiernahrung oder als Kompost für die Landwirtschaft verwendet werden. Essbare Lebensmittel für den Konsum ungeeignet zu machen, zum Beispiel durch den Einsatz von Chlor, ist ebenfalls verboten. Größere Supermärkte ab 400 Quadratmetern müssen mit einer karitativen Organisation einen Vertrag über die Abgabe von Lebensmittelspenden schließen.

Kampagne „Leere Tonne“

Die Kampagne „Leere Tonne“ fordert, dass diese Handhabung zum Vorbild für ein Gesetz in Deutschland genommen wird. Denn obwohl der Bundestag bereits 2012 appellierte, das Wegwerfen bis zum Jahr 2020 auf die Hälfte zu reduzieren, sei kaum etwas passiert. Dokumentarfilmer Valentin Thurn, Buchautor Raphael Fellmer, das „Essensretter-Netzwerk“ foodsharing, die „Aktion Agrar“ sowie „Slow Food Youth Deutschland“ rufen deshalb dazu auf, die mit der Kampagne verbundene Petition zu unterzeichnen: Mit ihr wollen sie den öffentlichen Druck für ein Gesetz zum Wegwerfstopp steigern.

Flankierend wird den Initiatoren zufolge ein Gesamtkonzept gebraucht: gegen Lebensmittelverschwendung entlang der kompletten Anbau-, Herstellungs- und Konsumkette. Bildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit sollten darüber hinaus für einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Essensresten werben. Für gesundheitlich unproblematische Produkte wie Wasser, Reis oder Zucker solle das Mindesthaltbarkeitsdatum durch ein Herstellungsdatum ersetzt werden. Und die regionale Vermarktung solle gefördert, die Überproduktion gebremst werden. Mehr zur Kampagne „Leere Tonne“ ist online abrufbar unter leeretonne.de.

Olaf Konstantin Krueger

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