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Foto: Jennifer Barrow/123rf.de

Nur Bares ist Wahres?

25.02.2016

Bargeldbeschränkung, Banknotenabschaffung, Bargeldersatz, bargeldlose Bezahlverfahren: Bargeld als „Schmiermittel“ der Volkswirtschaft wird zunehmend in Frage gestellt. Die Europäische Union und das Bundesfinanzministerium prüfen Obergrenzen bei Bargeldzahlungen, die Europäische Zentralbank erwägt das Abschaffen des lilafarbenen 500-Euro-Scheins. So sollen Steuerbetrug, Schwarzarbeit, Geldwäsche und Terror-Finanzierung eingedämmt werden. Ist diese Debatte der Einstieg in das Ende des Bargelds? Verschwinden bald Scheine und Münzen aus dem Alltag?

Weltweit machen gesetzlich zugelassene Scheine und Münzen nur zehn Prozent der gesamten, schwer zu beziffernden Geldmenge aus: Mehr als 90 Prozent des globalen Geldvolumens ist „Giralgeld“ - elektronisch auf Konten oder im Umlauf befindliches Geld. Wird vom Abschaffen des Bargelds gesprochen, geht es nicht unbedingt um ein generelles Bargeldverbot und eine ausschließlich elektronische Zahlweise, sondern um eine Reform des Geldsystems.

Bargeld erlaubt eine gewisse finanzielle, soziale und persönliche Freiheit, wobei die Zahlungsströme nicht immer überwacht oder gestört werden können. Elektronische Zahlungswege wie Onlinebanking, EC-Bezahlverfahren und Chip/PIN-Systeme für Kreditkarten haben eigene Vorteile, etwa bei Bankgeschäften von unterwegs oder beim Handel mit Fonds und Aktien. Allerdings zeigen Sicherheitslücken auch ihre Verwundbarkeit. Selbst ohne Bargeld sind damit potenziell kriminelle oder illegale Geschäfte möglich.

Die Mehrheit der Deutschen schreckt denn auch vor weiter reichenden elektronischen Zahlungsweisen zurück, obschon immer mehr Anreize dafür geschaffen werden. So waren jüngst die Top-Themen der „Mobile World Congress“ in Barcelona neben leistungsstärkeren Netzen, dem neuen Datenfunk-Standard 5G und dem „Internet der Dinge“ jene hippen, am Körper tragbaren Mini-Computer: die Wearables. Unter diesen ermöglichen vernetzte Computer-Uhren immer häufiger, als Ersatz für Kreditkarte und Bargeld genutzt zu werden. Gleichwohl sehen einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zufolge fast neun von zehn Deutschen (85 Prozent) generell die Gefahr, dass bei mobilen Bezahlverfahren Daten gehackt und missbraucht werden könnten, der Mensch damit gläsern werde. So nutzt nur jeder Dritte (30 Prozent) die Möglichkeit, Einkäufe bargeldlos per Smartphone oder Tablet zu bezahlen. Scheine und Münzen bleiben sehr beliebt: Jeder vierte (24 Prozent) Befragte sagt, er zahle grundsätzlich lieber mit Bargeld und werde das auch künftig tun.

Bargeld-Obergrenzen für Transaktionen

Das Bundesfinanzministerium will nun Steuerbetrug, Schwarzarbeit, Geldwäsche und Terror-Finanzierung besser bekämpfen, erwägt eine Obergrenze von 5000 Euro für Bargeldgeschäfte. Solch eine Obergrenze kennen bereits zwölf europäische Staaten: In Frankreich etwa liegt sie bei 1000 Euro, in Italien bei 3000 Euro. Die EU-Kommission hat zudem vor, bis spätestens Mai 2016 eine EU-einheitliche Höchstgrenze für Bargeldzahlungen zu prüfen und mit der Europäischen Zentralbank (EZB) geeignete Maßnahmen bezüglich großer Euro-Noten in Betracht zu ziehen. In der hierzulande aufkeimenden Debatte um den Bargeldverkehr betont deshalb Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), es ginge nur um eine Obergrenze erlaubter Bargeld-Transaktionen, es sei „überhaupt nicht die Rede“ davon, den Besitz von Bargeld beschränken oder verbieten zu wollen.

Die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann, sekundiert, „eine Bargeldabschaffung steht nicht zur Debatte“. Tillmann warnt jedoch: „Die Gefahr besteht, dass Geldwäscher dahin ausweichen, wo es keine Beschränkungen gibt.“ Demgegenüber fasst der FDP-Experte und Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz, Volker Wissing, die Debatte um Bargeld-Obergrenzen als hilflosen Aktionismus auf, „den die Menschen nicht wollen und brauchen“. Und Justizminister Heiko Maas (SPD) will die Pläne für eine Bargeld-Obergrenze sogar verfassungsrechtlich prüfen lassen.

Bargeldlos bezahlen

Unabhängig von der hiesigen Debatte um Obergrenzen werden in manchen Ländern selbst kleine Beträge bereits weitgehend bargeldlos beglichen: Schweden und Dänen etwa bezahlen entweder mit Karte oder gleich mobil per Smartphone-App. Die Geschäfte sind zwar verpflichtet, Bargeld anzunehmen, doch auch diese Reglung steht zur Disposition. Ähnlich sieht es in Neuseeland aus: Als die Notenbank kürzlich einen neuen, besser gegen Fälschung geschützten 100-Dollar-Schein vorstellte, fehlte mit Blick auf die bargeldlose Gesellschaft nicht der Hinweis, dass dieser Schein womöglich der letzte sei.

In Deutschland dürften Scheine und Münzen dennoch nicht so schnell aus dem Alltag verschwinden. Bei 79 Prozent der Transaktionen zahlen die Deutschen bar, hat die Bundesbank anhand von Daten aus dem Jahr 2014 errechnet. Und über die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt.

Olaf Konstantin Krueger

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