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Foto: panthermedia

Oberbayerns „Krisendienst Psychiatrie“: Soforthilfe bei seelischer Not

02.03.2017

„Wissen Sie nicht mehr weiter? Wir hören Ihnen zu, fragen nach und klären gemeinsam die Situation.“ Mit dieser Zusage ist der „Krisendienst Psychiatrie“, ein Projekt des Bezirks Oberbayern, seit einem Monat aktiv in der „Region 18“ mit den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein sowie Stadt und Landkreis Rosenheim. Der Dienst koordiniert das Netzwerk an ambulanten und stationären Beratungs- und Behandlungsangeboten für psychiatrische Notfälle jedweder Art. Die Hilfe für Menschen ab dem 16. Lebensjahr ist damit „wohnortnah, menschlich, qualifiziert“ – und das ganze Jahr über täglich von 9 Uhr bis 24 Uhr unter der Rufnummer 01 80/6 55 30 00 erreichbar.

Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene, Angehörige und Fachstellen werden beim „Krisendienst Psychiatrie“ kostenfrei qualifiziert beraten und unterstützt. Dies ermöglicht ein Kompetenzteam aus Sozialpädagogen, Psychologen, Fachkrankenpfleger sowie Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie. Diese Fachkräfte sind im Umgang mit seelischen Krisen geschult und arbeiten multiprofessionell, bündeln also bei der Krisenhilfe Fachwissen und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen der Psychologie und Psychiatrie. Obendrein kann bei Bedarf ein mobiles Einsatzteam innerhalb von einer Stunde vor Ort sein und den Hilfesuchenden direkt mit Rat und Tat zur Seite stehen. Falls eine stationäre Behandlung angezeigt ist, vermittelt das Fachpersonal auch eine Krisen- oder Akutstation in einer psychiatrischen Klinik.

Das Konzept folgt der Vorstellung, dass ein flächendeckendes Erste-Hilfe-System für körperliche Erkrankungen ergänzt werden muss durch ein Notfallsystem für spezielle therapeutische Bedürfnisse von Menschen in einer seelischen Krise. Dass den 2007 in München gegründeten „Krisendienst Psychiatrie“ alleine in der Millionenmetropole jährlich 14.000 Anrufe erreichen, bewog den Sozial- und Gesundheitsausschuss des Bezirkstags im Juni 2015, das Angebot auf ganz Oberbayern auszuweiten. Ausgehend von Stadt und Landkreis München sowie den Landkreisen Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising, Ebersberg und Erding ist der Krisendienst seit Anfang Februar in Südostoberbayern freigeschaltet. Anfang April folgt der Südwesten, im Herbst die Region Ingolstadt.

Der Bezirk Oberbayern investiert rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr in Aufbau und Betrieb des Notfallsystems, das mit 88 neuen Stellen ausgestattet und für jährlich bis zu 20.000 Anrufe aus ganz Oberbayern ausgelegt ist. Das Grundgerüst des Notfallsystems bilden die Münchener Leitstelle, die Sozialpsychiatrischen Dienste mit den dazugehörigen Ausrückdiensten, die Psychiatrischen Institutsambulanzen, die Psychiatrischen Kliniken und weitere Partner. Die Leitstelle wird vom kbo-Isar-Amper-Klinikum betrieben, das sich im kbo-Atriumhaus München befindet. Die mobilen Einsätze vor Ort erbringen Fachdiensten der Träger der Freien Wohlfahrtspflege.

„Damit setzt Oberbayern in einem Flächenland Maßstäbe für die Versorgung seelisch belasteter Menschen, die auch bundesweit ihresgleichen suchen, und zeigt, wie Politik, Bezirk und Träger der psychiatrischen Versorgung im positiven Sinne unser Gemeinwesen gestalten“, erklärt Gebietskoordinator Hermann Däweritz, dessen Geschäftsstelle sich in der Neuöttinger Straße 62a in Altötting befindet. Eingebunden in das Netzwerk führen die Sozialpsychiatrischen Dienste der Diakonie in Südostoberbayern und der Caritas die persönlichen Krisengespräche in der Stadt Rosenheim und den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf durch, wobei für die Zeit am Abend und an Wochenenden Fachpersonal anderer Träger eingebunden ist.

Dieter Wenzler vom Diakonischen Werk Traunstein e. V., Sozialpsychiatrischer Dienst Mühldorf, und Siegfried Zimmermann, Caritas-Zentrum Rosenheim, Sozialpsychiatrische Dienst, sehen so im „Krisendienst Psychiatrie“ einen „gewichtigen Baustein für die Versorgung von Menschen in seelischen Notlagen“: Mit der umfassenden Erreichbarkeit der Leitstelle werde die Versorgung von Menschen in Krisensituationen „wesentlich verbessert“. Und dem Leiter der „Unabhängigen psychiatrischen Beschwerdestelle Oberbayern-Ost“ Rudolf Starzengruber zufolge gewährleistet der „Krisendienst Psychiatrie“ in Oberbayern „eine menschlichere, flächendeckende und ambulante Hilfestellung“.

Der „Krisendienst Psychiatrie“ hat seinen Sitz in der Bavariastraße 11 in München und wird telefonisch erreicht unter der Rufnummer 01 80/6 55 30 00. Mehr Information ist online abrufbar unter krisendienst-psychiatrie.de.

Olaf Konstantin Krueger


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