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Foto: 123rf.de

Thema Altersvorsorge: Bayerns Ruheständler verdrossen!

19.05.2016

Erwerbstätige, die trotz Niedrigzinsen weiter privat fürs Alter vorsorgen wollen, sind in Deutschland in der Minderheit: 55 Prozent der Bundesbürger, die im Berufsleben stehen, sind zu der Einschätzung gelangt, dass weitere Anlagen nicht lohnen. Und unter denen, die noch nicht aufgegeben haben, kommt es zu einer stark einseitigen Fokussierung: Es gibt einen regelrechten „Run“ auf Immobilien zur Eigennutzung und Vermietung, um damit das persönliche Auskommen im Alter zu sichern. Die Sorge vor Verarmung im Alter steigt, besagt der AXA Deutschland-Report 2016. Blick nennt die Ergebnisse für Bayern...

Der neue AXA Deutschland-Report zu Ruhestandsplanung und -management hat im März repräsentativ in allen 16 Bundesländern die Einstellungen und Verhaltensweisen von Berufstätigen und Ruheständlern erfasst. Dazu wurden insgesamt 3324 Interviews geführt und die Ergebnisse bevölkerungsrepräsentativ gesamtgewichtet, um auch bundesweite Aussagen ableiten zu können.

Immobilien gefragter als Finanzanlagen

Sinkende Erträge für Zinsanlagen - geringere Belastungen bei Krediten: Diese seit Jahren anhaltende Situation hinterlässt im Vorsorgeverhalten deutliche Spuren. Nur jeder zehnte Berufstätige will zur Altersvorsorge jeweils auf Spareinlagen, private Renten- sowie Lebensversicherungen oder eine betriebliche Altersversorgung setzen. Fast jeder fünfte Erwerbstätige (18 Prozent) plant dagegen den Erwerb eines Eigenheims. Und schon jeder Sechste (16 Prozent) will in eine Immobilie zur Vermietung investieren. Gegenüber heute könnte das rechnerisch fast eine Verdreifachung der Anzahl privater Vermieter bedeuten.

Wachsende Angst vor Altersarmut

Die Motive, aus denen heraus die Erwerbstätigen vorsorgen, deckt der AXA Deutschland-Report ebenfalls auf: Für mehr als drei Viertel gehört eine finanzielle Absicherung im Ruhestand zu den drei wichtigsten Lebenszielen. Fast sechs von zehn Erwerbstätigen (57 Prozent) berichten aber, dass ihnen heute das Thema Altersvorsorge mehr Angst macht als früher. Jeder dritte Erwerbstätige (32 Prozent) erklärt sogar, dass er sich persönlich vor Verarmung im Alter fürchtet.

In fünf Ländern (Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachen, NRW) betrachtet eine relative Mehrheit der Berufstätigen die eigene bisherige Altersvorsorge noch als ausreichend. Doch vor allem in den östlichen Bundesländern (ohne Berlin) berichten die meisten von einer nicht ausreichenden eigenen Vorsorge. Berufstätige im Osten der Republik haben zudem seltener eine betriebliche Altersversorgung als im Westen.

Bayern haben keine Angst vor Vereinsamung

In Bayern ist der Vertrauensverlust der Erwerbstätigen bezogen auf die Altersvorsorge deutschlandweit am größten. Die Ruheständler gestehen sich wie in keinem anderen Bundesland ein, dass sie sich rückblickend zu wenig mit der Ruhestandsplanung beschäftigt haben. Mit Blick auf den Ruhestand sorgen sie sich zudem – gemeinsam mit den Thüringern – am stärksten um die Stabilität Deutschlands. Allerdings haben Erwerbstätige nirgendwo sonst so wenig Angst, im Ruhestand zu vereinsamen. Und bayerische Ruheständler haben deutschlandweit die größte Freude, endlich machen zu können, was sie wollen. Viel verreisen wollen sie allerdings nicht: Die Freude, dafür mehr Zeit zu haben, ist im Bundesländer-Vergleich am geringsten.

Die Spitzen-Ergebnisse für Bayern

In keinem anderen Bundesland
- haben so viele unter den Erwerbstätigen ihr Vertrauen in die Politik beim Thema Altersvorsorge verloren (82 Prozent, Bundesdurchschnitt: 71 Prozent).
- erklären mehr Ruheständler, dass sie sich rückblickend zu wenig mit der Ruhestandsplanung beschäftigt haben (25 Prozent wie ebenfalls in NRW und Brandenburg, Bundesdurchschnitt: 22 Prozent).
- außer in Thüringen (45 Prozent) erklären so viele Ruheständler, dass sie die Sorge haben, dass Deutschland seine Stabilität verliert (43 Prozent, Bundesdurchschnitt: 34 Prozent).
- erklären weniger Erwerbstätige, dass sie sich Sorgen machen, im  Ruhestand zu vereinsamen (13 Prozent wie in Hamburg, Bundesdurchschnitt: 18 Prozent).
- erklären weniger Erwerbstätige, dass sie sich Sorgen machen, im Ruhestand zu verarmen (26 Prozent wie in Rheinland-Pfalz, Bundesdurchschnitt: 32 Prozent).
- erklären mehr Ruheständler als ihre größte Freude, dass sie im Ruhestand machen können, was sie wollen (73 Prozent wie in Bremen, Bundesdurchschnitt: 64 Prozent).
- erklären so wenige Ruheständler, dass sie sich besonders freuen, im Ruhestand viel verreisen zu können (12 Prozent, Bundesdurchschnitt: 22 Prozent).
- erklären so viele Ruheständler, dass sie auch bei weniger Zeit auf keinen Fall auf das Spazierengehen verzichten wollen (38 Prozent, Bundesdurchschnitt: 31 Prozent).
- erklären mehr unter den Ruheständlern, dass sie die bevorstehende Rentenerhöhung für die Unterstützung von Kindern und Angehörigen verwenden  wollen (neun Prozent wie in Sachsen-Anhalt, Bundesdurchschnitt: sechs Prozent).

Weitere Ergebnisse sind online abrufbar unter axa.de/deutschland-report.

Olaf Konstantin Krueger

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