Gemeinsam „für ein besseres Miteinander“: Integrationsprojekt des Gesundheitsamtes Mühldorf
Foto: Landratsamt Mühldorf am Inn

Gemeinsam „für ein besseres Miteinander“: Integrationsprojekt des Gesundheitsamtes Mühldorf

Das Gesundheitsamt Mühldorf hat im Rahmen der Betreuung der im Landkreis lebenden Asylbewerber im letzten Jahr das Modellprojekt „Für ein besseres Miteinander“ zur Unterstützung der Asylsozialarbeit im Landkreis ausgearbeitet und gestartet.

Das Projekt beinhaltet unter anderem Workshops für Asylbewerber. So werden junge, männliche, alleinstehende Asylbewerber in einem Workshop über die Rolle der Frau in verschiedenen Ländern und speziell auch in Deutschland informiert. Weitere Themen dieses Workshops sind Gleichberechtigung in Deutschland, das Verhältnis von Frau und Mann in Deutschland, Nähe und Distanz, Aufklärung über die strafrechtliche Behandlung von sexuellen Übergriffen.

Die Inhalte werden den Männern möglichst in deren Muttersprache durch vom Gesundheitsamt vorab geschulte „Kulturdolmetscher“ vermittelt. Dies sind Männer, die größtenteils aus den Herkunftsländern der Asylbewerber kommen, und den Workshop in der Regel vor Ort in den Unterkünften der Asylbewerber durchführen und dabei die Inhalte mit vielen Fotos und eindringlichen Worten vermitteln. Seit November letzten Jahres wurden bereits über 1.000 junge Männer unterschiedlichster Herkunft, die als Flüchtlinge in den Landkreis Mühldorf gekommen sind, in diesem Workshop über den Umgang miteinander – speziell mit Frauen – in Deutschland informiert.

„Frauen sind unabhängig von Männern, sie treiben zum Teil gemeinsam Sport und zwar ohne Hintergedanken“, erklärt Anna Fischer, Sozialpädagogin am Gesundheitsamt. „Und ein Blick in die Augen ist keine Aufforderung zum Flirt, sondern bedeutet Aufmerksamkeit und Freundlichkeit.“ Der Workshop ist mittlerweile auch über die Grenzen des Landkreises Mühldorf hinaus bekannt geworden. Ende Januar berichtete das ARTE Journal über die Durchführung eines Workshops mit jungen Männern aus Syrien die mit dem Kulturdolmetscher äußerst interessiert über den Kontakt zu deutschen Frauen sprachen.
Auch das ZDF begleitete für die Sendung „heute+“ einen Workshop mit Männern aus dem Senegal und aus Mali und brachte so das Integrationsprojekt des Landkreises in die breite Öffentlichkeit.

Darüber hinaus wird ein Workshop für Familien sowie Frauen und Männer mit Kindern angeboten. Die Themen hier sind unter anderen Gleichberechtigung in Deutschland, Chancengleichheit, Gewaltfreiheit (in Ehe, bei Erziehung usw.) inkl. rechtlicher Folgen bei Nichtbeachtung, sexuelle Selbstbestimmung und sexueller Missbrauch sowie die Vermittlung von Handlungskompetenz inkl. der Benennung von Ansprechpartnern. Auch diese Inhalte werden möglichst in der Muttersprache der Asylbewerber durch vom Gesundheitsamt speziell geschulte „Kulturdolmetscher“ vermittelt. Die Kulturdolmetscher beherrschen verschiedene Fremdsprachen, insgesamt können die beiden Workshops in zehn verschiedenen, für die Asylbewerber relevanten Sprachen angeboten werden. Die Dolmetscher helfen mit ihren Vorträgen, den Flüchtlingen ein Stück weit unsere Werte und Rechte sowie unsere Kultur näherzubringen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. In vielen Schulen nimmt die Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu. Des Weiteren gibt es immer mehr Flüchtlingskinder, die ebenfalls schulpflichtig sind und am Unterricht teilnehmen. Das Thema „interkulturelle Kompetenz“ wird daher von Sozialpädagoginnen des Gesundheitsamtes im Rahmen der sexualpädagogischen Projekte in die Schulen des Landkreises gebracht. So sprachen die Sozialpädagoginnen des Gesundheitsamtes Bianca Ott, Anna Fischer, Carola John-Hofmann und Andrea Nestler bereits mit den Schülerinnen und Schülern mehrerer Klassen über die Thematik. Je einen Vormittag lang arbeiten die Sozialpädagoginnen mit den nach Geschlechtern getrennten Schulklassen an Themen wie „Beziehungen“, „Grenzen“ und „Körperwissen“ und verknüpften die Inhalte mit interkulturellen Besonderheiten. So wird beispielsweise darüber gesprochen, dass in einigen Ländern ein Zusammenleben von Mann und Frau nicht auf einem rechtsgültigen Vertrag beruht wie es in Deutschland der Fall ist. Auch das Alter, in dem Paare heiraten, ist weltweit unterschiedlich.

Seit Oktober wurden bereits über 500 Schülerinnen und Schüler verschiedener Schultypen und Jahrgangsstufen erreicht und für die Thematik sensibilisiert. Bis Schuljahresende sind noch viele weitere Workshops geplant. „Menschen, die als Flüchtlinge in den Landkreis Mühldorf kommen, stammen aus unterschiedlichen Kulturen und sind mit unterschiedlichen Werten aufgewachsen“, erklärt Carola John-Hofmann. „Ein offener, respektvoller Umgang auf allen Seiten stellt die Grundlage für ein gutes Miteinander dar und ist wesentlich, damit Integration gelingen kann.“ Auch weiterhin wird sich das Gesundheitsamt mit diversen Projekten an der Integrationsarbeit für Flüchtlinge beteiligen.

Sandra Schließlberger

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