“Batman” auf unerschütterlicher Mission in Oberbayern
Ein Superheld, der Menschlichkeit vorlebt: „The Bavarian Batman“ Markus Utz in unermüdlicher Mission für das Gute. Foto: Batman for Hospital /Maxi Mair
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“Batman” auf unerschütterlicher Mission in Oberbayern

Batman ist ein Guter. Markus auch. Und beide kämpfen für das Gute in der Welt! Um schwerkranken Kindern eine Freude im anstrengenden Klinikalltag zu bereiten, wird der 38-jährige Markus Utz aus Griesstätt regelmäßig zum Fledermausmann und fliegt dort ein, wo Kinder fröhliche Ereignisse am nötigsten haben: in Kinderhospizen und Krankenhäusern. Seine eigene Familiengeschichte und seine Leidenschaft für den Dark Knight aus Gotham City haben ihn dazu bewegt, sich unermüdlich für kranke Kinder zu engagieren. Er tut es ehrenamtlich, aus freien Stücken und finanziert seine Einsätze selbst. Damit seine Mission mehr Aufmerksamkeit findet, gründet er jetzt einen Verein, denn für seine Einsätze benötigt er finanzielle Unterstützung in Form von Spenden. Außerdem wünscht er sich von uns allen ein bisschen mehr Mit- und Füreinander im Alltag.

Claudia Kuhlmann-Seineke im Interview mit dem Superhelden „The Bavarian Batman“ aus Griesstätt.

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, als ich auf den bayerischen Batman treffe, denn es ist mein erstes Date mit einem Superhelden. Um so erstaunter bin ich, als ich einem fröhlich lachenden, höchst sympathischen und „ganz normalen“ Mann gegenübersitze. Im echten Leben ist Markus als CNC-Fräser in einem Bad Aiblinger Unternehmen tätig, hat gute Freunde und mag Fußball. Als „The Bavarian Batman“ schlüpft er nicht nur in eine Rolle, sondern er identifiziert sich mit dem 1939 von Autor Bill Finger und Zeichner Bob Kane erdachten Superhelden.

Markus, warum gerade Batman?

Ich mag ihn einfach! Er ist kein klassischer Superheld, er ist vielschichtig, sehr menschlich, trotzdem mystisch, ein bisschen unergründlich. Und er hat auch keine speziellen Superkräfte.  Er setzt sich aus eigener Kraft für das Gute ein. Ich war schon als Kind durch die aus den 60ern stammende Zeichentrickserie von diesem Charakter fasziniert. Der Einzelkämpfer, düster, aber immer auf der Seite des Guten, dann sein Doppelleben… das alles hat mich vollkommen gepackt.

 Du kämpfst jetzt nicht wirklich als Hero gegen böse Buben, sondern setzt deine Kraft und einen Großteil deiner Freizeit für todkranke Kinder und Jugendliche ein, um ihnen ein Stück Freude und Ablenkung zu bringen. Keine leichte Aufgabe.

Nein, nicht leicht. Aber wichtig. Das habe ich erfahren, als ich zwei Familienmitglieder im Kindes- und Jugendalter an eine tückische Krankheit verloren habe. Damals sah ich, wie schwierig der triste Klinikalltag gerade für Kinder in der sowieso kaum aushaltbaren Situation ist. Und auch als Zivi im BHZ, der heutigen Schönklinik in Vogtareuth, musste ich lernen, wie schwer diese persönlichen Ausnahmezustände sowohl für die Kinder, als auch für die Angehörigen sind. Da wollte und musste ich etwas tun. Als ich mit der Cosplay-Szene in Berührung kam, wusste ich dann auch, wie und was ich machen will.

Cosplay – nie gehört, was ist das?

Cosplay kommt ursprünglich aus Japan, das Wort ist eine Zusammensetzung aus Costume und Play, also Kostüm und Spiel. Uns Cosplayer gibt es weltweit. Wir stellen einen Charakter aus einem Film, Comic, Roman, einer Serie oder einem Videospiel – so wie ich Batman – dar. Wichtig: so originalgetreu wie möglich! Kostüm, Verhalten, Bewegung, Stimme… alles muss passen. Das ist auf keinen Fall Fasching, sondern Hobby aus Leidenschaft für den dargestellten Charakter, keine Imitation, sondern echte Identifikation. Ich war schon immer Comic-Fan und der Zufall führte mich 2016 mit einem Freund zur deutschen Comic Con nach Stuttgart, einer riesigen Fan-Convention für Comic-, Film- und Superheldenfans. Das war mein Schlüsselerlebnis, da wurde ich quasi mit Cosplay „infiziert“.

 Du bist im vierten Jahr in Kinderhospizen, Krankenhäusern und Behinderteneinrichtungen ehrenamtlich als Batman unterwegs, bringst – obwohl ein dunkler Held – sehr viel Sonne in den schweren Alltag der erkrankten Kinder. Wie finanzierst Du das?

Gute Frage! Meine Kosten trage ich natürlich selbst, aber da ich niemals mit leeren Händen zu den Kindern gehe, bin ich auch auf Spenden angewiesen. Das ist nicht so einfach, da mir da noch der Bekanntheitsgrad fehlt und ich als Privatmann auch keine Spendenquittung ausstellen kann. Leider fehlt mir auch die Akzeptanz bei den Einrichtungen in der Region. Die Krankenhäuser im Landkreis lehnten meine Anfragen ab, haben sich meist bereits auf Klinik-Clowns festgelegt und meinen, Superhelden würden die Kinder verschrecken und eher in den USA funktionieren. Meine Erfahrung ist da eine ganz andere. Wenn ich zum Beispiel beim Sommerfest der Stiftung Ambulantes Kindeshospiz München einfliege, dann kennt die Begeisterung der Kinder – und auch die der Eltern – kaum Grenzen. Sie sehen in dem Superhelden eine Art Idol, tragen die Comic- und Filmfiguren selbst auf T-Shirts oder Taschen. Wir, mein Cosplayer-Team und ich, beschäftigen und spielen mit ihnen, ganz ohne Berührungsängste, eben ganz normal. Das Strahlen in ihren Augen ist unbezahlbar, da geht mir und meinen Begleitern das Herz auf, dann weiß ich, warum ich es tue.

 Hollywood-Größen wie Johnny Depp oder Chris Evans nutzen ihre Filmcharaktere Captain Jack Sparrow und Captain America und tun es dir gleich, haben dabei natürlich einen ganz anderen finanziellen Hintergrund. Du möchtest jetzt einen Verein gründen, damit du offiziell Spender, Sponsoren oder Partner finden kannst, die dich bei deiner Mission unterstützen.

Genau! Wir Cosplayer hier aus der Region, es sind bis jetzt nur knappe 10, treffen uns einmal im Monat in Wasserburg zum Stammtisch, und da entstand die Idee zur Vereinsgründung. „Batman with Friends for Hospital“ wird er heißen und wir freuen uns über Interessierte, Neugierige, neue Stammtischbesucher und natürlich dann auch über potenzielle Mitglieder. Bis jetzt war es so, dass ich nach Spendenaufrufen hie und da kleinere Privatspenden erhielt, um den Kindern Geschenke mitbringen zu können, aber alles aus der eigenen Tasche zu leisten, sprengt unseren möglichen Rahmen. Von der Vereinsgründung verspreche ich mir, dass die Menschen auf uns aufmerksam werden und Lust bekommen, mit uns gemeinsame, ehrenamtliche Sache zu machen – ideell und gerne auch über Sach- und Geldspenden.

 Markus, was sind deine Superkräfte?

Die sind sehr menschlich: Empathie für die Kinder, Einfühlungsvermögen beim Kontakt mit Eltern und Angehörigen. Und Humor. Ohne den könnte ich das nicht machen. Zudem bin ich seelisch sehr gefestigt – das ist ein Muss.

 Und wie heißen die Wünsche des Bavarian Batman fürs neue Jahr?

Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit für meine Idee und das Projekt.  Ich wünsche mir mehr Leute an unserer Seite, die unterstützen. Aber am meisten wünsche ich mir, dass unsere Gesellschaft von dieser aktuellen Ichbezogenheit weg und wieder hin zum Wir-Gefühl, zum Miteinander und somit auch zum Füreinander tendiert.

Batman, es war mir eine Ehre!

Mit knappen 13 000 Followern bei Instagram, mehr als 1000 Facebook-Freunden und fast 300 Facebook-Fans der Batman for Hospital-Seite ist Markus aber gar nicht mehr so unbeachtet, aber eben noch nicht bekannt genug.

Um ihm Anfragen für karitative Superhelden-Einsätze zu schicken, kann man ihn ganz einfach über seine E-Mail-Adresse thebavarianbatman@gmail.com, über sein Instagram-Profil the_bavarian_batman oder via Facebook über seinen Account Markus Utz (the bavarian batman) kontaktieren. Gleiches gilt natürlich auch für all diejenigen, die Interesse an dem in Gründung befindlichen Verein haben oder einfach neugierig darauf sind, Cosplay kennenzulernen.

Claudia Kuhlmann-Seineke

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