Der Fokus sollte auf „Fest der Liebe“ liegen! Ein Kommentar.
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Der Fokus sollte auf „Fest der Liebe“ liegen! Ein Kommentar.

„Erst wenn Weihnachten im Herzen ist, liegt Weihnachten auch in der Luft.“ Dieses Zitat von Autor William Turner Ellis (1866-1955) spricht mir an diesen Adventstagen sehr aus der Seele. Besonders in diesem Moment, jetzt, während ich das passende Titelbild für unsere Weihnachtsausgabe aussuche, überkommen mich Gedanken und Sehnsüchte zu Weihnachten, die ich als bekennender „Grinch“ viele Jahre – sagen wir mal – verdrängt habe. Der Grund dafür war nicht, dass ich den Wert vom „Fest der Liebe“ nicht geschätzt habe. Nein, der Advents- und Weihnachtstrubel, das geschäftige Treiben, die fast schon hysterische Jagd nach Geschenken, der Konsumwahnsinn und der Druck zur Perfektion zu diesem Tag schreckten mich ab. Die „Staade Zeit“ empfand ich als die stressigste Zeit des Jahres. In diesem Jahr ist das anders.

„Man nennt sie: Die stille, die staade Zeit, doch überall macht sich große Hektik bereit. Überall herrscht geschäftiges Treiben und keiner hat Zeit – um zu verweilen. (…) Doch bei all der Geschäftigkeit vergisst man leider ganz die Besinnlichkeit.“ Mit diesem Ausschnitt aus einem Gedicht von Monika Moser (Quelle: weihnachtsstadt.de) begann ich meinen Kommentar in der letzten Weihnachtsausgabe, zu unserem ersten Lockdown-Weihnachten – mit Kontaktbeschränkungen, Auflagen, strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus.

Diese „Staade Zeit 2020“ – eine angeordnete „Staade Zeit“, das hatte etwas Bedrohliches, das verunsicherte und forderte uns – und überforderte uns gleichermaßen. Aber wir hielten zusammen, unterstützen unsere Liebsten, Freunde, Nachbarn und hofften auf ein schnelles Ende, eine Lösung im Kampf gegen die Pandemie. Menschliche Werte rückten in den Vordergrund. Als unbeirrbarer Optimist funkelte eine Hoffnung in mir auf: Weihnachten ist nun wieder das „Fest der Liebe“, das „Fest der Familie“, das „Fest der Besinnung“ – die „Staade Zeit“ wird ihrem Namen wieder gerecht. Für mich fühlte sich Weihnachten 2020 genau so an. Die Pandemie, der Lockdown ließ mich Weihnachten neu entdecken.

Und jetzt, ein Jahr später – Weihnachten 2021? The same procedure as last year!
Corona ist noch nicht besiegt. Die Pandemie hält uns nach wie vor fest im Griff – trotz Impfstoff, strengen 3G-, 2G- und Plus-Regelungen. Wir bekommen diesen Virus noch nicht wie erhofft unter Kontrolle. Aber im Gegensatz zum letzten Jahr fällt mir ein weiterer „Virus“ auf, der unsere Gesellschaft bedroht. Oft wird dieser „Virus“ als „Spaltung der Gesellschaft“ betitelt. Wir kämpfen anscheinend nicht mehr gemeinsam gegen Covid-19, wir bekriegen uns nun – so wird es vielfach dargestellt – gegenseitig. Hitzige Diskussionen sind dabei nur das kleinere Übel. Schlimmer sind die gespaltenen Lager, die sich gegenseitig wüst beschimpfen – Aussagen wie „Asozialer Impfverweigerer“, „Schwurbler“, „Querdenker“ „Impffanatiker“, „Schlafschafe“ … treiben einen Keil zwischen uns, zwischen Freundschaften, ja sogar zwischen Familienmitglieder. Und jeder fühlt sich dabei mit seiner Meinung in der „Wahrheit“, im „Recht“.

Was „Wahrheit“ und „Recht“ ist, liegt hier nicht in meinem Ermessen und ich will jetzt auch niemanden von einer „anderen“ Meinung und Entscheidung überzeugen, aber ich würde gerne über Menschlichkeit sprechen, über Zusammenhalt, über Hoffnung und Liebe. Diese Empfindungen weckte eben besagtes Suchen nach dem passenden Titelbild für diese Ausgabe. Menschlichkeit wird meist als positive Einstellung gegenüber den Mitmenschen gesehen. Eigenschaften wie Empathie, Rücksicht, Achtsamkeit, Toleranz und Respekt machen diese Menschlichkeit aus. Es geht dabei auch um Verständnis und Mitgefühl. Ich denke, das könnte der Schlüssel in manch verbissener Situation zwischen uns sein. Lasst uns verstehen und mitfühlen – mit der Person, die nicht die eigene Meinung teilt.

Der Impfgegner ist kein „Asozialer Schwurbler“, der Impfbefürworter kein „regietreues Schlafschaf“ – jeder von uns ist ein Mensch – ein Mensch mit Ängsten und Sorgen. Sei es die Angst vor Covid-19, sei es die Angst vor dem Vakzin, Angst vor Krankheit, Tod … Verlust- und Existenzängste – diese Pandemie schürt viele verschiedene Ängste in uns. Aber Angst lähmt und führt oft zu irrationalen Entscheidungen und Handlungen. Und spätestens hier sollten wir anfangen zu verstehen und mitzufühlen.

Speziell zu diesem Weihnachtsfest werde ich die Fahnen für ein „Fest der Liebe“ mit den Werten der Menschlichkeit ganz hoch halten. Ich werde besser zuhören, mehr verstehen, tiefer mitfühlen – und ganz viel Liebe verschenken. Weihnachten hat für mich persönlich – skurrilerweise durch diese schlimmen Pandemie – eine neue, wichtige Bedeutung erfahren.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gesund bleiben. Ich wünsche Ihnen Kraft zum Durchhalten, Besinnlichkeit, Mitgefühl und Zuversicht zum „Fest der Liebe“ – zum Weihnachtsfest 2021.

Ihre Manuela Graßl.
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