Gerhard Eckert: Mister 1000 Volt und sein Plädoyer für das Handwerk – Werbung –
„Bei uns halten alle zam. Mia san Mia!“ – ein „Sommermärchen“ über Jahre. Gerhard Eckert alias Mister 1000 Volt (Mitte) mit seiner Mannschaft. Foto: ER Elektro
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Gerhard Eckert: Mister 1000 Volt und sein Plädoyer für das Handwerk – Werbung –

Visionen haben viele Menschen, aber wenn ein kleiner Bub versucht, Pferde aus einem Fernsehfilm zu befreien, indem er das TV-Gerät auseinanderbaut, dann zeigt er unmissverständlich, dass er sich so schnell von nichts abbringen lässt. Was aus dem furchtlosen jungen Mann geworden ist, erfahren wir in diesem Interview.

Unsere Redakteurin Nina Bufalino unter Hochspannung mit Gerhard Eckert, Chef von ER Elektro in Wasserburg a. Inn.

Gerhard, in Wasserburg bist Du als Mister 1.000 Volt bekannt. Respekt, klingt beeindruckend. Woher der hochspannende Spitzname?
Als ich mich nach der Meisterprüfung selbstständig machen wollte und es um die Namensgebung der Firma ging, haben meine Kumpels mich mit „Mister 1 Volt“ aufgezogen… von Hochspannung spricht man erst, wenn eine elektrische Spannung höher als 1.000 Volt ist. Ich musste mir den Namen also erst verdienen.

Was war denn der zündende Funke für den beruflichen Werdegang in die Elektrobranche?
Gnadenlose Neugierde und Faszination für Technik. Als kleiner Bub wollte ich die Pferde aus einem Westernfilm befreien und habe kurzerhand den Fernseher auseinandergebaut. Was ich dabei empfand hat mich die Tiere schnell vergessen lassen. Ich musste Fernsehtechniker werden!

Aus dem Fernsehtechniker wurde dann aber ein Elektrotechniker mit Fachrichtung Energie und Gebäudetechnik. Das Leistungsspektrum Deiner Firma ER Elektro reicht heute von Multimedia, Smart-Home, Altbausanierung, Photovoltaik und und und… Aber kannst Du Dich noch an die Lehrjahre erinnern?
Puh, ein Streichelzoo war das nicht. Die harte Arbeit auf der Baustelle bei klirrender Kälte und seinerzeit ein sehr sparsames Lehrlingsgehalt. Nach der Gesellenprüfung hab ich erst mal Zivildienst gemacht und alte Menschen betreut. Eine wertvolle Lebenserfahrung, die meine Sichtweise auf uns Menschen sehr geprägt hat. Naja, aber wie es so ist, als junger Bursche möchte man irgendwann auch Geld in der Tasche haben und die Industrie lockt fast immer mit höheren Gehältern.

Du bist dem Handwerk also abtrünnig geworden. Hat sich das für Dich ausgezahlt?
Jung und wild, da denkt man zunächst nicht an die Zukunft. Ich habe bei Wacker Chemie, im Werk Wasserburg, im Schichtdienst gearbeitet und für mein Alter top verdient. Immer Kleingeld in der Tasche, das tat nach den Lehrjahren einfach mal gut. Was dann aber passierte, hat mich emotional wirklich hart getroffen und es ist mir ein echtes Anliegen, diese Erfahrung mit den jungen Menschen zu teilen. Das Werk wurde geschlossen und von heute auf morgen standen wir alle auf der Straße. Mit ein paar Monaten finanziellem Überbrückungspuffer zur Neuorientierung.

Als junge Mann mit einem Gesellenbrief in der Westentasche dürfte das doch kein großes Problem darstellen, oder?
Bei mir hielt sich der Schaden in Grenzen, aber ich habe Tragödien miterlebt von Familienvätern, die ihre Häuser nicht mehr abzahlen konnten und schon so lange aus ihrem ursprünglichen Job draußen waren, dass ein Weg zurück ins Handwerk unmöglich war. Das war ein Schlüsselmoment für mich. Mir wurde bewusst, wie wenig Zukunftssicherheit oder Dankbarkeit im Spektrum gewinnorientierter Gesellschaften steht… und wie schnell du vor dem Nichts stehen kannst. Im Handwerk bist du so leicht nicht ersetzbar.

Würdest Du dem alten Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ also zustimmen?
Aber unbedingt! Das Handwerk bietet Zukunftschancen und gute Fachkräfte werden immer gesucht. Und wenn du dich selbständig machst, dann hast Du nicht nur die Erfüllung, dein eigener Chef zu sein, sondern kannst auch gutes Geld verdienen. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich bin auf die Meisterschule gegangen. Die habe ich mir selbst finanziert, nebenbei immer gejobbt und wieder keine Kohle gehabt. Aber ich war motiviert, weil ich eines wusste: nie wieder zurück in ein managementgeführtes Großunternehmen.

Ist das eine Art Message an alle jungen Leute?
Es ist mir ein Bedürfnis. Hier im Handwerk sind alle willkommen, die Spaß an der Arbeit haben und gerne im Team arbeiten. Und es ist nicht nur das gute Zeugnis, welches zählt, sondern der Mensch. So ein Handwerksbetrieb ist wie eine Familie, da trägt jeder seinen Teil an Verantwortung und wird mit Sicherheit und Wertschätzung belohnt. Ich möchte so vielen Menschen danken, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Meinem Mentor, dem Milan, dem 1. Betrieb der mir als Jung-Meister viel half, die Bauunternehmen, Architekten, Baubetreuer und Energieberater und all den Heizungsbauern, Fliesenlegern, Malern … und allen, die mich unterstützt haben, meine Firma zu gründen und zu halten. Hier ist auch die Arbeit auf kalten Baustellen fast familiär wärmend. Das Bedeutendste jedoch ist der Rückhalt durch mein sagenhaftes Team. Hey, ich möchte keinen von euch missen, Jungs!

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