Geschichten aus dem Alltag: „Immer diese Jugendlichen von heute!“ Ein Kommentar.
Bei dieser Aufnahme war noch „Luft“ zwischen den Bahnreisenden – das änderte sich im Laufe der Fahrt drastisch. Foto: mg
Prosepkt Box

Geschichten aus dem Alltag: „Immer diese Jugendlichen von heute!“ Ein Kommentar.

Als begeisterte E-Radlerin ging es am Wochenende wieder auf Langstrecke – diesmal Richtung Salzburg. Mit dem Radl hin, mit dem Regionalzug und dem vielversprechenden 9-Euro-Ticket zzgl. 6 Euro für das Bike am Sonntagabend wieder zurück. Ein wunderschöner Ausflug quer durchs Chiemgau ins Salzburger Land – alles super.

Gegen 17 Uhr zum Hauptbahnhof Salzburg, Fahrkarten gelöst, auch hier noch alles super. Meine Bedenken, ob ich mit E-Bike samt Gepäck zu Urlaubs- und Sparticket-Zeiten ein Plätzchen bekommen würde – wir waren noch dazu zu zweit – lösten sich schnell in Wohlgefallen auf. Der Zug war nur moderat gefüllt, wir bekamen auch noch einen Sitzplatz – immer noch alles super. Verwundert waren wir allerdings über die Tatsache, dass ausschließlich die vorderen Abteile bestiegen werden durften, die hinteren waren geschlossen. Der Zug rollte los.

Was dann passierte, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. An den folgenden Bahnhöfen versuchten „Horden“ an Menschen in die Abteile zu strömen. Nach bereits zwei Haltestellen war der Zug restlos überfüllt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, die Menschen wurden zwischen die Gänge gequetscht, dazwischen kleine Kinder und deren Kinderwägen – kein Schritt nach rechts oder links möglich. Ab Bahnhof Prien konnten viele Bahnreisende nicht mehr zusteigen, andere pressten sich noch mit Mühe und Not in die Masse. Großes Kopfschütteln gab den Takt vor. Fahrscheine überprüfte da keiner mehr, ein Durchkommen für die Zugbegleitung war unmöglich. An jedem weiteren Bahnsteig das gleiche Szenario. Und man bedenke: Die hinteren Waggons waren leer. Bereits hier wollten wir schon aussteigen, um Platz freizugeben, aber das war ein Ding der Unmöglichkeit.

Irgendwo auf der Strecke wurde die 1. Klasse für das „9-Euro-Ticket-Volk“ geöffnet, doch an der Gesamtsituation änderte diese Entscheidung nichts. In Bad Endorf quetschte sich dann noch eine Gruppe junger Trachtler in unser Abteil. Etwas angetrunken, laut singend, sehr präsent – so präsent, dass viele Mitreisende schnell genervt mit den Augen rollten. Auf unseren Heimatbahnhof Rosenheim zurollend wuchsen meine Bedenken, wie meine Begleitung und ich samt Räder aus dieser Bahn kommen könnten, zu einer Sorge an. Wie soll das funktionieren?

Um nicht erst am Hauptbahnhof München aus dieser „Sardinendose“ zu kommen, bat ich die fidele Trachtler-Truppe – ja genau: diese „jungen Wilden“ –, von denen im Abteil so viele genervt waren, um Hilfe. Warum? Weil sie mir als Einzige dem Chaos Herr zu werden schienen. Und ich sollte Recht behalten: Kaum am Bahnsteig angekommen, ging alles ratzfatz – wie Sperrgepäck-Profis hievten die jungen Burschen die schweren E-Bikes samt Gepäck aus dem Waggon über alles hinweg, was sonst noch im Weg stand – ohne Murren und Knurren, ohne Wenn und Aber und mit einem breitem Lächeln. Sauber!

Ich möchte mit dieser Geschichte jetzt keine Diskussion über die *Sinnhaftigkeit des 9-Euro-Tickets, den Weitblick unserer Regierenden oder das ausgeklügelte Management der Deutschen Bahn* <Ironie off!> anheizen. Ich erzähle diese Geschichte aus einem ganz anderen Grund: Ich möchte wieder ‘mal eine Lanze für unsere Jugendlichen brechen. Diese jungen Menschen, bei denen so gerne genervt die Augen gerollt werden. Und Gründe fürs Augenrollen finden wir „Erwachsenen“ zuhauf. Ja, manchmal sind sie zu laut, manchmal sind sie zu wild und manchmal machen sie Dinge, die uns nicht in den Kram passen, die wir nicht verstehen und meist auch nicht verstehen wollen. Na, wenn schon! Anmerkung: Der beschriebene Zug wird von Transdev unter der Marke BRB (Bayerische Regiobahn) und nicht von der Deutschen Bahn betrieben. Ich bitte diesen Fehler zu entschuldigen.

Ich habe bisher immer gute Erfahrung gemacht. Immer, wenn ich auf sie zugegangen bin. Immer, wenn ich ihnen freundlich begegnet bin. Immer, wenn ich mit ihnen gelacht habe. Immer, wenn ich nachgefragt habe. Immer, wenn ich mir auch Fehler eingestanden habe. Stört unsere Jugendlichen nicht beim Glücklichsein – sie sind gut, so wie sie sind. Den jungen Trachtlern aus dem Regionalzug möchte ich noch sagen: Vergelt‘s Gott! War eine coole Aktion. Bleibt‘s g’schmeidig und lustig!

In diesem Sinne, eine gute Zeit euch allen!
Manuela Graßl,
Redaktionsleitung
redaktion@blick-punkt.com

 

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