Glücksspielsucht: Machen Sie sich nicht zum Komplizen!
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Glücksspielsucht: Machen Sie sich nicht zum Komplizen!

Während unserer Telefonaktion am 21. Oktober 2019 meldeten sich sowohl Angehörige von Spielsüchtigen als auch Menschen, die selbst ein Problem mit dem Glücksspiel haben. Wir berichteten auf unserer Titelseite vom 19. Oktober sowie online unter blick-punkt.com. Hier eine Übersicht über die häufigsten Fragen und dazu die Antworten:

Ich will aufhören, an den Automaten in den Spielhallen zu zocken. Aber ich tue es doch immer wieder. Kann ich mich für diese Häuser bundesweit sperren lassen?
Sie sehen klar, dass Sie Ihnen das Glücksspiel Probleme bringt und wollen etwas dagegen tun. Damit sind Sie auf dem richtigen Weg. Eine bundesweite Sperre für Spielhallen gibt es allerdings nicht. Sie können nur in den Spielhallen, in denen Sie gewöhnlich spielen, um ein Hausverbot bitten. Aber das wird meistens nicht gut kontrolliert und es wird Sie auch nicht von der Sucht nach dem Glücksspiel befreien.
Die auf lange Sicht bessere Variante wäre, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um herauszufinden, woher der Drang nach dem Spiel kommt und wie man sein Leben verändern könnte, damit man nicht mehr den Zwang verspürt, ins Casino zu gehen. Adressen von entsprechend spezialisierten Beratungsstellen finden Sie unter check-dein-spiel.de.

Unser Sohn bekommt Lehrlingsgeld, das er leider fast vollständig in die Spielhalle trägt. Für ihn ist gesorgt, da er noch bei uns lebt und mein Mann und ich von ihm kein Geld für Kost und Logis wollen. Doch wir leben ja nicht ewig. Wie soll es weitergehen?
Zurzeit ist Geld für Ihren Sohn Spielgeld. Ihm entstehen keine Nachteile, wenn er alles in die Automaten versenkt. Solange Sie für ihn putzen, den Kühlschrank füllen, Miete, Strom und Gas zahlen kann er in aller Ruhe weiterspielen. Doch wie soll er so den Wert des Geldes erkennen? Wie soll er es lernen, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen? – Beteiligen Sie ihn an der Hausarbeit und an den Kosten.
Ein Drittel des Lehrlingsgeldes könnte er ja gut für Kost, Service und Logis abgeben. Wenn es für Sie einfacher ist, diese Forderung umzusetzen, können Sie das Geld von ihm auf einem Extra-Konto verwahren. Generell ist es schwer, innerhalb der Familie Grenzen zu ziehen. Familienberatungsstelle sind in der Lage, Sie in diesem Prozess zu unterstützen.
Adressen in Ihrer Nähe finden Sie zum Beispiel unter dajeb.de. Gut wäre, wenn Sie zusammen mit Ihrem Mann zu der Beratung gehen.

Mein Freund ist fast nur noch im Casino, obwohl er schon viel Geld verloren hat. Woher kommt dieser Drang?
Wenn sich die Rädchen am Automaten drehen und die Lichter blinken, wenn die Frage steht: Gewonnen oder verloren? – In dem Augenblick höchster Spannung schüttet das Gehirn Glückshormone aus. Danach kann man süchtig werden. Man will es immer wieder, sehnt sich danach.
Doch so, wie man stoffliche Süchte, wie die Sucht nach Alkohol oder nach Nikotin überwinden kann, lässt sich auch etwas gegen die Glücksspielsucht tun. Aber von allein passiert da nichts. Es ist richtig Arbeit, eine Sucht zu überwinden und ohne die Hilfe von Experten ist es kaum möglich.

Unser Sohn hat einen weiten Weg zur Arbeit, etwa fünf Kilometer. Jetzt fragte er meinen Mann und mich, ob ich ihm Geld für Benzin borgen kann. Ich weiß, dass er spielt. Sollte ich ihm das Geld trotzdem geben?
Nein, geben Sie ihm kein Geld geben, auch nicht für Benzin. Er kann mit dem Rad zur Arbeit fahren. Den Weg zur Arbeit zu schaffen ist sein Problem, nicht Ihres. Einem Spielsüchtigen Geld zu geben ist in etwa das Gleiche, als wenn Sie einem Alkoholsüchtigen einen Kasten Bier hinstellen.
Wenn er nicht spürt, dass das Glücksspiel für ihn dramatische Folgen hat, wird er ewig so weiter machen. Es ist gut, wenn Sie sich zur Bitte des Sohnes mit Ihrem Mann abstimmen, damit Sie dazu eine einheitliche Auffassung haben.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause gehe, lande ich fast immer in der Spielhalle. Ich will das nicht mehr. Bei einer Suchtberatungsstelle habe ich mich angemeldet, aber der Termin ist erst in drei Wochen. Wie komme ich an der Spielhalle vorbei?
Sie können sich vorab Ablenkungsmanöver überlegen, damit der Druck nicht zu stark wird. Jede Ablenkung sollte Sie etwa 20 Minuten voll in Anspruch nehmen. Denn die Erfahrung zeigt, dass bei vielen Spielsüchtigen der Druck nach 20 Minuten nachlässt. Vielleicht können Sie – um die Spielhalle zu meiden – einen anderen Weg nach Hause nehmen oder gar nicht erst nach Hause gehen, sondern ins Kino, ins Fitness-Studio oder zu einem Treff mit Freunden. Vielleicht nehmen Sie das Rad zur Arbeit und radeln auf dem Heimweg durchs Grüne? Überlegen Sie sich noch mehr Ablenkungsmanöver und schreiben Sie sie auf. Dann können Sie darauf zurückgreifen.

Meine Mutter ist süchtig nach dem Spiel um Geld. Sie hat gerade die Rente meines Vaters verspielt. Das will sie ihm nicht sagen. Damit es keinen Krach gibt, soll ich auch schweigen. Ich fühle mich dabei sehr unwohl. Was raten Sie mir?
Es gehört zur Spielsucht dazu, dass man versucht, sie zu vertuschen. Machen Sie sich nicht zur Komplizin. Bevor Sie mit Ihrem Vater reden, kann man der Mutter einen Vorsprung von vielleicht einer Woche geben, damit sie es dem Vater selbst sagen kann.
Wichtig wäre, die Konten von beiden Elternteilen zu trennen, damit das Geld des Vaters nicht mehr in Gefahr ist. Wenn die Mutter nichts an Ihrer Spielsucht ändern will, bleibt Ihnen nur, sich abzugrenzen. Sie sind nicht für das Leben Ihrer Mutter verantwortlich.

Ich spiele seit drei Jahren fast täglich an den Automaten in der Spielhalle. Jetzt reicht auch der Dispo-Kredit nicht mehr …. Was kann ich tun?
Dann wissen Sie ja schon, dass Sie mit dem Glücksspiel Geld verlieren, aber nicht gewinnen. Ich rate Ihnen, sich jetzt gleich an eine Beratungsstelle zu wenden. Nutzen Sie die Momente der Motivation!

Sie benötigen Hilfe?

Telefonberatung zur Glücksspielsucht:
Telefonnummer 08 00/1 37 27 00 (Montag bis Donnerstag, 10 Uhr bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag, 10 Uhr bis 18 Uhr).

Online:
check-dein-spiel.de
spielen-mit-verantwortung.de

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