Leihe deinem Nächsten!
Foto: Meteor Collectif

Leihe deinem Nächsten!

Wer selbst keine Bohrmaschine, einen Mixer oder eine Leiter zur Hand hat, fragt gern mal den Nachbarn, ob er sich Dinge bei ihm ausleihen kann. Dieses Prinzip nutzt „Pumpipumpe“, ein Projekt dreier Schweizer: Man teilt Gegenstände, die man nicht ständig braucht, mit seinen Nachbarn, fördert so das Miteinander und geht bewusster mit Konsumgütern um. Mit Aufklebern auf dem Briefkasten lässt man andere sehen, welche Dinge sie von einem ausleihen können.  

Das Projekt „Pumpipumpe“ der Berner Ateliergemeinschaft „Meteor Collectif“ ist vor knapp zwei Jahren gestartet. Seitdem wächst es stetig, mittlerweile gehen auch viele Bestellungen aus Deutschland und Österreich bei den Initiatoren ein. „Unsere Sticker haben wir schon an rund 6000 Haushalte verschickt“, erklärt Lisa Ochsenbein, die das Projekt zusammen mit Sabine Hirsig und Ivan Mele ins Leben gerufen hat.

Die Drei produzieren kleine hellblaue Aufkleber, die Leihfreudige am Briefkasten oder der Haustür anbringen und so zeigen, welche Dinge sie ihren Nachbarn ausleihen können. „Beliebt sind Bohrmaschine, Fahrradpumpe und Hammer“, weiß Ochsenbein. Aber auch skurillere Dinge wie Gameboy, Diskokugel oder Teleskop sind unter den Aufklebern. Ihr Angebot erweitern die Drei nach den Wünschen der Besteller immer wieder. Ganz neu sind der Drachen, das Kostüm und das Zeitungsabo. Damit sich nicht auch Einbrecher eingeladen fühlen, befinden sich bewusst keine Gegenstände von hohem Geldwert in der Auswahl. Die Sticker können im Internet unter pumpipumpe.ch bestellt werden, der Versand nach Deutschland ist sogar kostenlos.

Damit das so bleibt, sind Ochsenbein und Co. immer auf der Suche nach Sponsoren und Spendern. „Im Moment bekommen wir viele Anfragen von Wohnbaugenossenschaften, das finden wir sehr spannend“, berichtet die 29-Jährige.

Das Projekt soll die soziale Interaktion zwischen Nachbarn und den bewussten Umgang mit Konsumgütern fördern. „Heute kennt man oft die Leute zwei Häuser weiter nicht und schon bei den direkten Nachbarn kann die Hemmschwelle, um einen Beamer oder einen Schlitten zu bitten, sehr hoch sein“, sagt Ivan Mele. Die Sticker sollen diese Hemmschwelle senken, der Nachbar signalisiert damit ja schließlich, dass er leihfreudig ist.

Die vielen Bestellungen und positiven Reaktionen der Leute sowie die zahlreichen Vorschläge für neue Sticker, die regelmäßig bei „Meteor Collectif“ eingehen, bestärken die drei Initiatoren, dass ihr Projekt eine gute Idee ist. Eine Dame aus Frankreich behauptete sogar, die tolle Initiative würde ihr wieder Zuversicht in die Menschheit geben.

Zuversichtlich kann man dank „Pumpipumpe“ zumindest ins nächste Wochenende starten, wenn man beim sonntäglichen Garteln, Basteln, Handwerkern oder Kochen feststellt, dass irgendetwas wichtiges fehlt. Irgendetwas, das man selbst so selten bracht, dass man es sich nicht angeschafft hat. Irgendetwas, das der Nachbar aber vielleicht besitzt und das als Sticker auf seinem Briefkasten mitteilt… amu

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