Notsicherungsmaßnahmen an der Filialkirche St. Aegidius in Kolbing
Peter Huber, ehrenamtlicher Kreisheimatpfleger für den Bereich der Kulturdenkmäler des Landkreises Mühldorf und somit auch für die Filialkirche St. Aegidius in Kolbing zuständig. Fotos: Landratsamt Mühldorf a. Inn
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Notsicherungsmaßnahmen an der Filialkirche St. Aegidius in Kolbing

Kraiburg – Sie ist ein Kleinod – die freistehende Filialkirche St. Aegidius in Kolbing südlich von Kraiburg. Doch die im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammende romanische Kirche ist stark sanierungsbedürftig. Kurzfristig müssen Notsicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Mühldorf a. Inn erteilte nun der Pfarrkirchenstiftung St. Bartholomäus in Kraiburg die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für die Durchführung dieser Maßnahmen.

Auf der Hochfläche oberhalb des Inntals liegt südlich von Kraiburg der Weiler Kolbing mit seiner freistehenden Filialkirche St. Aegidius. Die kleine Kirche entstand wohl gleichzeitig mit der Kraiburger Burg und diente den Kraiburger Grafen als Jagdkapelle. Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche ausgebaut und mit den bis heute überlieferten Wandmalereien ausgestattet. Wohl im 16. Jahrhundert erhielt der rechteckige Chor ein gotisches Netzgewölbe. 1683 errichtete man den Dachreiter im Westen der Kirche mit seiner weithin sichtbaren Zwiebelhaube. Im Jahr 1759 wurde die Kirche grundlegend in den Formen des Barock umgebaut. Dabei erhielt das Langhaus sein Tonnengewölbe mit Stichkappen und Deckenfresken. Beim barocken Umbau blieben die romanische Rundapsis, der gotische Chor mit Netzgewölbe und die Außenwände mit ihren mittelalterlichen Wandfresken erhalten.

Die Jahrhunderte gingen nicht spurlos an diesem Bauwerk vorüber. Im Laufe der Zeit traten immer größere Schäden auf.  Bereits im Jahr 2007 wurden Schäden im Bereich der Gründung festgestellt, welche  unter anderem zu Setzungen und Rissbildungen im Innenraum führten. Die Dachrinnen waren schadhaft und verrostet, die Dachhaut war nicht mehr dicht und die Drainage konnte das Wasser nicht vom Bauwerk abführen. Im Inneren kam es wegen der andauernden Durchfeuchtung zu Schäden an den Fresken und Gewölben.

Um das Bauwerk zu erhalten, wurde von einem Ingenieurbüro ein zweistufiger Notmaßnahmenkatalog angefertigt. Im ersten Teil sollen unverzüglich Sofortmaßnahmen zur Abwehr akuter Gefährdungen an der Gebäudesubstanz ausgeführt werden. Im zweiten Teil soll in den Jahren 2020/ 21 durch Sanierungsarbeiten an der Gründung, der Dachentwässerung, dem Dachtragwerk und der Dachdeckung die Standsicherheit der Kirche soweit wiederhergestellt werden, dass keine weiteren Schäden am Gebäudetragwerk auftreten.

Die Kirchengemeinde Kraiburg kann einen Teil der Notsicherungsmaßnahmen in Eigenleistung durchführen, um kurzfristig weitere Schäden durch eindringendes Wasser zu reduzieren. Allerdings übersteigen die tiefgreifenden Sanierungsarbeiten der kommenden Jahre die finanziellen Möglichkeiten Pfarrkirchenstiftung Kraiburg bei weitem. Beim Erzbischöflichen Ordinariat läuft seit 2007 ein Antrag auf die Finanzierung einer Komplettsanierung, der jedoch bislang immer wieder zurückgestellt wurde. Daher wird es nach der Ermittlung der Sanierungskosten eine große Aufgabe sein, das zum Erhalt der Kirche notwendige Geld zusammenzubekommen.

Die Kirchengemeinde Kraiburg muss nun versuchen, mit ehrenamtlichem Engagement und Spendenbereitschaft, die bedeutende Kirche in Kolbing so weit zu sichern, dass der Erhalt des Bauwerks so lange gewährleistet ist, bis endlich eine vollständige Sanierung durchgeführt werden kann.  Peter Huber, Kreisheimatpfleger

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