Peter Ludwig und Benno Panhans mit Rosenheimer Kulturpreis ausgezeichnet
Landrat Otto Lederer (r.) bei der Übergabe des Kulturpreises. Fotos: Landratsamt Rosenheim
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Peter Ludwig und Benno Panhans mit Rosenheimer Kulturpreis ausgezeichnet

Der Pianist, Komponist und Filmemacher Peter Ludwig ist mit dem Kulturpreis 2022 des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet worden. Im Historischen Rathaussaal in Wasserburg ehrte Landrat Otto Lederer am Abend (22.11.22) zudem den 14-jährigen Gitarristen Benno Panhans mit dem Kulturförderpreis und „Passio“, das Kiefersfeldener Dorfspiel von 2021 mit dem Kultursonderpreis. Die Laudationes hielt der Kulturreferent des Landkreises Christoph Maier- Gehring. Den festlichen Abend eröffnete Landrat Otto Lederer mit einer Würdigung der Kulturszene in Wasserburg.

„Seit 1997 kamen nicht weniger als sechs Kulturpreisträger aus Wasserburg“, sagte er. Zudem erinnerte der Landrat an den vor knapp zwei Wochen viel zu früh verstorbenen Uwe Bertram, „der dafür sorgte, dass sich das Theater Wasserburg einen hervorragenden Ruf erworben hat“. Lederer bat die Festgäste im Historischen Rathaussaal um eine Schweigeminute. Als Hausherr begrüßte der Wasserburger Bürgermeister Michael Kölbl Preisträger und Publikum. „Mit dem Kulturpreis, dem Kulturförderpreis und dem Kultursonderpreis hat der Landkreis einen Strauß im Bereich der Kultur, der beiträgt, sie dauerhaft am Leben zu erhalten.“ Die diesjährigen Kulturpreisträger würdigte Kölbl als „Kulturschaffende, die aus der Maße herausragen“.

Seit über 30 Jahren lebt Kulturpreisträger Peter Ludwig in Wasserburg. Hoch oben „Auf der Burg“, wo er hemmungslos musizieren kann, auch mal bis spät nachts, wie Christoph Maier- Gehring erzählte. Aufgewachsen in Brannenburg entdeckte er seine Liebe zur Musik im Allgemeinen und zum Klavier im Besonderen schon als Kind durch die regelmäßigen Hauskonzerte auf einem benachbarten Hof im Ortsteil Vorderleiten. An der Musikhochschule in Detmold studierte er bis 1979 Komposition. Nur kurze Zeit später spielte er das Eröffnungskonzert im Rosenheimer Jazzclub Le Pirate.

Seinen Zivildienst leistete er an der Heckscher Klinik in München. Dort half er den Kindern mit Musiktherapie und zwar so erfolgreich, dass er auf Stundenbasis beinahe zwei Jahrzehnte blieb. Parallel verfolgte er seine musikalischen Projekte weiter. Ein kurzer Ausflug in den Schlager zu Beginn der 1980er Jahre blieb die Ausnahme. Viel lieber verfolgte er anspruchsvolle musikalische Ziele. Er gründete mehrere Bands, stand als Schauspieler auf den Bühnen kleinerer Münchner Theater und komponiert Musik für Schauspiel und Tanztheater. Dieses Komponieren, Arrangieren und Partituren schreiben führte ihn nach Frankreich, in die Schweiz, nach Österreich, nach Japan und in verschiedene deutsche Theater.

Er arbeitet mit dem Bayerischen Staatsorchester genauso zusammen wie mit Quadro Nuevo. Bei den Soloprogrammen von Iris Berben und Hana Schygulla saß er am Klavier. Peter Ludwig stand gerne in der zweiten Reihe. „Ich wollte nie berühmt werden“, zitierte ihn Christoph Maier-Gehring, „wichtig war mir, in vielen verschiedenen Genres zuhause zu sein, in der Klassik genauso wie im 23.11.2022 Jazz und im Tango“. 28 Jahre bildete er mit der Cellistin Anja Lechner das Duo „Tango mortale“ und präsentierte eigene Tango-Kompositionen und Arrangements. Vor 15 Jahren gründete er „Tango à trois“, mit dem er heute noch spielt. Zudem ist er seit einiger Zeit mit einem eigenen Chanson-Programm zu sehen und zu hören.

Die Facette „Filmemacher“ begann bei Peter Ludwig schon in der Zeit der Musiktherapie an der Heckscher Klinik. Das Filmen, Schneiden und Bearbeiten des Materials am Computer brachte er sich selbst bei. So entstanden eine Reihe von teils experimentellen und künstlerisch ganz besonderen Dokumentationen und Spielfilmen, in denen immer wieder Wasserburg im Mittelpunkt stand. Mit seinem Leben als Musiker ist der Kulturpreis-Träger des Landkreises Rosenheim sehr zufrieden. Und Laudator Maier-Gehring ergänzte: „Ich bin mir sicher, dass Peter Ludwig noch längst nicht ans Aufhören denkt“.

Dem Kulturförderpreisträger Benno Panhans stellt sich eine andere Frage. Er kann sich zwar grundsätzlich vorstellen, professioneller Musiker zu werden, mit der Entscheidung will er sich aber noch Zeit lassen. Jetzt stehen erst einmal die Schule und in ein paar Jahren das Abitur im Vordergrund. Am Anfang seiner Geschichte steht die Band „Fritz und die Hulaboys“, die auf dem Geburtstag von Bennos Großvater aufspielten. Der damals Vierjährige war vom Gitarristen so begeistert, dass er beschloss, selbst Gitarrist zu werden. Nach seinem ersten öffentlichen Auftritt mit acht Jahren kam er zu seinem heutigen Lehrer Thomas Kraus. Der Profi-Gitarrist aus Frasdorf wurde aber auch zu seinem Mentor, der mit Benno zusammen gewissenhaft die nächsten Schritte plant. Die pandemiebedingten Einschränkungen hielten Benno Panhans nicht auf.

Der 14-jährige gewann 2021 einen zweiten Preis bei einem internationalen Gitarrenwettbewerb in Rust in Österreich und einen dritten Preis beim einem Festival in Mottola in Apulien. Einen zweiten Preis gab es zudem beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ für Gitarre solo. Bei einem bundesweiten Zusatzwettbewerb in Regensburg erhielt Benno Panhans einen Sonderpreis in der Kategorie „Beste Interpretation eines eigenen Werkes“. Der junge Gitarrist hatte sein Opus 1 im ungewöhnlichen 5/4-Takt komponiert. Derzeit bereitet er sich auf „Jugend musiziert“ im kommenden Jahr vor. Er will in den Wettbewerben Gitarre und Kontrabass bzw. Popgitarre Solo teilnehmen.

Aber auch sonst hat der Jungstudent am Mozarteum in Salzburg keine musikalischen Berührungsängste. Mit zwei Schulkollegen gründete er ein Trio für Gitarre, Steirische Ziach und Kontrabass. Und er verliebte sich in den Flamenco. Im Sommer gab er mit seinem Lehrer Thomas Kraus und mit seinem Professor Cecilio Perera einen Flamenco-Abend im Rahmen der Sommer Dahoam-Kulturwoche in Stephanskirchen. Mit dabei war auch seine Großcousine, die Flamenco-Tänzerin Kathrin Engel. In den Herbstferien besuchte er sie in Barcelona, um zu proben und ein fulminantes Konzert zu geben. Sein Preisgeld wird der Kulturförderpreis-Träger im Übrigen in eine exzellente Konzertgitarre investieren, gebaut von Claus Voigt in Wasserburg.

In Kiefersfelden war im vergangenen Jahr das Dorfspiel „Passio“ zu sehen. Den Wagemut, ein solches Projekt in Pandemie-Zeiten anzugehen, würdigte der Rosenheimer Kreistag mit dem Kultursonderpreis. Um die 150 Mitwirkenden waren beteiligt, sechs Vereine standen dahinter. Es waren die Ritterschauspiele Kiefersfelden, die Heimatbühne Kiefersfelden, der Kirchenchor, der Männergesangsverein, der Trachtenverein und die Musikkapelle Kiefersfelden. Deren musikalischer Leiter Jürgen Doetsch komponierte eigens für „Passio“ eine Ouvertüre für Instrumentalisten, Chor und Solisten. Laudator Christoph Maier-Gehring zitierte aus dem Flyer zum Dorfspiel. Dort heißt es unter anderem: „Im vergangenen Jahr mussten wir erfahren, dass nicht die globale Welt unsere Heimat ist und dass die Grenzen wieder geschlossen werden. Die kleinsten Einheiten, unsere Familien und das Heimatdorf, waren unsere Zuflucht. Das zeigte uns auch, wie wichtig es ist, ein gutes Miteinander zu pflegen.“

Sebastian Bleier übernahm die Aufgabe, Mitstreiter zu finden, um die Leidensgeschichte des Schutzpatrons von Kiefersfelden, des Hl. Sebastians, auf die Bühnen zu bringen. Die Corona- Einschränkungen machten den Bühnenbau und die Proben zu Herausforderungen. Maier- Gehring gratulierte am Ende auch zum Mut, das Dorfspiel mit großem ehrenamtlichen Engagement auf die Bühne gebracht zu haben. Ein kurzer Film erlaubte einen Ein- und Rückblick auf das Dorfspiel.

Ansonsten durfte sich das Publikum über grandiose Live-Musik freuen. Der 14-jährige Benno Panhans hatte den Abend mit dem Stück „Sevilla“ von Isaac Albeniz eröffnet. Beendet wurde er von Peter Ludwig am Klavier, begleitet von Rebekka Hartmann an der Geige, genauer gesagt, einer Stradivari. Der Kulturpreisträger hatte selbstkomponierte Stücke ausgewählt, die er unter anderem den Frauen in Teheran und den Kulturschaffenden in Mariupol in der Ukraine widmete, deren Theater vollständig zerbombt wurde. Ludwig bedankte sich am Ende für den frenetischen Applaus und meinte ganz zum Schluss: „Ich wünsche ihnen alles Gute und den nächsten Preisträgern viel Arbeit und Zweifel.“

Der Landkreis Rosenheim vergibt die Kulturpreise jährlich, um Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen zu ehren, die sich besondere Verdienste um die Kultur im Landkreis erworben haben. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, der Kulturförderpreis mit 2.500 Euro und der Kultursonderpreis mit 1.500 Euro.

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