Rosenheimer Slackliner stellt in Mexiko einen neuen Weltrekord auf
Alexander Schulz: „Ich stelle eine ganz besondere Verbindung zu den Vögeln her, denn ich habe das Gefühl, einer von ihnen zu sein, und wir sind in einem ganz besonderen Moment vereint.“ Fotos: Altius
Prosepkt Box

Rosenheimer Slackliner stellt in Mexiko einen neuen Weltrekord auf

Dem Rosenheimer Extremsportler Alexander Schulz ist im südmexikanischen Chiapas ein spektakulärer Weltrekord gelungen: Die längste Überquerung einer Highline mit verbundenen Augen (1.720 m).

Der nun 22fache Weltrekordler überquerte am 30. November mit verbundenen Augen eine 1.720 Meter lange Slackline in 800 Metern Höhe über der imposanten Sumidero-Schlucht im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas. Er ist der erste Highliner, dem dieses Bravourstück gelungen ist.

Als der 30-jährige am Dienstag nach 4.080 Schritten über der imposanten Schlucht am Ziel angelangt war, waren ihm der Stolz und die Freude anzusehen – selbst wenn er sich seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet hatte. Beim ersten Versuch hat er auch Angst verspürt. Man muss sich das so vorstellen: Die Slackline wird auf den gegenüberliegenden Seiten der Schlucht an einer bestimmten Stelle, die zuvor ausgesucht wurde, verankert. Von der einen Seite wird eine dünne Schnur mit einer Drohne auf die andere transportiert und danach werden immer dickere Schnüre bis hin zur Slackline selbst gezogen. Eine Slackline ist nicht so starr wie ein Draht- oder Stahlseil. Während Drahtseilakrobaten einen langen Stab benutzen, um die Balance zu halten, gleichen Highliner die Schwingungen des 2,5 bis 1,7 cm breiten Kunststoffbandes dynamisch und durch Körperspannung aus.

Bereits im Februar 2020 waren Alexander und das Team der Eventagentur Altius in Chiapas, um die besten „Ankerplätze“ für das Abenteuer zu finden, das wegen der Corona-Pandemie jedoch verschoben werden musste. Am ersten Tag seines Trainings hatte er Angst. „Man rutscht ja die ersten Meter auf dem Seil in die Schlucht – und dann kommt „dieses überwältigende Gefühl des Ausgesetztseins. Ich bin an Höhe ja gewöhnt, aber dieses Mal stockte mir wirklich der Atem“, erzählt Alexander. Die Strecke war mehr als doppelt so lang als die längste, die er bis dahin je gelaufen ist – und die höchste. Am Rand ist eine Slackline etwa 25 mm breit und wird Richtung Mitte dünner bis auf 17 mm. Sie sind deshalb so dünn in der Mitte, weil sie weniger windanfällig sind. Je weiter er vorankommt, desto leichter wird es für ihn, denn in der Mitte bewegt sich das Band gleichmäßiger.

Genossen hat er die imposante Landschaft während des Trainings. „In dem Moment, in dem ich an der Leine bin, verbinde ich mich mit all meinen Sinnen und stelle eine ganz besondere Verbindung zu den Vögeln her, denn ich habe das Gefühl, einer von ihnen zu sein, und wir sind in einem ganz besonderen Moment vereint.“ Ganz besonders empfand er das so, als er mit verbundenen Augen hoch über dem Grijalva-Strom lief und kleine Vögel um ihn herum zwitscherten. Unvergesslich bleibt ihm der erste Morgen seines Trainings, als die Sonne von der Seite durch den Nebel schien und sich ein kreisrunder Regenbogen bildete, in dessen Mitte er seinen Schatten sah. „Das war unglaublich schön.“

Wie ist es, mit verbundenen Augen in immenser Höhe über ein dünnes Seil zu laufen? „Das Gefühl ist dabei viel tiefer, alle Sinne, mit Ausnahme des Sehens, sind viel intensiver, auch das Körpergefühl“, erklärt Alexander. Die Slackline hat er vor seinem inneren Auge, aber „weil der Sehsinn fehlt, ist man viel stärker bei der Sache“. Als Laie glaubt man, dass es nah am Ziel am wenigsten gefährlich ist, schließlich fällt man ja nicht mehr tief. Das Gegenteil ist der Fall. „Da ist es am steilsten und die Verletzungsfahr besonders groß”, erklärt Alexander den Grund, warum er sich ein paar Meter vor dem Abstieg die Augenbinde abgenommen hat. Wer Highline praktiziert, der fällt auch schon mal – eine unglaubliche Erfahrung trotz Absicherung.

Alexander: „In dem Moment, in dem du fällst, hast du das Gefühl, dein Herz bleibt stehen. Das ist ein sehr beängstigendes Gefühl, weil du denkst, dass du sterben wirst, aber in dem Moment, in dem du erkennst, dass es nur ein Sturz ist, beruhigst du dich. Nach fünf Jahren hat man sich an daran gewöhnt. Man darf sich von der Höhe nicht einschüchtern lassen.“ Ohne Hilfe eines großen Teams ist ein solches Kunststück nicht machbar. Es braucht lange Vorbereitung, kostet viel Arbeit und allein die Logistik ist komplex. Alexander wurde von einem Team aus drei Leuten begleitet, vor Ort in Mexiko kamen weitere drei erfahrene mexikanische Slackliner dazu.

Die Überquerung der Sumidero-Schlucht ist ein Projekt der Regierung von Chiapas, die das Video von Alexanders Weltrekord dafür nutzen will, für den Tourismus zu werben. Chiapas gehört zu den landschaftlich reizvollsten, vielseitigsten und aufregendsten Bundesstaaten Mexikos. Die Sumidero-Schlucht ist mit bis zu 1000 Metern Höhe einer der beeindruckendsten geologischen Brüche in Lateinamerika. Sie beginnt 23 Kilometer südlich von Tuxtla Gutiérrez und endet nach 42 Kilometern am Stausee Chicoasén.

Alexander möchte auf jeden Fall wiederkommen, denn die Sumidero-Schlucht „bietet noch viel mehr”. Die längste Distanz zwischen zwei Seiten der Schlucht beträgt mehr als 2 Kilometer. Das wäre dann auch mit offenen Augen ein neuer Weltrekord. Durch seinen Extremsport hat Alexander viele atemberaubende Landschaften erlebt. Sein bis zu diesem Dienstag schönstes Erlebnis hatte er 2020, als er einen aktiven Vulkan in Vanuatu überquerte. Eine seiner schwierigsten Herausforderungen dagegen war die urbane Highline 2016 in Mexiko-Stadt über dem Paseo de la Reforma – eine „einschneidende Erfahrung“, und zwar wegen dem großen Erfolgsdruck, den er dabei verspürte. Herdis Lüke

Einen Blick in die Videos gibt’s hier!

 

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