Schulen sollen sich auf „die vierte Welle“ vorbereiten!
Der Präsident des RKI, Prof. Dr. Lothar Wieler, hält es für notwendig, die Abstands- und Hygienemaßnahmen einschließlich Maskenpflicht bis ins Frühjahr 2022 beizubehalten. Foto: pixabay
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Schulen sollen sich auf „die vierte Welle“ vorbereiten!

Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministerium rufen gemeinsam die Bundesländer auf, den Sommer zu nutzen, um im Herbst einen verlässlichen Schulbetrieb sicherzustellen. „Die notwendigen Werkzeuge, wie Testen, Impfen, Lüften oder Filteranlagen sind alle da, sie müssen nun in klugen Konzepten umgesetzt und gelebt werden“, erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und ergänzt: „Das sind wir den Jüngsten in unserer Gesellschaft nach diesen harten Monaten der Pandemie schuldig.“

Indessen hat die bayerische Staatsregierung angesichts beständig sinkender Neuinfektionen ihre Corona-Maßnahmen weiter gelockert: Nach den Grundschülern können auch Kinder und Jugendliche an weiterführenden Schulen ihren Mund-Nasen-Schutz am Sitzplatz ablegen, wenn die regionale 7-Tage-Inzidenz unter 25 liegt. Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) empfiehlt zudem einen Corona-Test dreimal statt zweimal pro Woche und hält die Impfung für eine „durchaus lohnenswerte Option“.

Die Schulen sollen im Herbst fit sein für Präsenzunterricht unter Einhaltung der behördlich angeordneten Corona-Maßnahmen. „Ein sicherer Regelbetrieb hat oberste Priorität“,
betont etwa Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD). Erneute
unzumutbare Belastungen für Familien wie im letzten Jahr seien „nicht akzeptabel“. Über die bauliche Ausstattung der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen hinaus sollen die
Bundesländer auch ihre Hygienemaßnahmen und Teststrategien weiterentwickeln. So „sollte allen impfwilligen Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot unterbreitet werden“,
fordert die Politikerin.

Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Hessischer Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), verdeutlicht jedoch, alle Bundesländer nutzten bereits die ihnen zur Verfügung gestellten Instrumente wie Schnelltests, Impfstoffe oder marktreife Luftreinigungsgeräte, um den Unterricht so sicher wie möglich zu gestalten. „Wenn jedoch – wie im letzten Jahr – diese noch nicht verfügbar waren oder – wie in diesem Jahr – Ankündigungen zum Impfen der Kinder und Jugendlichen nicht eingehalten werden konnten, dann sind uns als Kultusminister in gewisser Weise die Hände gebunden.“ Allerdings seien die Schulen
inzwischen wesentlich besser vorbereitet als 2020.

Impfangebot für Schüler
Obschon die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) eine Verimpfung bedingt zugelassener Vakzine ausschließlich bei Kindern ab zwölf Jahren mit speziellen Vorerkrankungen gutheißt, reißen die politischen Forderungen nach einer Massenimpfung Minderjähriger nicht ab. So hat etwa der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) getwittert: „Wenn Kindern Impfstoff angeboten würde, wäre ein erneutes Schuljahr mit Wechselunterricht und Maske vermeidbar. Auf jeden Fall ist die Infektion mit der Delta-Variante für Kinder gefährlicher als die Impfung mit BioNTech.“ Lauterbach fordert die STIKO auf, ihre eingeschränkte Empfehlung zu überdenken, da sie auf alten Varianten gründete. Die „Durchseuchung der Kinder“ mit der Delta-Variante sei zu riskant und Wechselunterricht keine Lösung.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) schließt zwar weiterhin einen Impfzwang in Deutschland aus, formuliert jedoch mit Blick auf die Impfung von Jüngeren, dass dies „unter Abwägung der Risiken und Chancen“ eine „lohnenswerte Option ist“. Söder zufolge sind in Bayern bislang rund elf Millionen Impfungen durchgeführt worden.
Bis zum Beginn der Sommerferien Ende Juli sollen 70 Prozent der Menschen im Freistaat erstgeimpft und bis Ende Juli 50 Prozent zweitgeimpft sein. Bis Ende September sollen 85 Prozent der über 18-Jährigen einen vollständigen Impfschutz haben.

Lockerungen in Bayern
Bayern hat zwischenzeitlich sowohl die Maskenpflicht im Grundschulunterricht ausgesetzt als auch die Regeln für Kultur- und Sportveranstaltungen gelockert. Unter Einhaltung entsprechender Hygienekonzepte sind im Freien statt wie bisher 500 nun bis zu 1 500 Zuschauer erlaubt, von diesen bis zu 200 auf Stehplätzen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern. In Hallen und Theatern sind weiterhin so viele Zuschauer gestattet, wie beim Einhalten des Mindestabstands möglich ist, höchstens aber 1,000. Dies kommt besonders den Amateur-
Fußballvereinen entgegen, die diesen Öffnungsschritt eingefordert haben.

Damit der Corona-Schutz an bayerischen Schulen bis zum Herbst mit Luftreinigungsgeräten verstärkt werden kann, erhalten die Kommunen vom Freistaat 50 Prozent der
Anschaffungskosten erstattet. Rund 14.000 Klassenzimmer und zirka 1 000 Kitas sollen solcherweise ausgebaut werden. Die von der Staatsregierung in der Vergangenheit
für technische Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften an Schulen bereitgestellten 37 Millionen Euro sind inzwischen nahezu vollständig aufgebraucht.

Impfangebot für Studenten
Konkrete Impfangebote unterbreitet der Freistaat zunächst Studentinnen und Studenten. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) hält zielgerichtete Impfaktionen für ein
probates Mittel, Präsenzveranstaltungen in Hochschulen zur Regel werden zu lassen. „Unsere Hochschulen sind Orte der Kommunikation, des unmittelbaren Austausches und Miteinanders. Wir werden ermöglichen, was verantwortbar ist. Der Impffortschritt hilft dabei. Ich bin stolz auf die Impfbereitschaft der jungen Menschen, denn sie leisten damit insgesamt auch einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen das Virus und für den Schutz der gesamten Bevölkerung“, erklärt Sibler.

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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Corona-Krise: Große Debatte um Massenimpfung Minderjähriger

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