Tod durch Ertrinken: So vermeiden Sie Badeunfälle!
Immer einsatzbereit: DLRG-Rettungsschwimmer im Waldbad Waldkraiburg. Foto: DLRG

Tod durch Ertrinken: So vermeiden Sie Badeunfälle!

Kaum ist strahlendes Badewetter, häufen sich die Badeunfälle: In diesem Jahr gab es in Oberbayern schon neun „Ertrinkungstote“. Acht davon in den letzten zehn Tagen! So ertranken am 19. April ein 28-Jähriger in Bach bei Bischofswiesen, dann am 3. Juni ein 20-Jähriger im Auensee bei Königsbrunn und ein 29-Jähriger im Weitsee, Landkreis Rosenheim. Tags darauf verstarben ein 19-Jähriger in der Germeringer See, ein 26-Jähriger im Weiher bei Großmehring und ein 27-Jähriger im Staffelsee. Tödlich endeten zuletzt am 7. Juni die Badeausflüge für einen 34-Jährigen in Ampfing, einen 49-Jährigen im Schliersee und einen 60-Jährigen im Baggersee bei Ingolstadt. Allzu Kühnen rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Nachdruck, bei hohen Temperaturen kühlen Kopf zu bewahren.

„Sonnenschein erzeugt Wohlbefinden und sorgt für gute Stimmung“, weiß DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje. Doch zu viel davon kann ins Gegenteil umschlagen: „Leichtsinn und Selbstüberschätzung können im Wasser fatale Folgen haben und lebensgefährlich sein“, warnt er.

Die „Ertrinkungsstatistik“ der DLRG verzeichnet für das letzte Jahr 392 in deutschen Gewässern ertrunkene Menschen. Männer sind nach wie vor deutlich stärker vom Ertrinken bedroht als Frauen: 20 Prozent der Opfer waren Frauen, 80 Prozent Männer. Die meisten Menschen ertranken 2014 in Bayern (79), Baden-Württemberg (52), Nordrhein-Westfalen (49) und Niedersachsen (47). Über die Hälfte aller Todesfälle ereignete sich in den Sommermonaten Juni, Juli und August. Die Dramatik zeigen zwei aktuelle Badeunfälle.

Ein 49-jähriger Aiblinger unternahm letzten Sonntag, 7. Juni, auf dem Schliersee mit seiner Frau und seiner Tochter einen Bootsausflug. Gegen 12.30 Uhr sprang er etwa 200 Meter südlich der Insel Wörth in den See, ohne wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen. Die Unfallursache blieb unklar, da er nicht geborgen werden konnte. Nur eine halbe Stunde nach diesem tödlichen Vorfall ertrank ein 34-jähriger aus Waldkraiburg im Naturbad „Grüne Lagune“ in Ampfing. Er war von einem Steg ins Wasser gesprungen, noch aufgetaucht aber unbemerkt wieder untergegangen. Erst einige Minuten später bemerkte ein Badegast den leblosen Körper und zog ihn aus dem Wasser. Ein zufällig anwesender Arzt begann sofort mit Reanimationsmaßnahmen. Ohne Erfolg. Ursächlich für das Ertrinken dürfte aus Sicht der Kriminalpolizei Traunstein ein Krampfanfall gewesen sein.

Damit der Badeausflug ein Vergnügen bleibt, gibt die DLRG Tipps. blick fasst sie zusammen:

  • Ein langes Sonnenbad belastet den Kreislauf: Wer zu viel Sonne tankt, riskiert einen „Sonnenstich“ oder Hitzschlag. Badegäste sollten regelmäßig in ausreichender Menge nicht-alkoholische Getränke zu sich nehmen.
  • Kleinkinder sind besonders vor der Sonne zu schützen und stets im Schatten zu halten: Sonnenschirm und Mütze sowie leichte Bekleidung mit Schutz der Arme und Beine gegen Sonnenbrand sollten selbstverständlich sein.
  • Beim Auftreten von Unwohlsein, Übelkeit, Schwindelgefühl oder erhöhter Körpertemperatur soll man sich sofort an die Rettungsschwimmer vor Ort wenden. An unbewachten Badestellen ist die Notrufnummer 112 anzuwählen.
  • Nach einem Sonnenbad sollte man sich zunächst abkühlen, bevor man sich langsam ins kühle Naß begibt: Große und plötzliche Temperaturunterschiede überfordern den menschlichen Körper.
  • Menschen jenseits der 50 sind besonders häufig vom Ertrinken bedroht: Rund die Hälfte aller Ertrinkungsopfer im vergangenen Jahr war älter als 50 Jahre. Ein vorgeschädigtes Herz-Kreislauf-System kann in Verbindung mit einer Überbelastung beim Schwimmen zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Überanstrengungen also vermeiden und nicht alleine weit schwimmen. Untrainierten älteren Menschen, die sich sportlich betätigen wollen, empfiehlt die DLRG vorsorglich einen Gesundheitscheck.
  • Sonnenhungrige sollten nur an bewachten Badestellen oder in Freibädern schwimmen: Das Baden in Seen und Badeweihern ist in Bayern in der Regel zwar ohne Bedenken möglich. Vorsicht geboten ist jedoch an Stellen mit Zuflüssen oder unnatürlich großen Wasservogelansammlungen. Badeverbote sollten im eigenen Interesse unbedingt beachtet werden. Ein „sportlicher“ Kopfsprung in ein unbekanntes Gewässer kann lebensgefährlich sein. Und bei Gewitter ist das Wasser unbedingt zu verlassen!
  • Bayerische Flüsse sind häufig aufgrund von Abschwemmungen aus der Landwirtschaft verunreinigt, sodass hier das Baden auf eigene Gefahr stattfindet – auch im Inn. Tim Horenkamp, Technischer Leiter Einsatz im DLRG-Kreisverband Mühldorf, betont: „Beim Baden im Inn besteht aufgrund der starken Strömung, der Strudel, Steine und des unebenen Untergrunds Lebensgefahr.“ Sowohl das Befahren des Innkanals als auch das Schwimmen in ihm ist wegen der akuten Lebensgefahr verboten.

Schließlich ist das Gefahrenbewusstsein entscheidend. Ralf Waidmann, Technischer Leiter Ausbildung im DLRG-Kreisverband Mühldorf, rät Bürgern, sich bei der DLRG zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen: „Die Kurse vermitteln das Bewusstsein für Gefahren, die Fertigkeiten zum Helfen und stehen auch Nichtmitgliedern offen.“ Weitere Information ist online abrufbar unter dlrg.de.

Olaf Konstantin Krueger

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