„Wir sind tief betroffen – bitte verurteilt uns nicht pauschal“
Sunday, Marcus, Ehiabhi, George und Frank: "Wir suchen hier Schutz und ein besseres Leben und finden es schrecklich, wenn Menschen hier solche Dinge tun." Foto: Caritas

„Wir sind tief betroffen – bitte verurteilt uns nicht pauschal“

Asylbewerber aus Stadt und Landkreis Rosenheim nehmen Stellung zu den Vorfällen von Köln.

Die Ereignisse von Köln haben uns als Deutsche sehr betroffen gemacht. Jedoch nicht nur uns als Deutsche.  Die Asylsozialberater der Caritas in Stadt und Landkreis Rosenheim haben auch bei den Asylbewerbern eine große Betroffenheit gespürt, viel darüber diskutiert und einen Teil dieser Diskussionen festgehalten.

Einige Asylbewerber haben in Deutsch ihr Statement geschrieben und dazu Unterschriften gesammelt. Weitgehend männliche Flüchtlinge werden in den Unterkünften beraten. Sie wollen sich ganz klar von den Männern abgrenzen, die das in Köln getan haben.

„Was in Köln passiert ist, ist absolut kriminell und nicht zu rechtfertigen“, hier sind sich Sunday, Marcus, Ehiabhi, George und Frank aus Nigeria einig. „In unserem Land passieren viele kriminelle Dinge, genau davor sind wir geflohen. Wir suchen hier Schutz und ein besseres Leben und finden es schrecklich, wenn Menschen hier solche Dinge tun. Was in Köln passiert ist, ist nirgends auf der Welt zu akzeptieren – egal wann und wo. Auch in unserem Land ist das eine Straftat. Frauen müssen überall respektvoll behandelt und geschätzt werden“. Ehiabhi erläutert, dass Männer respektlos mit Frauen umgehen, sieht man leider überall auf der Welt… auch auf dem Oktoberfest habe er das beobachtet.

Der Alltag einiger Asylbewerber hat sich seit den Ereignissen spürbar verändert, so erzählen sie. „Für uns ist es derzeit wie ein Stigma – wir werden als Afrikaner klassifiziert und sind für manche Leute genau wie DIE. Afrika ist so groß und wir haben so unterschiedliche Religionen und Kulturen. In unserem Land geht man sehr offen auf fremde Menschen zu – wir wollen auch hier freundlich sein und grüßen, merken aber, dass die Leute uns mit Abstand begegnen“, so erzählen die nigerianischen Männer weiter.

„Manche wollen sich nicht neben uns im Zug setzten, sondern stehen lieber. Auch wenn ich jetzt ‚Servus‘ sage, schauen die Leute nun einfach weg ohne meinen Gruß zu erwidern“, erzählt Desteny der in einem kleinen Dorf im Landkreis lebt.

„Als ich zur Schule fuhr, merkte ich dass im Bus ein Mädchen zu uns rüber schaute und verärgert mit ihrer Freundin über uns sprach. Auch wenn ich nicht alle Worte verstehe, so spüre ich, dass es nichts Gutes war. Ich konnte mich im Unterricht gar nicht mehr konzentrieren“, sagt Frank. „Auch haben sich manche Menschen von uns zurück gezogen, melden sich nicht mehr, kommen nicht mehr zu Besuch.“

„Wir sind traurig, wenn wir wie Kriminelle gesehen werden und haben auch Angst. Angst davor, was die Menschen nun über uns denken und wie wir behandelt werden können.  Deutschland hat uns aufgenommen und wir sind dankbar dafür“, so Ali, Ahmed, Muhammed und Qamar aus Pakistan. „Wir möchten Deutsch lernen, Freundschaften schließen und Arbeit finden – auch unsere Dankbarkeit zeigen.“

Desteny zitiert hier ein Sprichwort aus seinem Land Nigeria „Wenn Du etwas Besonderes willst, dann tu etwas Besonderes“. „Wir wollen ein besseres und sicheres Leben – und wir möchten genau so unseren Beitrag dazu leisten. Dazu gehört natürlich auch die Regeln des Landes zu respektieren und erlernen, das ist selbstverständlich. Wir denken, es ist wichtig zu sehen, dass jeder Mensch einzigartig ist. Wir sind nicht wie DIE in Köln. Aber wenn mich jemand nicht kennt, wie kann er über mich urteilen, meint Anthony. Deshalb wäre es schön, wenn wir uns füreinander interessieren und uns kennen lernen – vieles kann dann anders werden.“

Die vier Männer aus Pakistan wissen ihr Glück zu schätzen. „Wir sind hier an einem guten Ort, haben tolle Helfer, die uns besuchen und uns unterstützen. Einige von uns haben durch sie auch Arbeit gefunden, es geht uns gut. Da wir hier so positiv eingebunden sind, haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht, auch nicht seit das in Köln passiert ist.“

Sie alle würden sich wünschen, dass die Deutschen in ihrer Umgebung differenzieren und mit den konkreten Menschen in Kontakt treten, um ihn kennenzulernen. Dann haben pauschale Ressentiments und Vorurteile und unbegründete Ängste keinen Platz mehr.

Lesen Sie hier folgende Artikel:

Selbstverteidigungswaffen sind gefährlich

Bad Aibling: Integration spielend leicht

Aufruf an die Arbeitgeber im Mangfalltal: Neubürger in den Arbeitsmarkt integrieren

“WG gesucht – Heimat gefunden”

So werden Sie „Asylpate“

Asyl im Landkreis: Das müssen Sie wissen!

Aktuelle Ausgaben

Rosenheim

Rosenheim

Wasserburg

Wasserburg

Inntal

Inntal

Mangfalltal

Mangfalltal

Inn-Salzach

Inn-Salzach

Mühldorfer Wochenblatt

Muehldorfer Wochenblatt

Freizeit Spezial

Freizeit Spezial