Wenn aus einem Familienbetrieb eine Erfolgsgeschichte über Generationen hinweg wird, steckt mehr dahinter als Maschinen, Zahlen und Aufträge. Bei Baumaschinen Riedl GmbH in Ramerberg tragen heute Kathrin Riedl und Gaby Reich gemeinsam Verantwortung für das Unternehmen, das ihre Eltern aufgebaut haben. Im Gespräch mit Marion Kellner erzählen die Schwestern von ihren Wurzeln und dem Alltag im Familienbetrieb.
Erinnern Sie sich noch daran, welche Rolle das Unternehmen in Ihrer Kindheit gespielt hat?
Kathrin Riedl: Unsere Firma war für uns wie ein zweites Zuhause. Wir sind praktisch im Betrieb aufgewachsen und waren schon als kleine Kinder ständig mit unseren Eltern unterwegs. Für uns war das Firmengelände ein riesiger Abenteuerspielplatz. Unser Vater hat uns sehr früh gezeigt, wie man
einen Bagger oder Stapler bedient.
Gaby Reich: Wir waren oft bei Kundengesprächen dabei und haben sehr früh kleinere Aufgaben übernommen. Die Arbeit hat uns einfach Spaß gemacht.
Kathrin Riedl: Viele unserer langjährigen Kunden kennen uns tatsächlich noch aus Kindertagen. Sie haben miterlebt, wie wir im Unternehmen groß geworden sind. Das schafft natürlich eine besondere Verbundenheit.
Kathrin Riedl: Unser Vater hat oft scherzhaft gesagt: „An Kathrin ist ein Junge verloren gegangen.“ Rückblickend war diese Zeit eine Vorbereitung auf das, was später kam.
War für Sie also schon früh klar, dass Sie eines Tages im Familienbetrieb mitarbeiten würden?
Kathrin Riedl: Mein Weg ins Familienunternehmen entwickelte sich Schritt für Schritt. Nach meiner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau war ich wochentags bereits im Büro unseres Unternehmens tätig und habe am Samstag weiterhin in meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet. Als meine Eltern zunehmend Unterstützung benötigten, fiel die Entscheidung leicht, vollständig einzusteigen.
Gaby Reich: Ich habe zunächst eine Ausbildung zur Arzthelferin gemacht. Schon während dieser Zeit habe ich mich mit meinem Vater zusammengesetzt und besprochen, dass ich in den Familienbetrieb einsteigen werde. Parallel dazu habe ich dann zeitweise nebenbei als Arzthelferin gearbeitet.
Welche Veränderungen haben Sie in den vergangenen Jahren geprägt?
Kathrin Riedl: Unsere Eltern haben das Unternehmen 1981 aufgebaut und es über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Heute sind wir im Bereich der Vermietung von Baumaschinen und Baugeräten, dem Handel mit Baumaschinen sowie neuen und gebrauchten Nutzfahrzeugen und Transportdienstleistungen tätig. Wir agieren dabei nicht nur in der Region, sondern deutschlandweit, im Handel mit Baugeräten, Gerüsten, Schalungen, Maschinen und Fahrzeugen sogar europaweit. Mit diesem Wachstum haben sich auch die Anforderungen verändert, insbesondere im Bereich Logistik, die durch immer größere LKWs deutlich komplexer geworden ist.
Irgendwann war klar, dass der bestehende Standort an seine Grenzen stößt. Daher wurde ein Standortwechsel innerhalb der Gemeinde Ramerberg notwendig. Dieser Prozess hat uns über einen langen Zeitraum begleitet, mit intensiver Standortsuche und vielen organisatorischen Hürden. 2021 konnten wir schließlich den Umzug realisieren. Heute sind wir sehr froh über den neuen Standort direkt an der B15, der optimale Bedingungen für unsere täglichen Abläufe bietet und dem Wachstum des Unternehmens besser gerecht wird.
Mit dem Einstieg der dritten Generation ist das Unternehmen ganz aktuell gewachsen.
Gaby Reich: Darauf bin ich als Mutter sehr stolz. Mein Sohn David ist seit Kurzem Teil unseres Familienbetriebs. Er hat schon früh seinen eigenen Weg konsequent verfolgt und seinen Meister als Land- und Baumaschinenmechatroniker gemacht – und das als jüngster in seiner Abschlussklasse. Seit Januar leitet er unsere Werkstatt für Maschinen und Nutzfahrzeuge. Dort werden nicht nur alle eigenen Einheiten gewartet und repariert sowie sämtliche Übergabe-Services, UVV-, SP- und TÜV-Untersuchungen durchgeführt, sondern auch alle Arbeiten an Kundenfahrzeugen und Maschinen ausgeführt.
Früher galt die Baubranche als Männerdomäne. Heute führen Sie das Unternehmen. Was macht diese Konstellation besonders aus?
Kathrin Riedl: Für uns ist es ein großer Vorteil, dass wir als Schwestern so eng zusammenarbeiten. Wir haben ein sehr großes gegenseitiges Vertrauen und können Themen direkt und offen besprechen. Früher war die Branche sicher stärker männlich geprägt, aber das spielt für uns heute keine Rolle mehr. Wir sind gut etabliert, und am Ende zählt vor allem die Qualität der Arbeit und Verlässlichkeit gegenüber unseren Kunden.
Gaby Reich: Was ich besonders schätze, ist, dass trotz aller Verantwortung vieles in der Familie bleibt. Unsere Eltern sind zwar nicht mehr so viel tätig im täglichem Geschäft, aber sie sind weiterhin mit vollem Herzen dabei und springen jederzeit ein, wenn Hilfe gebraucht wird. Unser Vater führt noch jede Woche eine Fernverkehrstour zur Abholung oder Auslieferung von neuen Nutzfahrzeugen oder Baumaschinen durch und unsere Mutter war schon immer die helfende Hand in allen Breichen. Früher vor allem auch bei der Kinderbetreuung. Wir haben beide jeweils zwei Kinder, und ohne diese familiäre Unterstützung wäre vieles so nicht möglich gewesen. Genau das macht für uns den Familienbetrieb aus: Man trägt Verantwortung gemeinsam – beruflich wie privat – und kann sich aufeinander verlassen.
Wenn das Telefon mal nicht klingelt und der Betrieb im Hintergrund läuft, wie sieht Ihr Wochenende aus?
Kathrin Riedl: Am Wochenende versuche ich bewusst Zeit mit meinen beiden Töchtern zu verbringen. Wir machen gerne Ausflüge, oft in die Berge, oder treffen Freunde. Außerdem ist mir das Gemeindeleben sehr wichtig. Ich nehme regelmäßig an den Gemeinderatssitzungen teil, weil ich einfach wissen möchte, was vor Ort passiert und welche Themen die Gemeinde bewegen.
Gaby Reich: Bei mir ist das Wochenende eher ruhig und familiär. Ich genieße die Zeit zu Hause mit meiner Familie und wenn es die Zeit zulässt, lese ich auch gerne ein gutes Buch. Das ist für mich ein schöner Ausgleich zum Arbeitsalltag.
Hier wird angepackt, mit spürbarer Frauenpower. Ein herzliches Dankeschön für das offene Gespräch!
Marion Kellner
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