Bayerische Alpen: Die Belastungsgrenze ist überschritten!
Foto: Rainer Nitzsche
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Bayerische Alpen: Die Belastungsgrenze ist überschritten!

Mögliche Lösung: Lenkung der Besucherströme im Alpenraum!

Bayern ist Tourismusland Nummer 1 in Deutschland und Millionen Tagesgäste und Touristen besuchen jährlich die bayerischen Alpen. Doch in einigen Ausflugszielen ist die Belastungsgrenze durch den Ausflugs- und Freizeitverkehr aus den Ballungsräumen überschritten. Dem will das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie mit einem Maßnahmenbündel begegnen und beispielsweise über Modellprojekte die digitale Transformation der Tourismusbranche voranbringen.

So informiert etwa die „Arbeitsgruppe Besucherlenkung“ Tagesgäste und Urlauber über weniger frequentierte Ausflugsziele. Die Plattform ausflugsticker. bayern benennt Alternativen bayernweit, der Ausflugsticker der Tourismusregion Inn-Salzach gibt Tipps für die Ferienregion bis zur deutsch-österreichischen Grenze. Der Landkreis Rosenheim folgt indes einem Modellprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und schafft eine eigene Stelle für die Gebietsbetreuung.

Der oberbayerische Alpenraum zeichnet sich durch vielfältige Landschaften und Lebensräume aus: Buckelwiesen, Kesselmoore, Wildbäche, Weidelandschaften, Bergwälder und Almen bieten Lebensraum für zahlreiche charakteristische Pflanzen- und Tierarten. Das macht den Raum zum attraktiven Ausflugsziel sowohl für die heimische Bevölkerung als auch für Tagesgäste und Touristen.

Doch überbordende Besucherströme gefährden den Naturraum, stören das sensible Ökosystem. Die Corona-Krise hat die seit Jahren hohe Besucherzahl sogar gesteigert. Selbst abgelegene Areale werden inzwischen frequentiert. Überdies haben sich die Freizeitaktivitäten verändert: E-Biking, Ski- und Schneetouring, Biwakieren und Campen trenden. Dadurch nehmen die Störungen auch in den besonders schützenswerten Bereichen zu. Der BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) sieht die Belastungsgrenze für den bayerischen Alpentourismus schon überschritten. Mögliche Lösung: Besucherlenkung.

StMWi: „Tourismusoffensive Bayern“
Das vom stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (Freie Wähler) geführte Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) setzt nun auf eine „Neue Tourismusoffensive Bayern“ und propagiert nachhaltigen, insbesondere wirtschaftlichen, naturverträglichen und barrierefreien Qualitätstourismus. Unter dem Motto „Tourismus in Bayern – im Einklang mit Mensch und Natur“ folgt das StMWi einem Maßnahmenpaket mit zehn Themenschwerpunkten: Das Paket baut auf digitalen Tourismusdienste, modernes Tourismusmarketing, Investitionen in touristische Leuchttürme, Fördermaßnahmen der LfA Förderbank Bayern für Tourismusunternehmen, Gesundheits- tourismus mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI), geprüfte und dokumentierte Barrierefreiheit sowie eine konsolidierte Tourismuspolitik unter dem Leitbild „Tourismus im Einklang mit Mensch und Natur“.

Beispiel für digitale Transformation: Die Kompetenzstelle Digitalisierung der Bayern Tourismus Marketing GmbH (BayTM) führt IT-Lösungen in einer öffentlich zugänglichen Cloud-Lösung zusammen, um über Apps in Echtzeit die Auslastung von Sehenswürdigkeiten verfügbar zu machen sowie lokale Veranstaltungskalender, Schneeberichte oder Wetterdaten anzuzeigen. Neben der abgestimmten Aufklärung der Tagesgäste und Urlauber soll der Einsatz digitaler Methoden der Besucherlenkung dienen. So sind online über den „Ausflugsticker Bayern“ aktuelle Meldungen zur Auslastung von Ausflugszielen und Vorschläge für Alternativen abrufbar. Das Pendant in der Tourismusregion Inn-Salzach gibt zudem Empfehlungen für einen dem Infektionsschutz angepassten Urlaub.

StMUV: Gebietsbetreuung
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) setzt wiederum auf den Ausbau des Netzes an Gebietsbetreuern über das „Modellprojekt Besucherlenkung in den bayerischen Alpen“. Derzeit werden insgesamt 57 besonders schützenswerte Gebiete in Bayern betreut, in Oberbayern 16. Dies sind: Achental, Ampertal, Chiemsee, Eggstätt Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen, Heideflächen und Lohwälder nördlich von München, Isar-Loisach-Moore, Lechtal, Mangfallgebirge, Moore und Isar im Tölzer Land, Steinabbau im südlichen Frankenjura, Obere Isar und Karwendel, Beweidung im Landkreis Eichstätt, Ramsargebiet Ammersee, Starnberger See und Umland, Werdenfelser Land und Staf-
felseeraum sowie Wiesenbrüter im Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm.

Bayerischer Naturschutzfonds fördert Gebietsbetreuerstellen
Mit rund einer Million Euro fördert der Bayerische Naturschutzfonds nun auch fünf Gebietsbetreuerstellen verteilt auf die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein, Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen.
Träger der neuen Stellen sind die Landkreise, das Fördervolumen im Zeitraum 2021 bis 2024 beträgt rund 8,9 Millionen Euro. „Die besonders sensiblen Bereiche müssen geschützt bleiben“, betont Staatsminister Thorsten Glauber, MdL (Freie Wähler). Und Ansprechpartner vor Ort seien „ein wesentlicher Schlüssel“, um Besuchern ein nachhaltiges Naturerlebnis zu ermöglichen.

Im Landkreis Rosenheim haben inzwischen Umweltausschuss und Kreisausschuss die Verwaltung damit beauftragt, die Gebietsbetreuerstelle zu schaffen und die Mittel im Haushalt bereitzustellen. Das Projekt läuft vom 1. April 2021 bis zum 31. März 2024. Die Kosten betragen rund 242 000 Euro, von denen der Naturschutzfonds 75 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt. Das Landratsamt nennt als Aufgabe, „wieder ein harmonisches Miteinander zu etablieren“. Dazu sollen etwa geeignete Maßnahmen zur Besucherlenkung erarbeitet, die Kommunen bei der Erstellung naturverträglicher Wegekonzepte unterstützt, Artvorkommen und störungssensible Gebiete ermittelt sowie ein Betreuersystem aufgebaut werden.

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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