Brenner-Nordzulauf: Inn-Unterquerung wird teuer – Rosenheim besteht auf Untertunnelung
Nahmen die Ergebnisse der Untersuchung der Deutschen Bahn zur Inn-Unterquerung auf der 15. Sitzung des Regionalen Projektbeirats Brenner-Nordzulauf zur Kenntnis: Dr. Andreas Lenz, MdB, und Daniela Ludwig, MdB. Foto: Jette Grabow
Prosepkt Box

Brenner-Nordzulauf: Inn-Unterquerung wird teuer – Rosenheim besteht auf Untertunnelung

Rosenheim — Die Unterquerung des Inns nördlich von Rosenheim ist hoch­kom­plex, risiko­be­haf­tet und teuer, aber tech­nisch mach­bar: Ei­ner Un­ter­su­chung der Deutschen Bahn zu­fol­ge ent­stün­den durch auf­wen­di­ge Bau­wer­ke bei Ostermünchen Mehr­kos­ten von rund drei Mil­liar­den Euro. Den­noch blei­ben Rosenheims Land­rat Otto Lederer, Rosenheims Ober­bür­ger­meis­ter Andreas März und Rosenheims Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Daniela Ludwig (alle CSU) bei ih­rer For­de­rung nach einer Inn-Un­ter­que­rung. Für Ludwig ist eine ober­ir­di­sche Tras­sen­füh­rung schlicht „nicht ak­zep­ta­bel“, März ver­misst die Prü­fung der Ver­la­ge­rung der Ver­knüp­fungs­stel­le und Lederer sieht zahl­rei­che Bür­ger des Land­krei­ses, sen­sib­le Na­tur­räu­me und land­wirt­schaft­li­che Exis­ten­zen be­trof­fen. Die „Bür­ger­ini­tia­ti­ve Bür­ger­in­ter­es­sen Rohrdorf“ de­mon­striert in­des für den Aus­bau der Bestandsstrecke.

„Aufgrund des durch den Gesetzgeber bestimmten Rahmens be­steht für die DB kei­ne Mög­lich­keit, die Inn-Un­ter­que­rung wei­ter zu pla­nen“, ver­deut­licht Ge­samt­pro­jekt­lei­ter Matthias Neumaier bei der Vor­stel­lung der Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se der Deutschen Bahn auf der 15. Sit­zung des Re­gio­na­len Pro­jekt­bei­rats Brenner-Nordzulauf. Da die ober­ir­di­sche Que­rung des Inns im Ver­gleich zur Un­ter­tun­ne­lung ei­ne „wirt­schaft­li­che­re Varian­te mit we­ni­ger Ri­si­ken“ sei, soll die­se Va­rian­te in der lau­fen­den Vor­pla­nung op­ti­miert wer­den. Nach Ab­schluss der Vor­pla­nung er­fol­ge die par­la­men­ta­ri­sche Be­fas­sung, in wel­cher der Deutsche Bun­des­tag neben der Vor­zugs­tras­se auch Kern­for­de­run­gen der Region be­fas­sen wür­de. „In die­sem Rah­men ha­ben die Kom­mu­nen und Land­krei­se die Mög­lich­keit, die Inn-Un­ter­que­rung als ei­ne Kern­for­de­rung in den Deutschen Bun­des­tag ein­zu­brin­gen“, legt Neumaier dar. Über das wei­te­re Vor­ge­hen und ei­ne mög­li­che Fi­nan­zie­rung ent­schie­den dann die Mit­glie­der des Deutschen Bundestags.

Neumaier zufolge hat das Planungsteam bei der Prüfung der Inn-Unterquerung ver­schie­de­ne klein­räu­mi­ge Va­rian­ten mo­del­liert. Da das Ge­län­de nach Norden an­stei­ge, sei die be­son­de­re bau­li­che Heraus­for­de­rung, die Strecke nach der Inn-Un­ter­que­rung wie­der auf­tau­chen zu las­sen, wo­für rund 14 Ki­lo­me­ter zu­sätz­li­cher Tun­nel er­for­der­lich wä­ren. „Kom­bi­niert mit der von der DB ohne­hin vor­ge­se­he­nen Tun­nel­füh­rung im Be­reich Stephanskirchen er­gä­be sich ein durch­gän­gi­ger Tun­nel mit ei­ner Län­ge zwi­schen 19,4 und 34,3 Ki­lo­me­ter“, kal­ku­liert Neumaier. Über­dies müss­te die be­ste­hen­de Strecke nahe Ostermünchen auf 1,5 Ki­lo­me­tern Länge in einen Tunnel ver­legt und der Bahn­hof Ostermünchen in zirka 16 Me­tern Tiefe neu er­rich­tet wer­den, da ein Bei­be­halt des Bahn­hofs an sei­ner heu­ti­gen Po­si­tion mit ei­ner Un­ter­que­rung des Inns nicht mög­lich sei. Da­mit ver­län­ger­te sich die Bau­zeit um bis zu drei Jahre und der Bau ver­ur­sach­te Mehr­kos­ten in Höhe von rund drei Mil­liar­den Euro. Zu den Ri­si­ken zähl­ten geo­lo­gi­sche, fi­nan­ziel­le und be­hörd­li­che. Nichts­des­to­we­ni­ger scheine die tech­ni­sche Mach­bar­keit nach ak­tu­el­lem Stand gegeben.

Untertunnelung bleibt Kernforderung

Rosenheims Landrat Otto Lederer (CSU) zeigt sich ob die­ser Er­geb­nis­se „sehr ent­täuscht“: „Die Kos­ten al­lein soll­ten al­ler­dings nicht der aus­schlag­ge­ben­de Punkt sein, da von ei­ner ober­ir­di­schen Trasse zahl­rei­che Bür­ger des Land­krei­ses, sen­sib­le Na­tur­räu­me und land­wirt­schaft­li­che Exis­ten­zen mas­siv be­trof­fen wä­ren.“ Lederer sieht wich­ti­ge Punkte un­be­rück­sich­tigt: Ob­schon der Brenner-Nordzulauf als Ganzes ge­prüft wer­den soll­te, ende die Be­trach­tung der Un­ter­que­rung an der Land­kreis­gren­ze. Eben­so sei eine Ver­le­gung der Verk­nüp­fungs­stel­le bei Ostermünchen in Rich­tung Nord­wes­ten zu un­ter­su­chen. „Die­se Un­ter­su­chung for­de­re ich seit Jah­ren und ist Be­stand­teil der Re­so­lu­tion des Rosenheimer Kreis­ta­ges so­wie der be­trof­fe­nen Kom­mu­nen.“ Da der Land­kreis Rosenheim auf­grund sei­ner To­po­gra­fie, Sied­lungs­dich­te, Na­tur, Land­wirt­schaft, des Tou­ris­mus und der vor­han­de­nen In­fra­struk­tur be­son­ders an­spruchs­voll und emp­find­lich sei, sieht Lederer „kei­nen Spiel­raum für ei­ne ver­träg­li­che ober­ir­di­sche Neu­bau­tras­se“. Im Ver­gleich zum Tun­nel­an­teil auf Tiroler Seite müs­se die DB auf deut­scher Seite „zwin­gend nach­bes­sern und ei­ne Op­ti­mie­rung der Que­rung vor­neh­men, da­mit dies tech­nisch und fi­nan­ziell mach­bar ist.“

Den Aspekt der technischen Machbarkeit einer Untertunnelung be­tont auch Rosenheims Ober­bür­ger­meis­ter Andreas März (CSU). Mit einer Ver­knüp­fungs­stelle wei­ter nörd­lich von Ostermünchen seien die von der DB ein­ge­brach­ten Tun­nel­lö­sun­gen und Schie­nen­ver­tie­fun­gen ob­so­let. Ent­ge­gen der Re­so­lu­tion des Stadt­ra­tes vom 30. Ju­ni 2021 sei die Ver­la­ge­rung der Ver­knüp­fungs­stel­le als Voraus­set­zung für ei­ne ein­fa­che­re Tras­sen­füh­rung samt Un­ter­tun­ne­lung des Inns nicht ge­prüft wor­den. Da­her wer­de die Un­ter­tun­ne­lung bei den Be­ra­tun­gen im Bun­des­tag 2025 Kern­for­de­rung sein.

Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) kon­sta­tiert, die Er­geb­nis­se seien „keine gu­ten Nach­rich­ten für un­se­re Region und für mich auch in dieser Form nicht ak­zep­ta­bel. Wir blei­ben da­bei: Der Brenner-Nordzulauf muss so­weit wie mög­lich un­ter­ir­disch ver­lau­fen.“ Der Schutz von Mensch und Natur müs­se oberste Prio­ri­tät ha­ben, „gründ­li­che Nach­ar­bei­ten und Ver­bes­se­run­gen“ seien an­ge­sagt. So kön­ne Ludwig we­der die Höhe der Mehr­kos­ten für eine Inn-Un­ter­que­rung, noch die Ver­le­gung des Bahn­hofs Ostermünchen nach­voll­zie­hen. Wie Lederer be­tont Ludwig: „Beim Brenner-Nordzulauf im Tiroler Unterinntal wird der Inn drei­mal ge­quert – da­von zwei­mal un­ter­ir­disch. Was in Tirol mög­lich ist, muss auch bei uns mög­lich sein.“

„Wachrüttel-Demo“ in Lauterbach

Die „Bürgerinitiative Bürgerinteressen Rohrdorf (BIB Rohrdorf)“ ver­an­stal­tet am Tag der Deut­schen Ein­heit, 3. Ok­to­ber, von 10 Uhr bis 11.30 Uhr in Lauterbach, Rosenheimer Land­kreis­ge­mein­de Rohrdorf, ei­ne „Wachrüttel-Demo“, zu der sie Bürger und Po­li­ti­ker aus den Land­krei­sen Rosenheim und Ebersberg ein­lädt. Die BIB Rohrdorf wird un­ter an­de­rem vom „Brenner­dia­log Rosenheimer Land e. V.“ und vom „Bür­ger­fo­rum Inntal e. V.“ un­ter­stützt. De­mon­striert wird für den so­for­ti­gen Aus­bau der Be­stands­stre­cke mit Lärm­schutz nach Neu­bau­stan­dards und ge­gen den Neu­bau ei­ner Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cke. Ge­plant sind zwei fach­li­che Kurz­vor­trä­ge zu den ge­sell­schaft­li­chen, fi­nan­ziel­len und öko­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen der Neu­bau­stre­cke. Re­fe­ren­ten sind der Ver­kehrs­ex­per­te Prof. Dr. Roland Feindor, lang­jäh­ri­ger Dekan der Fa­kul­tät für In­for­ma­tik der Hoch­schule Rosenheim so­wie Mit­ini­tia­tor und lang­jäh­ri­ges Vor­stands­mit­glied der „Rosenheimer Ini­tia­ti­ve zur För­de­rung der In­for­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­tions­tech­nik (ROSIK) e. V.“, so­wie Rainer Auer, 1. Vor­sit­zen­der der Rosenheimer Kreis­grup­pe des „BUND Na­tur­schutz in Bayern e. V. (BN)“ und ehe­ma­li­ger Bür­ger­meis­ter von Stephanskirchen. Mehr In­for­ma­tion ist online ab­ruf­bar un­ter www.b-i-b-rohrdorf.de.

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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