Gutachten soll Lärmbelastung der A 94 ergründen: Mahnfeuer für Schallschutz
A94 nahe Dorfen vor der Eröffnung. Foto: Olaf Konstantin Krueger
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Gutachten soll Lärmbelastung der A 94 ergründen: Mahnfeuer für Schallschutz

Dorfen – Die Anwohner sind aufgebracht: Seit der Eröffnung die Isentalautobahn A 94 Anfang Oktober ist die Lärmbelastung für sie unerträglich. Selbst der Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags fordert nun ein Lärmgutachten für den 33 Kilometer langen Autobahnabschnitt zwischen Pastetten im Landkreis Erding und Heldenstein im Landkreis Mühldorf am Inn. Die Staatsregierung soll gemäß einem einstimmig beschlossenem Antrag spezielle Lärmmessungen vornehmen lassen.

CSU-Landtagsabgeordneter Marcel Huber, in dessen Stimmkreis die Isentalautobahn A 94 liegt, hat den Antrag gemeinsam mit Kollegen von CSU und Freien Wählern in den Verkehrsausschuss eingebracht. Das geforderte Lärmgutachten soll über die Pläne der Regierung von Oberbayern hinausgehen, lediglich Lärmmessungen der Fahrbahnbeläge durchzuführen. Huber zufolge könnte an einigen Stellen Flüsterasphalt die bessere Lösung sein. Der CSU-Politiker fordert zudem, die Wirksamkeit von Geschwindigkeitsüberprüfungen zu überdenken. Beschwerden betroffener Bürger erreichten ebenfalls Martin Büchler, Sprecher für Mobilität bei Bündnis 90/DIE GRÜNEN, weshalb er die Lärmmessungen begrüßt. Die AfD will zudem wissen, warum Flüsterasphalt nicht überall verlegt worden sei.

Die Anwohner klagen seit der Eröffnung der Isentalautobahn über hohe Lärmbelastung. Für ihre Forderung nach Nachbesserungen beim Schallschutz sammelten sie Unterschriften. Mahnfeuer, die lärmgeplagte Anwohner und Kommunalpolitiker aus Protest am 12. Dezember entlang der Isentalautobahn entzündeten, sollten ein weithin sichtbares Signal gegen die Lärmbelastung sein. In einer Petition an den bayerischen Landtag forderten sie bereits ein sofortiges und effektives Tempolimit sowie wirksamere Lärmschutzbauten und lärmmindernde Fahrbahnbeläge.

Zu wenig lärmmindernder Belag?

44 Monate betrug die Bauzeit der 33 Kilometer langen Neubaustrecke zwischen Pastetten und Heldenstein. Ihre zehn Meter breite Fahrbahn mit vier Streifen ist mit Seitenstreifen versehen. Das Autobahnteilstück hat vier Großbrücken mit einer Stützweite von bis zu 600 Metern sowie 24 mittelgroße und 29 kleinere Brücken. Insgesamt wurden rund 31.800 Quadratmeter Lärmschutzwände und -wälle gebaut: Die Lärmschutzanlagen haben eine Gesamtlänge von 22 Kilometern, wovon 13,6 Kilometer aus Wänden und 8,3 Kilometer aus Wällen bestehen. Auf mehr als der Hälfte der A 94 ist aus Schallschutzgründen ein lärmmindernder Fahrbahnbelag in bituminöser Bauweise ausgeführt worden. Zum Ausgleich für die Eingriffe in Natur und Landschaft auf insgesamt 115 Hektar Fläche wurden knapp 80 Ausgleichs- und Ersatzflächen neu hergestellt.

Für die Redner bei der Eröffnung überwog klar der Nutzen des A 94-Lückenschlusses. Michael Kordon, Präsident der Autobahndirektion Südbayern, Dr. Hans Reichhart, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Stephan Mayer, CSU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, sowie CSU-Landtagsabgeordneter Marcel Huber und Bartholomäus Kalb, Aufsichtsrat der Firma Berger Bau SE und MdB a.D. (CSU) unterstrichen die Notwendigkeit der Infrastrukturmaßnahme.

„Das ist ein historischer Tag“, befand auch Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, der den Autobahnneubau für Passau, Südostbayern und ganz Bayern als „Gewinn an Lebensqualität und Mobilität“ ansieht. Denn mit der Strecke zwischen München und Marktl werden Millionenmetropole und Südostbayern besser miteinander verbunden. Dabei zieht sich der Autobahnabschnitt Pastetten-Heldenstein durch das landschaftlich reizvolle Flusstal der Isen Richtung Chemiedreieck rund um Altötting – ein Grund für die zurückliegenden jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit Bürgerinitiativen und Naturschützern. Die neuerlichen Beschwerden wegen Lärmbelästigung reißen erneut Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern des A 94-Lückenschlusses. okk

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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