Digitalisierungsstrategie soll Rosenheim in eine „Smart City“ transformieren – Artmann: „Wir brauchen den großen Wurf“
Sprachen im September in Rosenheim über Digital-, Wirtschafts- und Sozialpolitik (v.l.n.r.): CSU-Stadtrat und Fraktionsgeschäftsführer Daniel Artmann, CDU-Generalsekretär und Bundestagabgeordneter Paul Ziemiak, CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig und CSU-Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat Andreas März. Foto: Olaf Konstantin Krueger
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Digitalisierungsstrategie soll Rosenheim in eine „Smart City“ transformieren – Artmann: „Wir brauchen den großen Wurf“

Rosenheim – Die kreisfreie Stadt Rosenheim soll zur „Smart City“ werden. Dazu hat der Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus eine „Digitalisierungsstrategie 2030“ beschlossen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, erklärt Thomas Bugl, Berufsmäßiger Stadtrat und Wirtschaftsdezernent, die Notwendigkeit. Zusätzlich Dampf macht CSU-Stadtrat und Fraktionsgeschäftsführer Daniel Artmann, Netzwerkmanager und Geschäftsführer vom „Stellwerk 18 – Digitale Wirtschaft Südostoberbayern e. V.“: Er wünscht sich alsbald einen städtischen „Chief Digital Officer (CDO)“.

Herr Artmann, Sie verbinden zwei Sphären: die politische und die digitale. Wo steht die Stadt Rosenheim in der Digitalisierung auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut)?
Derzeit sind wir in der Digitalisierung klassisches Mittelfeld, also bei Punkt 5, mit steigender Tendenz. Mit der „Digitalisierungsstrategie 2030“ kommt Rosenheim gesetzlichen Vorgaben wie der Datenschutzgrundverordnung, dem Onlinezugangsgesetz sowie den eGovernment-Gesetzen des Bundes und des Landes Bayern nach, die umgesetzt werden müssen. Die Baustellen festzustellen, ist ein erster wichtiger Schritt. Ich wünsche mir, dass wir nicht nur das gesetzlich Notwendige erfüllen, sondern auch Vorreiter sind.

Zunächst sind Verwaltungsleistungen wie KfZ-An- und -Abmeldung abrufbar vom heimischen Rechner oder standortunabhängig via mobiles Endgerät.
Rosenheim hat Nachholbedarf, wenn es darum geht, Amtsgeschäfte online zu erledigen. Zugleich gilt es, die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg in die Digitalisierung mitzunehmen und sie zu schulen. Es hilft nicht, eine tolle Plattform einzuführen, die niemand bedienen und anpassen kann.

Im Wirtschaftsausschuss haben Sie deshalb einen „Chief Digital Officer“ gefordert…
Wir sollten nicht kleinteilig herangehen. Mein Ziel ist, dass jemanden die fachliche Gesamtschau über alle Bereiche der Stadt hat. Ich denke, bei aller Schulung der städtischen Mitarbeiter müssen wir externes Know-how hinzuziehen, wenn es um Schnittstellenmanagement, Datenabgleich und Datensicherheit geht, damit wir den großen Wurf schaffen.

Wie soll dieser „große Wurf“ aussehen?
Die Digitalisierung bietet große Potenziale, Ressourcen effizienter und sparsamer einzusetzen. Beispielsweise in der innerstädtischen Verkehrsinfrastruktur Rosenheims – Stichworte: Parkraummanagement über App, ÖPNV, Fahrgastinformationssysteme, Ampelschaltungen. Beispielsweise in der Energieversorgung. Da sind wir auf der Skala bei Punkt 8, weil wir mit Biogasanlagen gut aufgestellt sind. Beispielsweise durch Raumklimaüberwachung, füllstandorientierte Containerleerung, Überwachung von Funktionsgebäuden und Zählerfernauslesung mittels Sensoren – Stichwort: LoRaWAN.

Das „Long Range Wide Area Network“, bestehend aus kleinen, kostengünstigen Sensoren mit niedriger Sendeleistung und guter Gebäudedurchdringung, welches die komro ab 2020 auf den Landkreis ausweiten will.
Weiteres Beispiel: Durch eine digitale Stadt-App kann Rosenheim noch attraktiver werden – Kufstein hat bereits einen „Audio-Guide“. Eine Stadt-App mit Echtzeitdarstellung des Busverkehrs wäre auch möglich – in Singapur sieht man etwa über Google Maps den Nahverkehr in Echtzeit. Das heißt, diese „Smart City“ kann den Alltag erleichtern, kann zur Nachhaltigkeit beitragen, Ressourcen schonen. Man muss hier offen sein, neue Wege zu gehen.

Müssen sich dann alle „Offliner“ und „analogen“ älteren Rosenheimer internetfähige Endgeräte, Smartphones zulegen?
Wir stehen hinsichtlich Barrierefreiheit und Teilhabe in der Verantwortung, jeden Bürger mitzunehmen. Auch für die ältere Generation bietet die Digitalisierung einen Mehrwert – Stichworte: Telemedizin und Pflege. Selbst in den anstehenden Kommunalwahlkampf findet das Querschnittsthema Eingang. Zugleich kann jeder über den „Ideenbriefkasten Smart City Rosenheim“ auf smartcity-rosenheim.de seine Ideen einbringen, wie der Alltag smarter gestaltet werden kann.

Hintergrund

Die bisherige Rosenheimer IuK-Strategie 2025 kann Thomas Bugl zufolge der informationstechnischen Dynamik, den gesetzlichen Gegebenheiten und den gestiegenen Anforderungen von Unternehmen und Bürgern nicht mehr Rechnung tragen. Die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft und die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung hingen aber „erheblich“ vom Umfang der Digitalisierung ab. Ausgehend von gesetzlichen Vorgaben, regionalen Erfordernissen sowie den Erwartungen der Wirtschaft und der Bürger beschreibt das integrierte Konzept nun konkrete Entwicklungsziele für drei „Säulen“: die „digitale Infrastruktur“, die „digitale Stadtverwaltung“ und die „digitale Stadtgesellschaft“. Die erste Säule sieht in der Versorgung mit Breitband, 5G und WLAN die Grundlage für eine leistungsfähige Infrastruktur, die zweite Säule betrifft die Implementierung neuer IT-Technologien in der Kommunalverwaltung, die dritte Säule rückt weitere Akteure ins Blickfeld wie die Stadtwerke, die RoMed-Kliniken und das Gründerzentrum „Stellwerk 18“.

Interview: Dr. Olaf Konstantin Krueger

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