Rott a.Inn veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht – Wendrock: Andere Gemeinden sollen nachziehen
Stellten dem Gemeinderat von Rott a.Inn am 27. Januar den ersten Nachhaltigkeitsbericht vor (v.l.n.r.): Prof. Dr. Andreas Fieber, Bürgermeister Daniel Wendrock und Umweltreferent Matthias Eggerl. Montage/Pressefoto/Hintergrundfoto: MH Photography
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Rott a.Inn veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht – Wendrock: Andere Gemeinden sollen nachziehen

Rosenheim / Rott a.Inn — Vorreiter in kommunaler Nachhaltigkeit, das ist Rott a.Inn für seinen Bürger­meis­ter Daniel Wendrock: Die rund 4.100 Ein­woh­ner zäh­len­de Ge­mein­de im ober­baye­ri­schen Land­kreis Rosenheim hat als erste ihrer Grö­ßen­ord­nung ei­nen Nach­hal­tig­keits­be­richt vor­ge­legt. Bis­lang ha­ben in Bayern nur Groß­städte wie München, Nürnberg und Augsburg sol­che Be­rich­te er­stel­len las­sen. Sie er­fas­sen per Kenn­grö­ßen ihre öko­no­mi­sche, öko­lo­gi­sche und so­zia­le Nach­hal­tig­keit und nutzen die Er­geb­nis­se als Grund­la­ge für das stra­te­gi­sche Nach­hal­tig­keits­ma­na­ge­ment. Ein Groß­teil des Rotter Be­richts ist nach den glo­ba­len Nach­hal­tig­keits­zie­len der Ver­ein­ten Nationen ge­glie­dert, den Sustainable Development Goals. Sie ver­deut­li­chen, in wel­chen Be­rei­chen die Ge­mein­de be­reits gut da­steht und wo es noch Hand­lungs­be­darf gibt. Ei­nen noch grö­ße­ren Nut­zen hät­ten sie bei ei­ner Ver­gleich­bar­keit mit an­de­ren Kom­mu­nen, be­to­nen die Beteiligten.

„Mir war schnell klar, dass unsere Gemeinde hiermit eine Vorreiterrolle ein­neh­men wird, denn Nach­hal­tig­keits­be­rich­te gibt es im kom­mu­na­len Be­reich bis­lang fast aus­schließ­lich für grö­ße­re Städte“, er­klärt der Rotter Erste Bür­ger­meis­ter Daniel Wendrock (par­tei­frei). Der Nach­hal­tig­keits­be­richt soll das Kern­stück ei­nes neuen Politik- und Ver­wal­tungs­an­sat­zes sein, mit dem Rott a.Inn öko­lo­gisch, öko­no­misch und so­zial ge­stal­tet wer­den kann. Den An­stoß da­zu gab ein Buch­pro­jekt über kom­mu­na­le Nach­hal­tig­keits­be­richt­er­stat­tung von Prof. Dr. Andreas Fieber vom Campus Burghausen der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Rosenheim und dem Rotter Ge­mein­de­rat und Um­welt­re­fe­ren­ten Matthias Eggerl. Das Fall­bei­spiel Rott a.Inn soll zei­gen, dass selbst kleine Land­kreis­ge­mein­den und Städte sol­che Be­rich­te er­stel­len kön­nen. Darüber hinaus soll der Be­richt in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den fort­ge­schrie­ben werden.

Kommunen als Ort der „Transformation“

Ausgangspunkt ist die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 27. Sep­tem­ber 2015 be­schlos­se­ne „Agenda 2030“. Sie for­mu­liert glo­ba­le Nach­hal­tig­keits­ziele – Eng­lisch: Sustainable Development Goals (SDGs) –, die bis 2030 er­reicht wer­den sol­len. Der Staats­se­kre­tärs­aus­schuss für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung hat als Steuerungs­or­gan der Deut­schen Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie den Kom­mu­nen ei­ne zen­tra­le Rolle beim Er­rei­chen der Zie­le zu­ge­spro­chen. Ein Be­schluss­pa­pier vom 14. Ju­ni 2021 ver­deut­licht, die Kom­mu­ne sei je­ner „Ort, an dem die Trans­for­ma­tion zu ei­ner nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung kon­kret und er­leb­bar statt­fin­det und an dem sich gleich­zei­tig wie un­ter ei­nem Brenn­glas Kon­se­quen­zen nicht-nach­hal­ti­ger Hand­lun­gen zei­gen“. Ge­mein­den, Städte, Land­krei­se und hö­he­re Kom­mu­nal­ver­bän­de wür­den be­son­de­re Ver­ant­wor­tung bei den nö­ti­gen so­zia­len, wirt­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Trans­for­ma­tions­leis­tun­gen tra­gen, ins­be­son­de­re für das Ziel der Klima­neu­tra­li­tät. Der Aus­schuss emp­fiehlt etwa für den Bereich Digitalisierung und Smart Cities, Ini­tia­ti­ven wie den Smart-City-Dialog sowie die Mo­dell­pro­jek­te Smart Cities und Smarte.Land.Re­gio­nen aus­zu­bauen. Vor dem Hin­ter­grund der Corona-Krise soll­ten be­darfs­ge­rech­te Lö­sun­gen für die „In­nen­städ­te und Orts­ker­ne der Zu­kunft“ er­ar­bei­tet oder ver­bes­sert werden.

So zentral die Kommunen für eine nachhaltige Entwicklung sind, so zentral sind kom­mu­na­le Nach­hal­tig­keits­be­rich­te für das Über­prü­fen und Steuern der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung. Die Be­rich­te fußen auf so­ge­nann­ten Nach­hal­tig­keits­in­di­ka­to­ren. Die­se er­fas­sen the­ma­tisch viel­fäl­tig die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in Zah­len, ma­chen sie quantifizierbar.

In Bayern soll das Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung die zahl­rei­chen Ziele für ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung baye­ri­scher Kom­mu­nen praxis­nah dar­stel­len, kon­kre­te Hand­lungs­op­tio­nen vor­stel­len und den Aus­tausch zwi­schen den Kom­mu­nen un­ter­stüt­zen. Baden-Württemberg ist schon wei­ter: Die Hoch­schu­le für Wirt­schaft und Umwelt (HfWU) hat eine Da­ten­bank über jene Kom­mu­nen er­stellt, die ei­nen Nach­hal­tig­keits­be­richt vor­ge­legt ha­ben. Die Ge­samt­schau um­fasst ge­gen­wär­tig knapp 100 Kom­mu­nen un­ter­schied­li­cher Grö­ßen­ord­nun­gen und soll so­wohl deren En­ga­ge­ment für nach­hal­ti­ge Kom­mu­nal­ent­wick­lung sicht­bar ma­chen als auch An­rei­ze schaf­fen, sich aus­zu­tau­schen und neue Im­pul­se zu setzen.

Nachhaltigkeit in Rott a.Inn

Der online unter www.rottinn.de abrufbare 136-seitige Rotter Nach­hal­tig­keits­be­richt be­steht aus zwei Tei­len: Im ers­ten, in­di­vi­du­el­len Teil kom­men ver­schie­de­ne ge­meind­li­che Ak­teu­re zu Wort und stel­len kom­mu­na­le Pro­jek­te vor. Im zwei­ten, in­di­ka­to­ren­ge­stütz­ten Teil wird die Ge­mein­de ent­lang der 17 glo­ba­len Nach­hal­tig­keits­zie­le und an­hand von 78 In­di­ka­to­ren be­schrie­ben so­wie mit Ziel­wer­ten be­legt. Die In­di­ka­to­ren rei­chen von der Min­dest­si­che­rungs­quo­te und Ob­dach­lo­sig­keit über die Luft­qua­li­tät und Breit­band­ver­sor­gung bis hin zu Part­ner­schaf­ten und Ak­ti­vi­tä­ten mit Kom­mu­nen im In- und Aus­land, ins­be­son­de­re des glo­ba­len Südens.

Im Ergebnis zeigt sich nach den Worten von Gemeinderat Eggerl, „dass Rott be­reits in vie­len Be­rei­chen Vor­rei­ter ist, gleich­zei­tig aber noch ein gro­ßes Stück Ar­beit vor sich hat.“ Heraus­ge­for­dert sei die Ge­mein­de un­ter an­de­rem durch den Rück­stand beim Aus­bau der Er­neuer­ba­ren Ener­gien und beim An­ge­bot an be­zahl­ba­rem Wohn­raum. Ergo: „Der Nach­hal­tig­keits­be­richt sollte der An­stoß für ein noch en­ga­gier­te­res Han­deln der Ge­mein­de bei die­sen Punk­ten sein“, emp­fiehlt Eggerl.

Solche Berichte ermöglichen laut Professor Fieber den Ver­gleich zwi­schen den Kom­mu­nen und füh­ren zu in­ten­si­ve­ren An­stren­gun­gen: „Mit dem von uns ent­wi­ckel­ten und an­hand des Rotter Nach­hal­tig­keits­be­rich­tes in der Praxis er­prob­ten Kon­zepts konn­ten wir zei­gen, dass es auch für klei­ne Kom­mu­nen mög­lich ist, in die Nach­hal­tig­keits­be­richt­er­stat­tung ein­zu­stei­gen.“ Da­her ap­pel­liert Wendrock: „An­de­re Ge­mein­den for­de­re ich da­zu auf, es uns gleich zu tun und eben­falls Nach­hal­tig­keits­be­rich­te zu er­stel­len. Die Ar­beit da­ran ist mehr als span­nend und gewinnbringend.“

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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