Zoff im Chiemgau bahnt sich an: Bürgerinitiative will „Kampenwand retten“
Nach 65 Jahren Betrieb plant die Kampenwandseilbahn GmbH den Erneuerungsbau der Seilbahn auf der Kampenwand. Foto: Anton Hötzelsperger
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Zoff im Chiemgau bahnt sich an: Bürgerinitiative will „Kampenwand retten“

Im Chiemgau bahnt sich Ärger an: Die Kampenwandseilbahn GmbH plant den Erneuerungsbau und Betrieb einer 8er-Kabinenbahn auf der Kampenwand. Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet die Kampenwand“, des Bund Naturschutz und des Vereins zum Schutz der Bergwelt halten dagegen. Sie argumentieren, dass der Ausbau sowohl aus Naturschutzaspekten als auch aus Erwägungen der Klimakrise nicht mehr zeitgemäß sei. In einer Online-Petition gegen den Ausbau der Kampenwandseilbahn in Aschau i. Ch. fanden sich nun rund 7.300 Unterstützer, die Unterlagen wurden kürzlich an Landrat Otto Lederer übergeben.

In der intensiven Diskussion wies der Landrat darauf hin, dass das Landratsamt einen Antrag gemäß klarer Vorgaben abarbeiten müsse. Es sei geprüft und abgewogen worden und aufgrund der Faktenlage stand dem Antragsteller eine Genehmigung zu. Diese wird, wie bekannt, gerichtlich überprüft, da der „Bund Naturschutz“ Klage eingereicht hat. Die Vertreter der Bürgerinitiativen und beider Vereine erläuterten detailliert, warum der Ausbau sowohl aus Naturschutzaspekten als auch aus Erwägungen der Klimakrise und ihrer jetzt schon massiven Auswirkungen nicht mehr zeitgemäß ist.

Dabei wurde nochmals auf Bodenerosion, Sturzfluten und erhöhte Lawinengefahr durch die Baumaßnahmen und das Setzen von 13 neuen Seilbahnstützen hingewiesen. Ebenfalls sei, so aus einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative „Rettet die Kampenwand“ zu entnehmen, eine Rodung bzw. Kahlschlag im rechtlich geschützten Schutz- und Naturwald sowie der Bodenversiegelung im Tal und auf dem Berg geplant. Der temporäre Übertourismus zeige sich schon jetzt mit der bestehenden Seilbahn, hieß es weiter.

Zudem könne die geplante massive Kapazitätssteigerung der Seilbahn und die Ausweitung von Sonderfahrten bis tief in die Nacht hinein ohne ausreichenden ÖPNV besonders in Aschau zu massiven Verkehrs- und Parkplatzproblemen im Priental führen. Die Kampenwandseilbahn GmbH plant den Erneuerungsbau und Betrieb einer kuppelbaren 8er-Kabinenbahn auf der Kampenwand, um den Komfort für die Fahrgäste zu verbessern und dem Betrieb eine langfristige Zukunft zu ermöglichen.

Das Landratsamt Rosenheim hat dieses Vorhaben im Grundsatz und mit allen wesentlichen Eigenschaften bereits im Jahre 2017 genehmigt und kürzlich Planänderungen gestattet sowie im Interesse einer noch naturverträglicheren Umsetzung der Genehmigung naturschutzfachliche Auflagen hinzugefügt. Laut Presseberichten klagt der Bund Naturschutz e. V. gegen diese Änderungen und begründet seine Klage im Wesentlichen mit der künftig technisch erhöhten Förderkapazität der Seilbahn.

Diese Argumentation hält die Bahn für nicht nachvollziehbar: „Der Bund Naturschutz e. V. weiß, dass auf dem Markt keine kleineren als 8er-Kabinen erhältlich sind. Wenn er sich also gegen diese maßvolle Form der Erneuerung der inzwischen 65 Jahre alten Gondeln wendet, verfolgt er andere Ziele“, so Bahngeschäftsführer Eric Zbil. Dabei sei man laut Bahnbetreiber den Naturschützern auch nach der Änderungsgenehmigung durch das Landratsamt Ende Juni weiter entgegengekommen: „Wir haben das Gespräch gesucht und dem Bund Naturschutz e. V. schriftlich konkrete Schritte angeboten, wie die gemeinsamen Themen im Kampenwandgebiet bewältigt werden könnten. Darauf hat die Organisation zunächst mit keinem Wort reagiert, sondern ohne die zugesicherte vorherige Information Klage eingereicht. Eine in der Presse zitierte Aussage des Vorsitzenden der Kreisgruppe Rosenheim, Rainer Auer, „eine schriftliche Festlegung dazu [sei] vom Betreiber nicht zu bekommen“, sei nachweislich falsch, so Zbil, und weiter: „Als ortsansässiger traditioneller Familienbetrieb wollen wir, dass auch Familien, untrainierten, älteren und kranken und behinderten Personen das Erholungserlebnis am Berg möglich bleibt oder überhaupt möglich wird, denn die neuen Gondeln und Stationen werden endlich auch barrierefrei sein.“

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So denken unsere Leser darüber:

Peter Piputa aus Bernau a. Ch.: Ich kenne die örtlichen Gegebenheiten als Einheimischer sehr gut. Es ist richtig, dass die aktuelle Seilbahn den heutigen Anforderungen nur noch eingeschränkt entspricht und deshalb erneuert werden muss. Ganz wichtig ist die Tatsache, dass sie nicht barrierefreie ist. Insofern ist es verantwortungslos und egoistisch von den Gegnern, die Modernisierung zu verhindern. Es ist auch hier die in unserem Land stark verbreitete „Anti-Haltung“ und die durchsichtigen, ideologischen Motive der Gegner erkennbar. Wer glaubt, dass sich die Besucher der Kampenwand an der Bahnkapazität orientieren und dann in doppelter Anzahl nach Aschau strömen, der kann auch weiterhin die These vertreten, dass die Erde eine Scheibe sei.

Adam Blieml: Es ist allein Entscheidung der Aschauer. Es haben mehr als 20 Behörden
und Vereine der Erneuerung zugestimmt. Ich freue mich, mit meiner Frau (Rollstuhl), die Kampenwand wieder besuchen kann.

Johann Stoib, Stephanskirchen: Ich finde einen solchen Eingriff in die Natur sollte in der heutigen Zeit nicht genehmigt werden. Auch jetzt mit den alten Gondeln ist teilweise der Parkplatz und der Berg mit Menschen überfüllt. Ich finde das ist nur eine Ausrede der Betreiber das auch Behinderte die Aussicht genießen können. Es geht ihnen nur um mehr Profit nicht um den Menschen. Nur um €€€€€€! Es ist das nicht Wert das man die Natur so beschädigt.

 

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