Rosenheimer Verbraucherzentrale zieht positive Jahresbilanz 2017: „Vor Vertragsabschluss AGB lesen!“
Berät Verbraucher in Stadt und Landkreis Rosenheim: Simone Oberholz, Leiterin der Rosenheimer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern. Foto: okk
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Rosenheimer Verbraucherzentrale zieht positive Jahresbilanz 2017: „Vor Vertragsabschluss AGB lesen!“

„Manche Fälle sind so skurril, das kann sich niemand ausdenken“, konstatiert Verbaucherschützerin Simone Oberholz. 933 ausführliche Beratungen und außergerichtliche Rechtsvertretungen hat die Leiterin der Rosenheimer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern im vergangenen Jahr durchgeführt (Vorjahr: 1.023), zudem 1.138 Kurzinformationen und Auskünfte erteilt (2016: 1.483). Ob Ärger mit Telekommunikationsanbietern, Abzocke im Internet oder Probleme mit Inkassodiensten – „wichtig ist, nicht voreilig zu handeln“, empfiehlt Oberholz.

Im vergangenen Jahr war die Verbraucherzentrale Bayern mit ihren 16 Beratungsstellen und 40 Energiestützpunkten wieder Anlaufstelle für verzwickte Fragen zu Verbraucherrecht, Altersvorsorge, Geldanlage, Versicherungen, Ernährung, Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit: 31.587 ausführliche Beratungen und außergerichtliche Rechtsvertretungen, 50.024 Kurzinformationen, 95.000 Teilnehmer bei Vorträgen, Aktionen und Ausstellungen sowie 767.147 Nutzer der Online-Angebote dokumentieren den Bedarf der Verbraucher an Unterstützung gegenüber Anbietern.

In der kreisfreien Stadt und im Landkreis ist die Rosenheimer Verbraucherzentrale in der Münchener Straße 36 Anlaufpunkt für verunsicherte, ratsuchende Endverbraucher. Deren Anfragen lassen sich anhand des EU-Verbraucherbarometers nach „Beratungsinhalten“ kategorisieren, wobei ein „Beratungskontakt“ mehrere Themen betreffen kann. Danach drehte sich letztes Jahr fast jedes dritte Thema in Rosenheim um Fragen über Telekommunikation und Medien (33 Prozent), gefolgt von Markt und Recht (27 Prozent), Finanzen/Versicherung/Altersvorsorge (26 Prozent), Energie/Umwelt (sieben Prozent), Reise/Freizeit/Mobilität (fünf Prozent) sowie Krankenversicherung (zwei Prozent).

Beratungsbedarf im digitalen Konsumalltag

„Telekommunikation ist ein Dauerbrenner“, stellt Oberholz fest. Die Juristin berät Verbraucher seit 16 Jahren. Nahmen 2016 noch Streaming-Dienste, App-Rechnungen und Datenschutzfragen breiten Raum ein, so blieb 2017 der Ärger mit Fake-Shops und unerlaubter Telefonwerbung relevant. Untergeschobene Verträge, monatelanges Warten auf Festnetz- und Internetanschlüsse, unverständliche Rechnungen, problematische Kündigungen – die individuelle Rechtsberatung in der Verbraucherzentrale Rosenheim ist mannigfaltig. Obschon im digitalen Konsumalltag die Fallen vielfältig sind, lässt sich doch ein Schema ausmachen: „Das Angebot täuscht Verbraucher sehr geschickt und lockt Nutzer in kostenpflichtige Bestellungen, ungewollte Abonnements und teure Verträge“, schildert Oberholz. Beispiel Onlinedating-Plattformen: Hier ist Obacht angesagt wegen automatisierter Vertragsverlängerungen und unklarer Laufzeiten.

Wer wiederum in einem Geschäft einen Vertrag unterschreibe, dem müsse „bewusst sein, dass das rechtsverbindlich ist“. Grundsätzlich hilft im Vorhinein ein einfacher Tipp: „Es lohnt sich immer, vor Abschluss den Vertragsentwurf und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen“, rät die Verbraucherschützerin. Denn im „Kleingedruckten“ dürften unter anderem auch Kündigungsklauseln und Fristen stehen.

Ärger mit Anbietern

Skurrile Fälle kennt Oberholz zuhauf: beispielsweise Schlüsseldienste, die rund eintausend Euro für das Öffnen einer Standardtür verlangen, „Hosentaschenanrufe“, bei denen aus Versehen kostenpflichtige „Servicenummer“ angewählt werden, oder vorgebliche Kreditkarten ohne Schufa-Prüfung, die sich als ungeeignete Prepaid-Karten entpuppen. Unter den „kuriosen Fällen 2017“ ganz oben rangiert eine Begebenheit, bei der eine Schwiegermutter in einem Geschäft den DSL-Vertrag, welchen der Schwiegersohn für sie online abgeschlossen hatte, auf Korrektheit prüfen lassen wollte. Der Frau, die auch nach Polen telefonieren wollte, wurde erklärt, Polen läge nicht in Europa und mit DSL könnte sowieso nicht nach Polen telefoniert werden. Das Verkaufsgespräch endete für die Frau mit zwei neuen Handy- und einem weiteren DSL-Vertrag. Erst die Rosenheimer Verbraucherzentrale beendete diesen Schmarrn.

Letztes Jahr wurden auch diverse Fragen zur Altersvorsorge und zum Energiesparen von der Beratungsstelle beantwortet. In Rosenheim steht zur persönlichen Altersvorsorgeberatung eigens ein Münchener Finanzexperte Rede und Antwort und klärt selbst komplizierte Sachverhalte. Die Beratung hilft, die privaten Finanzen zu ordnen und den finanziellen Vorsorgebedarf zu ermitteln. „Nur so können Sie im Gespräch mit Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern auf Augenhöhe Entscheidungen treffen“, ist Oberholz überzeugt. Stationäre Energieversorgung und verschiedene Energie-Checks vor Ort klärt ebenso ein eigener Energieberater. Dafür nahmen die Ratsuchenden entweder einen Termin in der Beratungsstelle wahr oder entschieden sich für eine Prüfung in Form eines Basis-, Gebäude-, Heiz-, Solarwärme- und Detail-Checks.

Elektronische Terminvereinbarung

Die Terminvereinbarung über Online-Kontaktformular unter verbraucherzentrale-bayern.de hat sich für die Verbraucherberatung bewährt, sagt Oberholz. „Das System ist in die Arbeitsabläufe integriert und wird von den Verbrauchern gut angenommen.“ Darüber hinaus ist die Rosenheimer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern telefonisch erreichbar unter Rufnummer 0 80 31/3 77 00. Die Öffnungs- und Beratungszeiten sind montags und dienstags nach Termin, mittwochs von 9 Uhr bis 13 Uhr, donnerstags von 13 Uhr bis 17 Uhr und freitags nach Termin. Die Kosten variieren je nach Art und Umfang der Beratung. Eine Terminvereinbarung ist möglich unter Rufnummer 0 89/55 27 94-0 oder über die Website.

Dr. Olaf Konstantin Krueger

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